Für den Hörtest habe ich beiden Geräten zuerst bessere, aber noch erschwingliche Netzkabel spendiert: die bewährten Evo 3 Premier von IsoTek. Zuerst spielt der Amp alleine an meinen KEF LS 50, die mittels QED XT 40-Kabel verbunden sind. Standesgemäß wird der hundertprozentig analoge M2si mit Vinyl über einen Analogis Résumé-Phono-Preamp beschickt. Kaum hat sich das Audio Technica AT 150 MLX in die Rillen der zweiten Seite von Al Greens Album »Call Me« gesenkt, folgt die umgehende Reaktion meinerseits: leichtes Fußwippen, sanftes Kopfnicken, entspanntes Lächeln. Das liegt natürlich auch an dem großartigen Soul, aber eben nicht nur.

Virtuos & Lautstark

Der M2si präsentiert diese Musik ausnehmend organisch, in sich ruhend, dennoch schwungvoll – und bietet gleichsam Raum für analytisches Erfahren. Die Hammond beispielsweise lässt er im Hintergrund orgeln (wo sie hier im Arrangement auch hingehört), aber wer sich darauf konzentriert, kann das Spiel von Tastenmeister Charles Hodges gut verfolgen. Doch man muss nicht. Das Hörerglück liegt beim Musical Fidelity nicht auf der akribischen Detailebene, sondern in der ganzheitlichen Musikerfahrung. Die  nichtsdestotrotz von der guten räumlichen Ausleuchtung profitiert: Den Damenchor auf »Funny How Time Slips Away« setzt der Amp schön versetzt auf halblinks hinten. Auch feindynamisch liefert der M2si. Beim Track »Jesus Is Waiting« spielt Al Green im letzten Drittel sehr virtuos mit der Lautstärke im Gesang, dessen feine Unterschiede der britische Amp wohl gestaffelt zu übermitteln weiß.

Groove, Raum, Spritzigkeit – das kann er. Aber mag der Brite es auch grob? Zur Antwortfindung legen sich Max Roach und seine Begleiter auf dem 1966er-Album »Drums Unlimited« ins Zeug. Die fordernden Soli von Kontrabass und Schlagzeug transportiert der M2si stabil und substanziell bis in Lautstärke-Sphären, die ich meinen Nachbarn nur selten zumuten möchte. Interessanterweise kippt er dabei nicht in das Komprimierte oder Schrille, wie die diesbezüglich potentiell entlarvenden, jedoch sauber und luftig dargebotenen Trompeten- und Saxophon-Passagen belegen.