Nach knapp drei Jahren harter Arbeit war es dann so weit: 1995 wurde der »JET Monitor« auf den Markt gebracht, das erste Lautsprecherdesign, das mit dem neuen, in Kiel entwickelten JET-Hochtöner ausgestattet war. Danach folgten neue Generationen des JET im Abstand von drei beziehungsweise vier Jahren, wobei der JET 3 im Jahr 2003 sein Debüt in den Lautsprechern der Linie 200 feierte. Sein Lebenszyklus wäre noch länger gewesen, wären da nicht im Jahr 2010 Auftragsfertigungen für die Automobilindustrie angelaufen, denen intensive, an deren spezifischen Anforderungen orientierte Entwicklungsarbeit vorausging. Selbige brachte neue Erkenntnisse mit sich, die auch über den ausschließlich für das Automotive-Segment gefertigten JET 4 hinaus anwendbar waren. Im Zuge dieser Kooperation entwickelte sich zudem eine Dynamik, die zu einer hundertprozentigen Endkontrolle sowie zur Modernisierung und Zertifizierung der gesamten Kieler Produktionsstätte nach ISO 9001:2015 führte.

Neben der bis heute fortgeführten Fertigung für Fahrzeug-Soundsysteme war 2012 der JET 5 das Resultat jener ereignisreichen, herausfordernden Jahre. Er wurde zwar als »JET 5c« mit modifizierter Frontplatte in den Modellen der Flaggschiff-Serie Concentro verbaut, blieb aber ansonsten unverändert, bis im Spätherbst vergangenen Jahres der JET 6 vorgestellt wurde. Dieser lange Zeitraum zwischen der fünften und der sechsten Generation des JET legt beredtes Zeugnis darüber ab, dass hier nur tatsächlicher Fortschritt in Ablösen mündet. Schlussfolgernd lässt sich daran auch erkennen: Der JET 5 darf als durch und durch ausgereift angesehen werden.

Optimierte Abstrahlcharakteristik

Entwicklungsleiter Rolf Janke berichtet im Gespräch, dass er mit seinem Team kontinuierlich nach Verbesserungspotenzial gesucht hatte, jedoch lange Zeit keinen Ansatzpunkt fand. Wenig später nahmen die Ingenieure erneut eine kleine Resonanzspitze ins Visier, die sich innerhalb eines engen Frequenzbereichs in Messungen offenbarte. Mithilfe aufwendiger Simulationen wurde dann ein Schlitzmuster für die Frontplatte gefunden, das die Schallleistung und die Abstrahlcharakteristik optimiert. Im Lautsprecher eingebaut ist der JET 6 nur daran zu erkennen: Anstelle vier gleich breiter Schlitze weist die neue Frontplatte zwei breite Schlitze, oben und unten positioniert, sowie drei schmalere Schlitze in der Mitte auf. Damit war allerdings noch keine Lösung in Sicht, die besagte minimale Resonanz zu nivellieren. »Es war ein bisschen wie damals am Anfang, wieder waren wir mit Resonanzkontrolle beschäftigt und haben fieberhaft an einer Lösung geforscht,« so  Rolf Janke.

Schließlich kam die zündende Idee, inspiriert von Saiteninstrumenten: das Prinzip der ungleichen bewegten Massen. Dessen Umsetzung zielt hier auf eine kontrollierte Varianz bewegter Massen, die durch eine Modifikation der Aluminium-Leiterbahnen erreicht wird: Sie sind nun nicht mehr durchgehend in derselben Breite, sondern in exakt definierten Sektionen schmaler ausgeführt. Diese Lösung reiht sich mittlerweile in die Liste von Patenten ein, die Elac hält; dass sie die Messschriebe noch besser aussehen lässt, glaube ich unbesehen. Allein das Versprechen, dass der JET 6 noch »smoother« klingt, scheint mir angesichts der klanglichen Qualitäten seines Vorgängers schwer einlösbar. Eines ist dennoch von vornherein klar: Der JET 6 ist die Starbesetzung dieses technischen Ensembles. Abseits indirekter Vergleiche anhand diverser, mit dem JET 5 bestückter Lautsprecher im Ohr, wird daher mit Blick auf ihren Preispunkt umso interessanter zu erkunden, welche Rolle die neue Solano-Kompaktbox einnehmen kann.