Jede Röhre wird bei Canor gemessen und die ermittelten Werte in einer Datenbank abgelegt. Damit wird sichergestellt, dass in der Fertigung immer möglichst identische Modelle paarweise eingesetzt werden.

Führt man sich vor Augen, dass der vorhandene Maschinenpark bei Canor lediglich der Fertigung des sechs Komponenten umfassenden Portfolios dienen soll, wird man doch skeptisch. Zudem sind dafür doch keine 80 Mitarbeiter notwendig, oder? Die Erklärung ist einfach: Im Canor-Werk werden auch Komponenten für andere Hersteller gefertigt, das erklärt die Größe des slowakischen Unternehmens. Aber wer steckt denn hinter dieser Marke? Einer der Akteure heißt Zdeňek Březovják. Der Miteigentümer ist von Haus aus musikbegeisterter Ingenieur. Das Hybrid-Konzept des Verstärkers hat sich aus klanglichen Gründen ergeben. Březovják liebt den Sound von Röhren und möchte dennoch nicht auf Leistung verzichten, was die Kombination mit der Class-D-Endstufe erklärt. Bei den eingesetzten Röhren handelt es sich jeweils um einzeln gemessene und anschließend gepaarte Exemplare. Die Sorgfalt auch an dieser Stelle soll der Klangqualität zugute kommen.

Ausgesprochen geschmackssicher

In puncto Gestaltung ist der AI 2.10 eine wohltuende Ausnahme im Frontplatten-Einerlei. In der silbernen Ausführung wird das solide Aluminiumgesicht durch eine schwarze Kontrastlinie nahezu symmetrisch geteilt. Im Zentrum sitzt der solide Lautstärkeregler, dessen Drehung von dem im Inneren schaltenden Relais akustisch begleitet wird. Das hört sich schon gut an, noch bevor überhaupt Musik läuft. Nach dem Einschalten dauert es einen kleinen Moment, bis die Betriebsbereitschaft gegeben ist, was den sich aufwärmenden Röhren geschuldet ist. Doch Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. An den soliden Ausgangsklemmen des Canors hängen »Red Dawn«-Lautsprecherkabel von Nordost und an deren Ende die bewährten Dynaudio Special Forty.

Von »Null auf Hundert« funktioniert im Bereich der hochwertigen Musikwiedergabe eher in Stunden und Tagen als binnen Sekunden. Schließlich gilt es mit unterschiedlichen Netzzuleitungen und Lautsprecherkabeln zu experimentieren und zu hören, ob sich der Klangcharakter des Verstärkers auch an verschiedenen Lautsprechern erkennen lässt. Was dem Canor AI 2.10 wirklich gut tut, ist ein zweckoptimiertes Netzkabel, das wie im Falle eines QED XT5 nicht einmal die Welt kosten muss. Der Amp reagiert auf dessen Einsatz in puncto Abbildung mit intensiveren Farben und dazu einem rabenschwarzen Bass. Dieses Potential sollte man einfach nicht verschenken, denn dieser Verstärker macht richtig Musik. 

Basis für die stabile Leistung ist ein schwerer Ringkerntransformator und für störungsfreies Arbeiten sorgen unter anderem die Abschirmbleche zwischen den Baugruppen.