Bei den Kraftwerk-Alben »Tour de France« und »The Mix«, das sich mit hervorragend produzierten, inspirierten Neuabmischungen ikonischer Titel nach wie vor als mein Favorit hält, fällt die Bassanhebung allerdings für mein Empfinden etwas zu schwer ins Gewicht. Eine bemerkenswert kontrollierte und dennoch ausgesprochen kraftvolle Präsentation der unteren Register, die sich harmonisch an das restliche Spektrum anschließt, erreiche ich in meinem Raum mit deaktivierter »XBass«-Funktion und einer Absenkung von drei Dezibel bei 60 Hertz. Solche Anpassungen können im Bedarfsfall bequem in der App vorgenommen werden, auch deshalb gilt im Hinblick auf die Basspotenz dieser Boxen das Motto »Haben ist besser als brauchen«. Jetzt blubbern die Bassläufe bei »Aéro Dynamik« in Kraftwerk-typischer Manier durch den Raum, anschließend entwerfen die DCB61 bei »Trans Europa Express« ein weitläufig ausgedehntes Panorama, in dem einzelne Effektsounds sauber gestaffelt zu verorten sind. Für diesen Abend hat sich das Thema akustische Musik erledigt, ich »lade meine Batterie« mit sämtlichen Versionen des Titels »Die Roboter«. Deren unterschiedliche Klangcharakteristik zeigen die DCB61 klar auf und machen mit kontrolliertem Punch salopp gesagt kolossal Spaß.
Ihr aktuelles Album »Hit Me Hard And Soft« hat Billie Eilish erneut zusammen mit ihrem Bruder im heimischen Studio aufgenommen, herausgekommen ist dabei eine blitzsaubere Produktion ohne Schnörkel und vordergründige Effekte auf den Gesangsspuren. Die DCB61 machen schnell deutlich, dass diese Stimme keinerlei Kosmetik nötig hat, indem sie Nuancen der Intonation fein herausarbeiten und jedes Atemgeräusch hörbar machen, wenn Billie Eilish bei »The Greatest« nah ins Mikro haucht. Dabei bilden sie die Sängerin plastisch in richtiger Größe ab und zeichnen den Instrumentenkörper der Gitarre mit scharfen Konturen nach, während sie das Instrument mit wohldosierter Grundtonwärme ausstatten. Auch die Abbildung des Schlagzeugaufbaus gelingt mit glaubhaften Dimensionen, wobei sich Tonalität und Durchsetzungsfähigkeit der DCB61 erneut aufs Angenehmste bemerkbar machen: Die Bassdrum hat ordentlich Gewicht und klingt wunderbar erdig. Vor allem jedoch lassen sie die intime Atmosphäre dieser Ballade unmittelbar unter die Haut gehen und laden nachdrücklich dazu ein, hieran anzuschließen.
Das taufrische Album »6.0« von Ina Müller kommt da wie gerufen; ihre erfrischende Art, Themen des Lebens und eines Lebensabschnitts ungeschminkt, aber einfühlsam auf den Punkt zu bringen, ist wirklich ausgesprochen hörenswert. Gleiches gilt für die lupenreine Produktion, die ganz ohne Allüren den passenden Rahmen für tiefgründig-humorvolle Texte bildet. »Gerade so, dass es reicht« ist eine Ballade, deren Textzeilen nachwirken und nachdenklich machen, ohne Schwere zu hinterlassen. Der Songtitel verfängt allerdings keineswegs mit Blick auf die Darbietung dieser Elac-Boxen, ganz im Gegenteil: Auch hier bilden sie die Gesangstimme sehr facettenreich und natürlich klingend ab. Bei »Mixkassettentage« grenzen sie Background Vocals präzise von der Hauptstimme ab und setzen die verzerrte E-Gitarre mitreißend in Szene. Der Funke springt auch jetzt sofort über – die DCB61 fangen die melancholischen und die heiteren Momente dieser Erzählungen atmosphärisch treffsicher ein.