Auch Hörgewohnheiten unterliegen dem Gesetz des steten Wandels. Den heute Zwanzigjährigen zu erklären, was hochwertige Musikwiedergabe ist, gleicht oftmals einer Sisyphusarbeit. Ohne jeden Zweifel ist in dieser Generation das Smartphone zur Tonquelle erster Wahl geworden. Den meisten reicht sogar die Wiedergabe über die eingebauten Lautsprecher. Anspruchsvoll wähnt sich bereits, wer die Musik per Bluetooth über aktivierte Plastikboxen laufen lässt. Da wenden sich Kenner mit Grausen ab und geben Hopfen und Malz verloren. Zu unrecht, wie wir meinen.

Denn der Blick in die eigene Biographie wird wohl zeigen, dass es zu Anfang eine Faszination für Musik gab und auf dieser Basis schließlich das Bestreben nach besserer Klangqualität erwachsen ist. In vielen Fällen sind es musik- und technikbegeisterte Zeitgenossen, die in der Funktion des Mentors ihr audiophiles Wissen teilen und eben auch verbreiten. Um den Erfolg solcher Arbeit sicher zu stellen, wird allerdings eine passende Anlage benötigt. Eine Anlage, die handwerklich vernünftig installiert ist, eine Anlage, deren Zusammenstellung passt, eine Anlage, die die Fähigkeit besitzt, vor ihr sitzende Hörer mit der klingende Botschaft zu erreichen. Sie glauben vielleicht, dass das im High-End-Audio-Bereich die Regel ist? Mittlerweile könnte auch die Auffassung entstehen, dass es sich dabei um die Ausnahme handelt.

Ein gutes Beispiel zur Stützung dieser These bietet die High End in München. Also genau die Messe, welche mit dem Motto »Der beste Ton« wirbt. Jede zweite Anlage auf der diesjährigen Messe animierte nicht nur nicht zum Kauf, sondern eher zur Aufgabe dieses so unglaublich intensiven Hobbys. Es gilt also, Spreu vom Weizen zu trennen und das sicher nicht nur, um »Smartphoniker« aus ihrem klanglichen Desaster zu befreien. Größer gefasst geht es allerdings auch darum, bisher nur funktionierender Anlagen in klingende Systeme umzuwandeln. Ein guter Ausgangspunkt dafür ist und bleibt der Lautsprecher. Also die Stelle, an der elektrische in mechanische Schwingungen umgewandelt werden.

Dabei gilt natürlich zu berücksichtigen, dass der Schallwandler nur so gut aufspielen kann, wie es die ihm vorgeschaltete Anlage gestattet. Am Falle der Dali Epicon 6 lässt sich diese Tatsache gut nachvollziehen. Knapp über einen Meter hoch, 30 Kilogramm schwer und für 9.000 Euro das Paar bereit, den Eigentümer zu wechseln. Der darf sich dann beim äußeren Erscheinungsbild zwischen Hochglanz schwarz, Walnuss Hochglanz und rubinrotem Makassar Hochglanz entscheiden. Mitgekauft, aber bitte ungenutzt bleibt die im Lieferumfang enthaltene Bodenplatte, deren Montage nur dann Sinn macht, wenn der Hörraum parallel auch als Kinderspielplatz genutzt wird.

Zwei der klugen Dali-Köpfe: Lars Worre (oben) ist Geschäftsführer des dänischen Unternehmens. Gemeinsam mit Chefentwickler Kim Kristiansen hat er das aufwändige Lautsprecherprojekt von der Projektierung bis zur Realisierung umgesetzt. Beide machen keinen Hehl daraus, dass es ein zeitintensiver, sehr anstrengender Weg war.