Zu den technischen Besonderheiten des Watt zählen auch neu entwickelte Endverstärkungsmodule.

Dies gilt besonders für den Vollverstärker der Scientist-Serie, den Watt, der wie seine Mitspieler Planck und Ampere nur in der Farbausführung Hellbronze zu haben ist. Auf seiner wie von Audionet gewohnt aufgeräumten Frontblende finden sich vier in Gehäusefarbe eloxierte Mikrotaster; sie steuern den Standby-Betrieb und die Stummschaltung, mit den beiden anderen Tasten kann das Menü aufgerufen beziehungsweise eine Auswahl bestätigt werden. Dort lässt sich nach Belieben schalten und walten: Beispielsweise können die Eingänge frei benannt und eine automatische Ein- und Abschaltung eingestellt werden. Zu den angebotenen Möglichkeiten zählen außerdem die Konfiguration des optional erhältlichen Phonomoduls und die Aktivierung des rückseitigen Kopfhörerausgangs, der standesgemäß als 6,3-Millimeter-Klinkenbuchse ausgeführt ist. Aber die große Buchse allein macht noch keine wirklich gute Verstärkung, deshalb wird der Kopfhörerausgang des Watt von dessen Endstufensektion angetrieben. Sämtliche Funktionen sind alternativ selbstverständlich bequem vom Sofa aus bedienbar, die dazu mitgelieferte Fernbedienung RC 1 hat ein schwarz eloxiertes Metallgehäuse mit Aluminiumtasten und liegt gut in der Hand.

Ein Paradigmenwechsel

Das augenfälligste gestalterische Merkmal des Watt kennzeichnet einen Paradigmenwechsel: Prominent mittig positioniert befindet sich ein Drehregler von beinahe monumentalem Ausmaß. Dieses Steuerungsinstrument ist genau richtig dimensioniert und dient sowohl der Lautstärkeregelung als auch der Navigation durch die Menüpunkte. Das Interessante an diesem Regler ist freilich nicht, was er macht, sondern wie: Er bietet haptisches Vergnügen wie aus dem Bilderbuch, will kraftvoll betätigt werden und rastet überaus präzise – und das wirklich deutlich spürbar. Diese charmante taktile Rückmeldung wird ebenso wie der schwere Anlauf durch eine Magnetrastung bewirkt, und auch ansonsten verbirgt sich hinter diesem aus dem Vollen gedrehten Bedienelement sehr anspruchsvolle Technik. Die Drehimpulse setzt ein Drehimpulsgeber um, der die entsprechenden Werte an ein Widerstandsnetzwerk leitet, das in Echtzeit linearisiert wird. In der Funktion als Lautstärkeregelung hat eine solche Ansammlung fein abgestufter Widerstände vitalen Einfluss auf den Klang, deshalb greift Audionet hier gern ins eigene Regal: Die für den Watt verwendete elektronische Lautstärkestellung ist vollständig selbst entwickelt worden und wurde erstmalig in der Vorstufe PRE G2 eingesetzt. Mit dieser hochmodernen Spielart eines traditionellen Gestaltungselementes deutet der Watt bereits an, wie die Scientist-Serie gewissermaßen eine Brücke baut zwischen dem Bisherigen und den neuen Referenzen.

Seine Ausstattung dokumentiert eine klar definierte Zweckbestimmung als puristische Musikmaschine, entlang derer der Watt ohne Wenn und Aber konzipiert ist. Verglichen mit den Netzwerk-Komponenten und dem bis dato typischen Augenmerk auf eine Vielfalt von Optionen, übt sich Audionet hier nachgerade in Purismus: Der Watt ist mit einem symmetrischen XLR-Eingang und lediglich drei Cinch-Eingängen ausgestattet – bravo! Das genügt vollkommen und bildet wohl die realen Erfordernisse in den Wohnzimmern der meisten Audiophilen ab. Außerdem verzichtet Audionet beim Watt auf eine Klangregelung und die Möglichkeit, sich in Kombination mit der Software CARMA an ungünstige raumakustische Gegebenheiten anzupassen. Weiterhin an Bord sind dagegen – neben dem praktisch obligatorischen Vorstufenausgang – ein Bypass-Modus, der die nahtlose Integration in A/V-Systeme vereinfacht, sowie zwei Audionet Link-Ausgänge, die eine Ferneinschaltung weiterer Komponenten aus gleichem Hause ermöglichen.

Neben der typischen seriösen Ingenieursleistung bei Audionet spielt das Gehör bei der Abstimmung nach wie vor eine wichtige Rolle. Aus diesem Grunde ist der Watt mit Polklemmen aus dem Hause Furutech ausgestattet worden.