Wer sich in der analogen Szene bewegt, kommt an Clearaudio sicher nicht vorbei. Gegründet wurde das Unternehmen 1978 in Erlangen von Peter Suchy. Der Einstieg erfolgte allerdings nicht über Plattenspieler, sondern über Lautsprecher. Die ersten Konstruktionen des Diplom-Ingenieurs waren phasenkorrigierte Zweiwege-Lautsprecher, bei denen besonderes Augenmerk auf ein kohärentes Zeitverhalten gelegt wurde. Dieses frühe Interesse an Phasenrichtigkeit und Impulstreue ist kein Nebendetail, sondern zeigt bereits die technische Denkrichtung, die später auch die Laufwerksentwicklung prägen sollte. Noch im Gründungsjahr folgten die ersten Moving-Coil-Tonabnehmer. Bereits damals setzte Clearaudio auf konstruktive Besonderheiten wie einen vollsymmetrischen Generatoraufbau und Bor-Nadelträger – zu einer Zeit, als solche Lösungen alles andere als selbstverständlich waren. Von hier aus entwickelte sich Schritt für Schritt eine außergewöhnliche Fertigungstiefe. Tonabnehmer, Tonarme, Laufwerke, selbst zentrale mechanische Komponenten entstehen seither im eigenen Haus.
Gefertigt wird bis heute in Erlangen. Konstruktion, CNC-Bearbeitung, Oberflächenveredelung und Montage erfolgen unter einem Dach. Diese Unabhängigkeit ist kein Marketingargument, sondern technisch nachvollziehbar. Sie ermöglicht eine konsistente Entwicklungsphilosophie über Jahrzehnte hinweg. Genau deshalb hat Clearaudio im Laufe der Zeit eine klar erkennbare Handschrift entwickelt, die sich durch mechanische Präzision, kontrollierte Bedämpfung und konsequente Drehzahlstabilität auszeichnet. Vor diesem Hintergrund war meine Erwartung entsprechend hoch, als mir das Ovation-Laufwerk angekündigt wurde. Der Plattenspieler ist im Portfolio strategisch platziert: unterhalb der Statement-Serie und deutlich oberhalb der Einsteigergeräte. Ein Laufwerk, das viele Technologien der größeren Modelle übernimmt, ohne sich in radikalen Dimensionen zu verlieren.
Geliefert wird der Ovation in zwei Kartons – in einem befindet sich das Laufwerk, im zweiten Tonarm und Tonabnehmer. Bereits hier zeigt sich, wie ernst man das Thema Qualität nimmt. Die Verpackung ist logisch aufgebaut, jedes Bauteil liegt in exakt gefrästen Schaumlagen. Nichts wackelt, nichts berührt sich. Man entnimmt die Teile in genau der Reihenfolge, in der sie später montiert werden. Das ist kein Zufall, sondern durchdacht. Es vermeidet Fehler, reduziert Stress und vermittelt vom ersten Moment an das Gefühl, mit etwas Hochwertigem zu arbeiten. Jedes Element besitzt eine hohe haptische Qualität. Kanten sind sauber gebrochen, Oberflächen gleichmäßig ausgeführt, Gewinde laufen ohne Widerstand. Besonders auffällig ist die Zarge. Sie ist deutlich schwerer, als es ihre Abmessungen vermuten lassen. Der Grund liegt im konstruktiven Aufbau. Clearaudio verwendet hier ein aufwendiges Materialsandwich aus Aluminium und sauber gefrästem Panzerholz. In diese Struktur sind rund 100.000 kleine Metallkugeln integriert. Sie dienen der Bedämpfung und hochwirksamen Resonanzabsorption. Das Prinzip dahinter ist mechanisch nachvollziehbar: Unterschiedliche Materialdichten und die mikroskopische Bewegung der Kugeln wandeln eingetragene Schwingungsenergie in Wärme um und verhindern so stehende Resonanzen. Das Resultat ist eine Zarge mit hoher innerer Gelassenheit und zugleich definierter Masse.