»Direktor Innovation«: Mit der neuen Epicon-Lautsprecherserie wird Kim Kristiansen seinem Titel mehr als gerecht. Hier sehen wir ihn bei der Präsentation des Standlautsprechers Epicon 6 auf der CES 2012 in Las Vegas.

Erlebenswerte Faszination Epicon 2

Diesem Hörtest, wir geben es gerne zu, haben wir entgegengefiebert. Denn selten geht ein Lautsprecher mit einer Technik an den Start, die vor ihm keiner hatte. Wir starten mit dem Klassiker »Private Investigations« von den Dire Straits. Die tiefe elektronische Klangfläche verheißt Gutes, druckvoll und sonor füllt sie den Raum zwischen den Boxen. In dieser Dimension vermutet man bei geschlossenen Augen einen tatsächlich ausgewachsenen Standlautsprecher. Knopflers Gitarre kommt präzise und leicht. Auch wenn schon hunderte Male gehört, offenbaren sich neue akustische Kleinigkeiten. Das berühmte fallende Glas ist realistisch zu hören, ohne jegliche Form der Überbeeindruckung.

Irritierend ist zunächst der mächtige Tiefton, mit dem die Epicon 2 die Hörer in Beschlag nehmen, will er doch einfach nicht zu der geringen Gehäusegröße passen. Also versuchen wir das Gehäuse mit »Let Jah Love Come (Sweet Substance Remix)« von Rhythm & Sound zu sprengen. Keine Chance, die Dali bleibt stabil – im Gegensatz zum Hörraum-Briefkasten, der erstmals fröhlich den Takt mitklappert und mit Zellstoff zwangsruhiggestellt werden muss. Die Epicon bleibt völlig unbeeindruckt und vermittelt auch noch die tiefsten Impulse klar und deutlich. So klar und deutlich, wie wir es von einem kompakten Zweiwege-Lautsprecher selten zuvor gehört haben.

Allerdings sollte man dieser Faszination nicht erliegen und sich zur Abwechslung mal intensiv um das Feld der Stimmenwiedergabe kümmern. So darf Rebecca Pidgeon ihr »The Twa Corbies« zum Besten geben. Mit sehr viel Luft intonieren beide Sängerinnen den Titel, kleinste Artikulationsdetails und feine Atemgeräusche begleiten das Stück, ohne sich in im Vordergrund festzusetzen. Anerkennend verzeichnen wir, dass auch die Tiefe in den Raum über den Durchschnitt hinausgeht. Das begleitende Cello klingt ausgesprochen wirklichkeitsnah, was ansonsten höchst selten der Fall ist, wenn es eher nach elektrisch manipulierter Geige tönt.

Den letzten Hörtest mit »Mozart: Ridente La Calma«, von Cecilia Bartoli gesungen, besteht die Epicon ebenfalls mit Bravour. Die Diva steht unserem Hörplatz direkt gegenüber am Flügel, mit höchster Perfektion wird sie von András Schiff auf dem Tasteninstrument begleitet. Das größtmögliche Kompliment für einen Schallwandler besteht nun darin, dass er musikalische Emotionen nicht zerstört. Mit leicht zurückhaltendem Temperament erweist sich die Dali der hohen Kunst würdig, und ihr Anspruch auf den Referenzthron wird übereinstimmend von den Redakteuren in Wirklichkeit gewandelt.

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