Mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben, scheint aktuell in vielen Bereichen nicht mehr die Regel zu sein. Denn was früher die Ausnahme war, ist heute oft der Normalfall. Waren solide Planung, sorgfältige Fertigung und vernünftige Kalkulation einst die Garanten für Erfolg, gilt heute vielfach die Devise: Je größer die Spinnerei, desto größer auch die Reichweite. In seinem Buch »Die Psyche des Homo Digitalis« zitiert der Psychologe Johannes Hepp aus einer zehnjährigen Langzeitstudie, bei der die Forscher des MIT herausfanden, dass korrekte Fakten am langsamsten und seltensten verbreitet werden, Fake News hingegen sechsmal so schnell und sie erreichen hundertmal mehr User. Das führt naheliegend auch zu extremen Entwicklungen, die sich, bezogen auf HiFi, beispielsweise in puncto Materialaufwand, Gewicht und Verkaufspreis widerspiegeln können. Nur was aus der gewohnten, aus der normalen Reihe fällt, erregt noch Aufmerksamkeit. Die Crux: Ein normaler, mit  Vernunft ausgestatteter Hörer kann mit solchen Prahlerei-Produkten wenig anfangen.

Der zur Armour Home Group gehörende englische Hersteller Goldring hat sich an derartigen Entwicklungen nie beteiligt. Seit 1906 ist man dem Firmencredo, Kunden Klangqualität zu liefern, treu geblieben. In den vergangenen zwei Jahrzehnten galt das ausschließlich für Tonabnehmer, doch mit dem GR3 bringt Goldring jetzt wieder einen Plattenspieler auf den Markt, der in Kooperation mit einem Spezialisten für Analoglaufwerke entwickelt wurde und der dem Plug-and-Play-Prinzip (das es bei Plattenspielern ja so nicht geben kann) sehr nahe kommt. Zunächst einmal ist er mit dem Magnet-Tonabnehmer E3 bestückt, der sich durch seine musikalischen Fähigkeiten bewährt hat. Er ist ab Werk penibel vorjustiert und die Kontrolle mit der Messschablone zeigt, dass die Engländer ihr Handwerk verstehen. Damit entfällt der erste, meist zeitaufwendige Schritt bei der Montage komplett.

Vom Kunden anzubringen ist das 130-Gramm-Gegengewicht am Ende des Arms. Jetzt kommt ein entscheidender Schritt bei der Einstellung: Die Auflagekraft muss auf die empfohlenen zwei Gramm eingestellt werden. Eine mechanische Waage, die es als Zubehör in unterschiedlichen Ausführungs- und Qualitätsstufen gibt, leistet dabei einen wichtigen Dienst. Der GR3 besitzt einen riemengetriebenen Teller, im Auslieferungszustand ist der aus Gummi bestehende Antriebsriemen bereits um den aus Kunststoff gefertigten Innenteller gelegt. Ein weiterer Schritt, der dem Nutzer vom Hersteller abgenommen wurde. Nachdem der 1,25 Kilogramm wiegende Teller aufgesetzt und die Filzmatte aufgelegt ist, kann es mit dem Hören von Schallplatten schon fast losgehen. Nur die Signalverbindung zum Verstärker fehlt noch. Sie wird mit Hilfe eines einfachen, aber aus dem Hause des Kabelspezialisten QED stammenden Kabels realisiert. Finaler Komfort-Coup ist der im GR3 eingebaute Phonovorverstärker, der dafür sorgt, dass die abgetasteten Signale direkt an den Hochpegeleingang eines Verstärkers oder auch direkt an Aktivlautsprecher geschickt werden können. Da es sich um eine Hochpegelverbindung handelt, ist kein separates Erdkabel nötig.