Hören Sie dieses Album mit dem Watt, vorzugsweise laut. Dann werden Sie vermutlich sehr schnell Feuer und Flamme sein für richtig gute Rockmusik.

Die Gehäusekonstruktion des Watt wurde strikt resonanzoptimiert und bringt zu diesem Zweck reichlich Masse ins Spiel: Das Frontpanel und die Seitenteile werden aus Aluminium in einer Wandstärke von zwölf Millimetern hergestellt, selbst der Deckel ist stattliche sechs Millimeter stark. Hinter dieser soliden Abschirmung steckt ein Innenleben, das es so noch nie gab: Die Ingenieure haben sämtliche Register gezogen, charakteristische Aufbauten im Detail modifiziert und teils neu kombiniert, um dem Ganzen mit neu entwickelten Verstärkerstufen und Endverstärkungsmodulen die Krone aufzusetzen. Prinzipiell basiert die kompromisslos in Doppel-Mono-Architektur gehaltene Audioschaltung des Watt auf der kapazitiv und elektromagnetisch optimierten »Ultra Linear Amplifier«-Technologie, die eine außerordentlich hohe Bandbreite gewährleistet und sich zudem durch besonders kurze Signalwege auszeichnet. Während die Steuerungssektionen und die Audio-Schaltungen separat mit zuvor aufwendig geglätteter Spannung gespeist werden, sorgen insgesamt Dutzende Dioden für eine zusätzliche lokale Stabilisierung unmittelbar vor den jeweiligen Baugruppen. Zu den neuen Feinheiten zählen eine Rhodiumsicherung und die von Furutech stammenden Polklemmen für die Lautsprecherkabel, die ebenfalls mit diesem nicht-reaktiven Edelmetall beschichtet sind. An einer Stelle geht es bei einem Verstärker, der sich namentlich der Leistung verschrieben hat, jedoch nicht um Feinheiten, sondern um schiere Kraft. Und davon stellen zwei gekapselte Ringkerntransformatoren mit jeweils 700 Voltampere Kapazität sicherlich genügend bereit.

Kontrolle, die man nicht überhören kann

Losgelassen haben wir diese Reserven auf die hervorragenden Dali Epicon 6, die nicht viel Anschub benötigen, aber mit jedem angelieferten Watt mehr nur noch weiter aufblühen. Diese generell immer wieder aufs Neue gemachte Erfahrung beschreibt das Leistungsgesetz der High Fidelity: »Die Relation zwischen Verstärkerleistung und Klanggenuss ist proportional.« Natürlich ist hierbei vorausgesetzt, dass die Leistung schnell und stabil abgegeben wird, denn abseits des Plakativen dreht sich alles um Kontrolle, die sich kaum in Watt bemisst. Darüber, wie sich Kontrolle eines Verstärkers über die Lautsprecher subjektiv erfassen lässt, werden die Hörerfahrungen mit dem Watt zu einem Lehrstück. Eine kleine Besetzung mit Piano und Gitarre, zu hören auf Eric Johnsons neuem Album mit dem schlichten Titel »EJ«, reicht bereits völlig aus, um binnen einer Sekunde daran erinnert zu werden, dass der Klang einer Gitarre auch dann durchaus Autorität besitzt, wenn das Instrument nur sanft gezupft wird. Schlussendlich zeichnet sich der Watt nicht allein durch lupenreine Kontrolle aus, doch sie ist ein untrügliches Indiz für sehr viel mehr: So präzise die Zügel in der Hand halten kann nur eine Elektronik, die breitbandig linear arbeitet und schnelle Anstiegszeiten realisiert. Aus diesen technischen Aspekten resultiert alles, was den Watt wirklich ausmacht. Wegen der Kombination dieser zentralen Qualitäten auf höchstem Niveau vermittelt die Spielweise des Watt jederzeit den Eindruck von definitiver Gültigkeit, anstatt lediglich auf irgendeine Weise verbindlich zu wirken.

Hervorgerufen wird jenes Gefühl von unzweifelhafter Authentizität in erster Linie durch eine tonale und dynamische Nuancierung, die einen Mikrokosmos aufzoomt, ohne das Geschehen darin aus seinem Kontext zu reißen oder das Gesamtbild zu vernachlässigen. Wenn es musikalisch dann einmal energisch zur Sache geht, nimmt das dynamische und atmosphärische Abbildungsvermögen des Watt unvermittelt wachrüttelnde Züge an: Beim Titelsong »A Way You’ll Never Be« des neuen Albums von John Wesley stehen Schlagzeug und Gitarrenbretter unverrückbar und mit atemberaubender Präsenz im Raum. Und wer richtig schnell unterwegs ist, vermag auch, sich angemessen Zeit für die Stille zwischen den Noten zu nehmen; der Watt gestaltet in solchen »Pausen« Zwischenräume aus, innerhalb derer sich jeder einzelne Ton mit all seinen Facetten voll entfalten kann. Das mit meiner Lieblingspianistin Hélène Grimaud und ihrem Tourneealbum »Water« zu genießen, bedeutete, emotional die Retrospektive eines bewegenden Konzertabends zu erleben.