Da die Solano-Bookshelfs über einen bei Lautsprechern dieser Größe durchaus typischen, allenfalls mittleren Wirkungsgrad verfügen, habe ich verstärkerseitig mit einer i-fidelity.net-Referenz – der Musical Fidelity-Kombination M6s PRE/PRX – einen überaus potenten Leistungslieferanten herangezogen. 2 x 336 Watt (4 Ohm) sind eine sichere Bank. Die Verkabelung übernahm das vielfach bewährte QED XT 40 Reference. Zur ersten Einschätzung lief via Qobuz/Roon akustischer Jazz. Beim Album »Spirit Sensitive« von Chico Freeman präsentieren sich die Solanos sogleich als sehr lebendige Vertreter, die mit ihren Qualitäten nicht hinter dem Berg halten: Das Saxophon wird in einem wunderbar stimmigen Timbre inklusive aller Anblasgeräusche präsentiert, das zarte Rühren mit dem Besen auf der Snare ist nicht nur ein komisches Dauerrauschen im Untergrund; stattdessen hört man die winzigen Dynamikunterschiede im Spiel von Billy Hart klar heraus. Das feinteilige Differenzierungsvermögen der Elac BS 283 begeistert auch bei den Schlagzeugbecken, wo die sehr eng beieinanderliegenden Unterschiede zwischen »Attack« und »Release«, also dem Anschlagmoment und Nachklingen, sehr genau übertragen werden. Hier zeigt sich der Jet-Hochtöner in seinem Element. Erfreulicherweise hält der Woofer das Niveau. So hat die sehr wuchtige Kontrabass-Performance von Cecil McBee Biss, Präzision und Körper. Erstes Verdikt: Das kann sich hören lassen!

Weil die Boxen an ihrem soliden Anschlussterminal eine Bi-Wiring-Option anbieten und die Musical Fidelity M6s PRX-Endstufe dank zweier paralleler Speaker-Abgriffe ein sehr leichtes Verkabeln solcher Art von Verschaltung ermöglicht, war es einfach herauszufinden, ob da »noch mehr geht«. Traditionell hege ich – vor allem bei preiswerten Schallwandlern – eine gewisse Skepsis ob der Sinnhaftigkeit von Bi-Wiring, aber im Falle dieser qualitativ gehobenen Konstellation war das Interesse geweckt. Mit einem zweiten identischen Paar QED XT 40-Kabel liefen die Solano BS 283 jetzt im Bi-Wiring-Modus. Beim erneuten Genuss der vorher konventionell verkabelt abgespielten Musik war zu konstatieren: Ein Mehrwert ist hörbar! Single-Wiring war schon gut, Bi-Wiring ist aber besser. Der Bass spielt definierter mit gleichsam intensivierter Autorität, das letzte Quantum Nervosität im Hochtonbereich ist verschwunden, der Gesamteindruck wirkt angenehmer, vollmundiger, runder – bei gleichzeitig gestiegener Tiefenstaffelung in der ohnehin schon exzellent ausgeprägten Räumlichkeit.

 

Konsistentes Ergebnisse

Konsequenterweise hörte ich fortan weiter im Bi-Wiring-Modus und konnte erneut bestätigen: Die Hochtonwiedergabe der Solanos ist exzellent. Ausnehmend agil, feindynamisch famos abgestuft und hochgradig transparent, ohne es diesbezüglich aber mit der Frische zu übertreiben. Im letzten Drittel des Titels »Rainbows« vom Sepalot Quartett aus deren 2018er-Album »A New Cycle« entwickelt der Song eine längere Dub-Passage, in der die Hi-Hats zwar schon mit beachtlicher Schärfe einschneiden. Doch kann diese »Würze« durchaus vom Produzenten via EQ am Mixer beabsichtigt sein. Dafür spricht, dass sich die alsbald dazu gesellende, im Frequenzspektrum ähnlich gelagerte Trompete fernab jeden übereifrigen Strahlens eher abgedunkelt ihre Linien zieht. Diese formidable Durchsichtigkeit der Elac-Boxen wird im folgenden Titel »Konzentrat« erneut offenbar, wo ganz versteckt im Hintergrund ein leise loopendes DJ-Sample den Song atmosphärisch unterfüttert, was minder auflösenden Schallwandlern sicherlich entgangen wäre. Das gilt übrigens genauso für die zarte Hallfahne auf der Trompete. Trotz dieser flink-luftigen Tweeter-Performance hinkt der Bass nicht etwa hinterher, sondern ist selber sehr behände unterwegs und schafft es so, zusammen mit dem Jet 5 ein konsistentes Ergebnis zu präsentieren. Woran mit Sicherheit die aufeinander abgestimmten Rolloffs der beiden Treiber ihren Anteil haben, die es wiederum erlaubten, die Frequenzweiche nicht überkomplex gestalten zu müssen. Neben seinem Beitrag zum harmonischen Ganzen punktet der kleine Fünfzehner auch in seiner Kernfunktion: Er klettert tiefer in den Frequenzkeller, als man es gemeinhin bei Boxen dieses Größenformats erwarten dürfte. Zudem gelingt ihm dieses mit einem überraschenden Maß an Standfestigkeit, wie die sehr satte Präsentation von Bassdrum und Standtom auf den Songs des Sepalot Quartetts belegt.