Wer die Bi-Wiring-Option nutzen möchte, kommt in den Genuss von zwei Paar edlen Lautsprecher-Anschlussklemmen aus dem Hause Furutech.

Im Hörraum verkabelten wir die beiden Classés mit dem symmetrischen Kabel HMS Concertato und schlossen abwechselnd die überragend klingenden Lautsprecher Dynaudio Confidence 30 und Magico A5 an. Überraschungen haben den Vorteil, dass man auf sie nicht warten muss. So sollte das rhythmisch ausgesprochen attraktive »Corpo Sujeito« von Daniel Haaksmann eigentlich nur als Aufwärmübung dienen. Zwei Dinge fallen hier sofort auf: die enorme Dynamik, welche die Classé-Kombi liefert, und vor allem das hohe Maß an Energie in den mittleren und unteren Oktaven. Das ist selten in dieser Kultiviertheit zu hören, und so besteht die Überraschung darin, dass die Kanadier die an sie gestellten Erwartungen bereits in der ersten Runde übertreffen können.

Aufgrund der Netzwerkeinbindung können wir Musik per AirPlay und über den USB-Eingang per Player-Software Roon einbringen. Zunächst wählen wir per Apple AirPlay Musik beim Streaming-Dienst Tidal aus und lassen sie dann von Classé verstärken. Da tönt dann der »Bolero« in der Interpretation der A-Capella-Truppe Maybebop sehr schön. Die Zeichnung der Stimmen gelingt unter Berücksichtigung sämtlicher Feinheiten, der Nachhall sorgt für die Abbildung des Raumes. Dasselbe Stück klingt dann aber über Roon und den USB-Eingang noch einmal ausdrucksstärker. Da verschwinden Grenzen, der »Bolero« wirkt nun intensiver und hat eine angenehme Tendenz in Richtung klanglicher Wärme. Für das Nebenbeihören bietet AirPlay mehr als nötig, aber für das ernsthafte Hören von Daten-Files bevorzugen wir den USB-Eingang.

Erwartungen übertreffen

Ganz und gar nicht verstecken muss sich auch der Phonoeingang. Auf dem Plattenteller rotiert die LP »Rekord« von den Fantastischen Vier. Der MC-Tonabnehmer Goldring Ethos gleitet durch die Rille und generiert beim Stück »25« eine pulsierende Tieftonorgie. Das geht im Normalfall in einem dröhnenden Sumpf unter, aber nicht hier. Die kraftvolle Delta-Endstufe liefert ein vollmundiges Bouquet, rund und mit klaren Konturen. Da gerät nichts, aber auch wirklich gar nichts aus den Fugen. Der eingebaute Phono-Pre ist klar besser als von mir erwartet. Das gilt natürlich auch dann, wenn ein Jazz-Trio den Fokus eher auf die kleinen und feinen Töne legt. Auch die sensible Behandlung der dann von Piano, Bass und Schlagzeug erzeugten Töne gelingt dem Classé-Doppel absolut überzeugend.

Wenn Ola Kvernberg seine zwischen Jazz, Elektropop und klassischer Musik angesiedelten Kompositionen zu Gehör bringt, dann hängt ihre Wirkung ganz entscheidend von der reproduzierenden Anlage ab, sprich der Verstärker kann den Unterschied machen. Mit den Classés beginnt eine wundervoll musikalische Reise. Das Klangbild ist straff, besitzt klare Konturen und profitiert von der Souveränität im Umgang mit den Klängen, die wirklich nur die besten Verstärker beherrschen. Hinzu gesellt sich eine Selbstverständlichkeit bei der dreidimensionalen Bühnenabbildung, deren Qualität erst beim Vergleich mit anderen Verstärkern deutlich wird, weil diese den Musikern nicht so viel Luft lassen wie das kanadische Duo. Damit werden eindrucksvolle Hörerlebnisse unabhängig von Genre, Entstehungsort oder -zeit kontinuierlich garantiert.

Die Classé-App funktioniert mustergültig. Über die Funktionstasten F1 bis F8 lassen sich Menü-Abkürzungen programmieren. Die in Viertel-Dezibel-Schritten funktionierende Pegelregelung ist am Gerät, per Fernbedienung oder auch über die App möglich.
Ein weiterer großer Vorteil der App besteht darin, Klangkorrekturen vom Hörplatz aus durchführen zu können. Dabei haben die Entwickler dafür gesorgt, dass feine Schritte zum gewünschten akustischen Ziel führen.
Die App informiert ebenfalls über die aktuelle Firmware und das anliegende Digitalsignal. Dank der Pflege der Software bekommen Classé-Kunden ein auf Langlebigkeit ausgelegtes Produkt. Nicht zuletzt die fünf Jahre Garantie sind dafür ebenfalls ein klares Zeichen.