Für den Hochtonbereich kommt eine 25-Millimeter-Kalotte zum Einsatz. Der in einem kleinen Hornvorsatz arbeitende Dom aus Polyester wurde zur Versteifung mit Lack beschichtet. Das Entwicklungsziel bestand darin, dass er nur in geringfügigem Maße verfärbt und der Abstrahlwinkel möglichst breit ist. Unter 2.600 Hertz übernimmt ein 13-Zentimeter-Tiefmitteltöner, dessen Membran aus Polypropylen und Schichtsilikat gefertigt wird. Auch seine Entwicklung erfolgte mittels aufwendiger Simulationsverfahren, die das Verhalten des Chassis sehr genau vorhersagen können. Während in dieser Preisklasse häufig Schwingspulen aus Aluminium verwendet werden, besitzt die 12.1 ein Modell aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Zu guter Letzt verfügt der Magnet, also der »Motor« des Chassis, noch über einen Aluminiumring, der für ein präziseres Impulsverhalten sorgen soll.

Bei der Aufstellung eines kompakten Lautsprechers gibt es mehrere Optionen. Geht es um das Abrufen des maximalen Klangpotentials, ist die Platzierung auf Ständern empfehlenswert. Ebenso gehört ein vernünftiges Lautsprecherkabel dazu. In Verbindung mit der Wharfedale machte das QED-Kabel XT25 – ein zwei Meter langes und mit Bananensteckern bestücktes Set kostet um die 100 Euro – einen exzellenten Eindruck. Mit dem MA900 aus dem Hause Magnat stand ein bewährter Vollverstärker zur Verfügung. Einspielzeit hin oder her, am Schluss siegte die Neugier und die Diamond 12.1 musste zeigen, was sie kann. Im Zusammenspiel mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und Klaus Doldinger’s Passport ist das »Symphonic Project« entstanden. Dafür hat Doldinger unter anderem die »Tatort«-Titelmelodie und den Soundtrack von »Das Boot« in ein klassisches Gewand gehüllt. Die Wharfedale besticht vom ersten Sonar-Ton bis zum Einsatz der Bläser mit genauem Auflösungsvermögen. Zudem punktet sie mit einer dreidimensionalen Raumabbildung. In den leiseren Passagen offenbart sie mehr akustische Details, als in ihrer Preisklasse überhaupt zu erwarten sein dürften.

Abtauchen in weite Klangräume

Saxophon in der Grace Cathedral in San Francisco spielen zu dürfen, ist ein Privileg. Eines, das man Branford Marsalis sicher gönnt. »In My Solitude« lautet der Titel des dabei entstandenen Albums, das in überdurchschnittlichem Maße von einer guten Anlage profitiert. Denn zwei Dinge müssen absolut stimmig sein: die feinen Klappengeräusche des Instruments sowie die präzise Raumabbildung. Bei »Stardust« fasziniert die Wharfedale mit einer höchst präzisen Abbildung des Saxophons und des Nachhalls, der sich lang und weit im Kirchenschiff ausbreitet. Mit Bi-Wiring-Verkabelung bleibt dieser Eindruck erhalten, aber die Wiedergabe bekommt eine äußerst angenehme Leichtigkeit. Auch an den Klangfarben des Instruments gibt es kaum etwas auszusetzen, schon gar nicht, wenn man Klassenkameraden zum Vergleich heranzieht.

Elektronische Tanzmusik wie vom aktuellen Faithless-Album »All Blessed« scheint nicht unbedingt das richtige Futter für einen so zierlichen Lautsprecher wie die 12.1 zu sein. Denkste, natürlich erzielt die Wharfedale nur eine geringe physische Wirkung, aber, und das ist deutlich wichtiger, sie dröhnt auch nicht auf Kosten der Auflösung unkontrolliert herum. Doch dank ihrer Plastizität und dem hohen Maß an Klarheit macht auch das Hören dieses Albums richtig Spaß. Vor allem die weiträumigen Klangflächen klingen dabei harmonisch. Mit dieser letzten, ebenfalls gelungenen Darbietung wird die Diamond 12.1 zum neuen i-fidelity.net-Arbeitsgerät. 

Branford Marsalis entführt die Zuhörer mit schwebenden Tönen seines Saxophons aus der realen Welt. Schließt man die Augen, ist die Illusion perfekt. »In My Solitude: Live At Grace Cathedral« ist sowohl musikalisch als auch klanglich ein echter Leckerbissen.