Was ihr Können insgesamt anbelangt, sollte man sich ohnehin nicht vom Preis täuschen lassen, wie schon die ersten Takte des Titels »How Many Times?« zeigen, der von Serj Tankians EP »Elasticity« stammt. Ursprünglich hatte der Frontmann von System of A Down die fünf Songs für ein neues Album seiner Band geschrieben, dann aber doch beschlossen, aus ihnen das erste Soloalbum seit acht Jahren zu machen und alle Instrumentenspuren selbst einzuspielen. Die R 21 verleiht hier den Drums ordentlich Gewicht und platziert sie klar umrissen hinter der Bassgitarre, die druckvoll und kernig durchgezeichnet wird. Nachdem die R 21 bei dieser Rock-Ballade auch der rauen Gesangsstimme den richtigen Biss gegeben hat, soll das wandlungsfähige Stimmorgan der norwegischen Komponistin und Sängerin Siril Malmedal Hauge aufzeigen, wie es um die tonale Flexibilität und die Wendigkeit der R 21 bestellt ist. Beim Song »Featherlight« aus ihrem neuen Album »Slowly, Slowly« präsentiert die Sängerin ihr ganzes vokales Talent, und dasselbe gilt gewissermaßen für die R 21: Sie folgt Siril Malmedal Hauge klaglos vom Alt bis zum Sopran und widmet sich sämtlichen Zwischentönen, lässt sie mal samtig angehaucht schmeicheln und mal glockenklar erstrahlen. Dabei zeichnet die R 21 die Stimme mit messerscharfer Kontur und bildet sie sowohl in richtiger Größe als auch in passender Höhe ab.

Entspannte Mühelosigkeit

James Francies hat nach seinem gefeierten Debüt »Flight« kürzlich bei Blue Note Records sein zweites Album »Purest Form« veröffentlicht, für das der Pianist und Keyboarder einige namhafte Gastmusiker gewinnen konnte. Bei »713« allerdings stehen neben seinem virtuosen Piano-Spiel die angestammten Mitstreiter Burniss Travis am Bass und Jeremy Dutton am Schlagzeug im Vordergrund. Die R 21 staffelt hier die Bühne so akkurat, als hätte sie diese zuvor am Reißbrett entworfen: Wenn sich die Band in ein quirliges Getümmel von Piano, Keyboard, Bass, Drums, Becken und leisen Background-Vocals stürzt, behält der Lautsprecher gelassen die Übersicht und macht das Geschehen mühelos durchhörbar – die R 21 zeigt hier ohne Wenn und Aber echte Monitorqualitäten. Dass die mit ausgeprägtem musikalischem Feingefühl einhergehen, dokumentiert die lyrische Interpretation von Hélène Grimaud, wenn sie zusammen mit der Camerata Salzburg Valentin Silvestrovs »The Messenger« aus ihrem gleichnamigen Album in der Fassung für Klavier und Streicher spielt: Wie natürlich fließend sich jetzt die Melodiebögen der Violinen und der Celli miteinander verweben, schließlich mit den Noten des Pianos zusammenfinden, das ist wirklich hinreißend. Die kultivierte Spielweise der R 21 lässt die schwebende Ruhe der Streicher den ganzen Raum ergreifen und akzentuiert die Kontrapunkte des Flügels mit der gebotenen Verve. Dabei entfaltet sie den Farbenreichtum des Instruments in all seinen Kolorierungen und kann auch einen glaubhaften Eindruck von dessen Klangkörper vermitteln.

Kein Lautsprecher – schon gar kein kompakter – darf bei mir um eine echte Bass-Herausforderung herumkommen, daher muss die R 21 nun bei einer Electro-Playlist ihre Standfestigkeit beweisen. Der Punkt geht allerdings auch glasklar an die kleine T+A, denn sie steigt verblüffend tief in den Frequenzkeller herab und kann die Charakteristik der staubtrockenen Bassläufe bei »Secret Encounters« von Guy Gerber ebenso zur Geltung bringen wie die saftigen Beats beim »The Age Of Love«-Remix von Charlotte de Witte und Enrico Sangiuliano – eine klasse Vorstellung, die nachhaltig Eindruck macht!