Als ich vor wenigen Wochen den Canor Gaia C2 zum Test hier hatte und davon ausgesprochen angetan war, stellte sich fast automatisch die Frage, was Canor eigentlich in anderen Preisregionen zu bieten hat. Ein Hersteller, der im oberen Segment so überzeugend arbeitet, weckt zwangsläufig Neugier auf das, was darunter passiert. Kann die gleiche konstruktive Sorgfalt auch in einem deutlich bezahlbareren Bereich funktionieren? Der Zeitpunkt dafür hätte kaum besser sein können, denn die Slowaken hatten kurz zuvor die neue Foundation-Serie angekündigt. Eine Produktlinie, die sich ganz bewusst an eine breitere und auch jüngere Kundschaft richtet, ohne dabei die technische Handschrift des Herstellers aufzugeben. Kurz gesagt: genau die Art von Konzept, bei der man wissen möchte, ob sie in der Praxis wirklich funktioniert. Praktischerweise wurden mir gleich beide Geräte geliefert. Der Vollverstärker Virtus i4S und der DAC Verto D4S.
Schon beim Auspacken fällt die hohe Anfassqualität der Geräte auf. Alles wirkt sauber verarbeitet, nichts klappert, nichts wirkt nachlässig montiert oder irgendwie provisorisch. Die Geräte hinterlassen sofort den Eindruck, dass hier mit Sorgfalt gearbeitet wurde. Gestalterisch verfolgen beide ein angenehm wohnraumfreundliches Konzept. Das Design ist sehr schlicht gehalten, wirkt fast nüchtern, bekommt aber durch einzelne Form- und Farbakzente einen eigenen Charakter. Dadurch bleiben die Geräte trotz ihrer Zurückhaltung klar als Canor erkennbar. Ein wesentlicher Teil dieses reduzierten Erscheinungsbildes entsteht durch den konsequenten Verzicht auf klassische Bedienelemente auf der Front. Es gibt keine Tasten oder Knöpfe. Stattdessen wird nahezu alles über berührungsempfindliche Displays gesteuert. Selbst das Aufwecken aus dem Standby erfolgt über einen kleinen, etwas heller markierten Punkt in der Glasfront, der auf eine sanfte Berührung reagiert.
Lediglich der Lautstärkeregler des Vollverstärkers ist noch physisch vorhanden. Allerdings verbirgt sich auch hier im Inneren ein berührungsempfindliches Display, das verschiedene Informationen und Menüpunkte anzeigen kann. Das wirkt zunächst ungewöhnlich, funktioniert in der Praxis aber überraschend intuitiv. Darauf werden wir später noch genauer eingehen. Neben diesem Drehregler ist lediglich noch die Kopfhörerbuchse auf der Front des Verstärkers zu finden. Mehr gibt es nicht zu sehen. Die eigentliche Bedienung erfolgt durch eine Kombination aus Tippen, Wischen und Drehen am Regler. Über diese drei Bewegungen lassen sich sämtliche Einstellungen des Geräts vornehmen. Nach wenigen Minuten versteht man das Prinzip dahinter vollständig. Dann fühlt sich das Ganze eher wie die Bedienung eines sehr aufgeräumten Smartphones an als wie die eines klassischen Verstärkers.