Kleine Zweiwegebox, geschlossenes Gehäuse, da war doch was? Ja genau, die Geburt der Lautsprecher-Legende BBC LS3/5a in den frühen 1970er-Jahren hatte einen ähnlichen Hintergrund: Kleiner geschlossener Zweiwegemonitor aus professionellem Umfeld erobert die Wohnzimmer der HiFi-Freunde. Ich kenne die LS3/5a sehr gut; ich habe sie während meines Studentenjobs in einem Berliner High-End-Wohnraumstudio verkauft wie warme Semmeln, denn der Kurs von 1.300 Mark pro Paar war alles andere als abgehoben. Und ich habe den Klang dieser kleinen Schallwandler geliebt, die an einem großen Verstärker von Rowland Research einfach über sich hinauswuchsen und wunderbar spielten.
Ich kann jeden verstehen, der auch heute noch an seiner LS3/5a hängt und sie hegt und pflegt, um damit genussvoll Musik hören zu können. Was ich jedoch nicht verstehen kann, sind die Gebrauchtpreise für verkratzte, 40 Jahre alte Exemplare, die weit über dem Doppelten des damaligen Neupreises liegen. Zumal es immer Hersteller wie etwa Graham, Harbeth und Spendor gab, die die klanglichen Qualitäten dieses Konzepts in ihren mit modernen Chassis gebauten Versionen der LS3/5a für einen marktgerechten Preis angeboten haben (inzwischen haben allerdings auch diese Boxen die 3.000-Euro-Schwelle überschritten). Befremdlich finde zudem, dass sich heute diverse Firmen, vom Bausatzhändler bis zu den ehemaligen BBC-Lizenznehmern, die originalen KEF-Chassis in China nachbauen lassen und ihre LS3/5a – wie zum Beispiel Rogers – für weit über 4.000 Euro, in einer SE-Version sogar für über 5.000 Euro auf den Markt werfen. Ein über 50 Jahre altes Konzept mit technologisch noch älteren Chassis für so viel Geld – also ich weiß nicht.
Und was hat nun dieser kurze Exkurs mit der ATC SCM7 zu tun? Meiner Meinung nach eine ganze Menge. ATC hat seine Reputation mit Lautsprechern für Tonstudios sowie Radio- und Fernsehanstalten erworben und steht auch bei Musikern hoch im Kurs. Die hier vorgestellte SCM7 ist der kleinste Lautsprecher der HiFi-Serie und hat überraschend viele oberflächliche Gemeinsamkeiten mit der LS3/5a: Zweiwege, geschlossenes Gehäuse mit einem Nettovolumen von 7 Litern (daher die Bezeichnung SCM7; die LS 3/5a hat ein Volumen von etwas über 6 Litern), eine schlanke Front und eine Höhe von cirka 30 Zentimetern. Und mit ihrem Einstandspreis von 1.360 Euro ist die SCM7 genau da, wo die LS3/5a einmal war: fair bepreist und für HiFi-Freunde erschwinglich.