Das vergoldete Bi-Wiring-Terminal ist im Auslieferungszustand mit isolierten Brücken versehen. Für das klangliche Maximum empfiehlt sich der Bi-Amping-Betrieb, also Zwei-Kanäle-Vier-Endstufen.

Was für die Geschwister gilt, besitzt auch beim Rubicon Vokal Gültigkeit: Bei der Aufstellung ist die Einwinkelung der Lautsprecher zum Hörplatz hin tabu. Aufgrund ihrer technischen Konstruktion stellen Dali-Lautsprecher keine hohen Ansprüche an die Leistungsfähigkeit eines Verstärkers. Nur klanglich sollte er etwas zu bieten haben, denn im Aufdecken von Schwächen in der vorgeschalteten Kette sind die Dänen gnadenlos. Am Vollverstärker Audionet SAM G2 fühlte sich die Vokals, mit HMS-Lautsprecherkabeln Capriccio angebunden, pudelwohl. Bleibt nur noch die Frage zu klären, ob die Idee mit dem zweckentfremdeten Center tatsächlich funktioniert.

Was für eine Bühne

Bei Trompete denken die meisten zwar an Till Brönner, doch auch Christian Scott aTunde Adjuah beherrscht das Instrument, wie man auf dem Album »The Emancipation Procrastination« erleben kann. Auf dem Fundament eines dezenten Schlagzeug und Bassgitarrenspiel erstrahlt sein Blasinstrument mit Klarheit, Druck und einer faszinierenden Raumabbildung – der Trompeter steht exakt zwischen den Lautsprechern. Dynamisch und durchdringend erreichen die Klänge den Hörplatz, ohne eine Spur einer Nervigkeit. Typisch für Dali ist die transparente Auflösung der Becken, die dem Rubicon Vokal weitaus besser gelingt als der ebenfalls im Hörraum anwesenden und schon lange als zuverlässiges Arbeitspferd eingesetzten Royal Menuet aus gleichem Haus. Mit dem Titel »Telos« von Watter machen die Rubicon Vokal zudem klar, dass sie erhebliches Potential im Tieftonbereich besitzen. Eine Eigenschaft, die sie in der Funktion des nach unten beschnittenen Bassbereichs im Heimkino gar nicht zur Geltung bringen können. Hier gehen sie wuchtig, aber ohne Dröhnneigung zu Werke, der Bass ist tendenziell rund und warm, da braucht es in normalen Räumen sicher keine Subwoofer-Unterstützung. Verblüffend ist aber die Abbildung der großen und breiten Bühne, die zudem eine eher seltene Dreidimensionalität offenbart.

Davon profitiert auch »The House Carpenter« von Mick McAuley. Filigranes Schlagwerk, präzises Gitarrenspiel und sanfte Stimme vereinen die Vokals zu einem musikalischen Gesamtkunstwerk. Hier punkten sie mit hervorragender Auflösung und Homogenität. Da ragt nicht einmal die kleinste Spitze aus dem Klangbild heraus. Dank des Hybridhochtöners werden zudem Details hörbar, die andere Lautsprecher dieser Preisklasse gerne vernachlässigen. Für die Krönung sorgt allerdings Mark Knopflers Filmmusik »A Shot At Glory«, die den Titel »Hard Cases« enthält. Beginnend mit einem Dudelsack, dessen Dauerton wie festgenagelt ertönt, und das vollkommen natürlich. 85 Sekunden muss man auf Knopflers charakteristisches Gitarrenspiel warten, dann verschlägt es einem allerdings den Atem, denn die Vokals bilden das Instrument mit einem Realismus ab, der ausschließlich Spitzenlautsprechern vorbehalten ist. Von der Klangfarbe bis in den schwindenden Nachhall passt hier alles zusammen. Zwei »Center«-Lautsprecher zu einem Stereopärchen zu einen, ist weit mehr als eine Option: Das ist im Falle des Rubicon Vokal eine ernsthafte Alternative.