Genug der Technik, und auch die über Heos bereitgestellte Quellenvielfalt des PMA-900HNE darf nun außen vor gelassen werden: Nach einigen Quervergleichen mit dem Musikserver Xo-one von X-odos als Zuspieler gehe ich dem 900er-Team klanglich nur mit lokalen Files und Tidal sowie natürlich CDs weiter auf die Spur. Zur Verkabelung der beiden Komponenten bieten sich mit dem Performance Audio-Cinchkabel und dem Lautsprecherkabel XT-25 von QED zwei ausgezeichnet klingende Leitungen an, die in das monetäre Gefüge passen. Die Elac BS 404 übersteigen zwar das typischerweise für Spielpartner eines Amps dieser Preisklasse eingesetzte Budget, aber die Gunst der Stunde will genutzt werden. Im DCD-900NE rotiert die erste Scheibe aus der 2020 veröffentlichten 4er-Album-Box »Quattro« von John Digweed, die ausgesuchte Werke von Künstlern seines Labels Bedrock enthält. Der einleitende Teil trägt das Stilmotiv »Soundscapes« und ist dementsprechend von weitläufig angelegten Klangpanoramen gekennzeichnet, die jetzt weit über die Lautsprecherbasis hinausreichen und auch die Tiefe des Raumes erfassen: Während bei »Razlog Valley« von Moniker sphärische Klänge im Hintergrund schwebend ausklingen, touchieren einzelne Effektsounds die Ohrmuscheln. Wenn dann die tiefschwarzen Bassläufe einsetzen, lässt sich der DCD-900NE nicht aus der Ruhe bringen und liefert ein stabiles Fundament. Der PMA-900HNE schöpft indes aus üppigen Reserven, er zeichnet die untersten Oktaven straff durch und beleuchtet zugleich die feinen Texturen jedes einzelnen Farbtupfers in dieser vielschichtigen Klangmalerei. Tatsächlich spielen die beiden Denon-Komponenten derart atmosphärisch, dass ich abrupt aus meinem Kopfkino gerissen werde, als die Scheibe zu Ende ist – wirklich große Klasse.
Florence + the Machine haben im vergangenen Jahr ihr fünftes Album »Dance Fever« herausgebracht, auf dem die Musiker um Leadsängerin Florence Welch einmal mehr ihr Faible für Fusion ausleben. Charakteristisch ist dabei die Mischung von Einflüssen aus Genres, die stilistisch stark kontrastieren, aber am Ende doch im eigenständigen und ebenso hörenswerten Sound der Band zusammenfinden. Neben Elementen aus Pop, Indie-Rock, Soul und Dance sind diesmal auch Anklänge von Gothic zu hören. »Girls Against God« ist jedoch ein beinahe lupenreiner Folk-Song, von der verzerrten E-Gitarre und den Chorspuren einmal abgesehen. Die raue, aber facettenreiche Stimme der Sängerin steht im Vordergrund dieses Songs, und das Denon-Duo bildet sie vor mir greifbar ab, in richtiger Größe und konturenscharf. Dabei bringen CD-Spieler und Verstärker feine Nuancen der Intonation zur Geltung und transportieren die melancholische Note des gefühlsstarken Vortrags. Entschieden energischer, sogar tanzbar geht es bei »Mermaids« zu, das auf der bei Tidal verfügbaren »Complete Edition« des Albums zu finden ist. Die Lautstärke bewegt sich hierbei schnell jenseits gesitteter Gepflogenheiten, denn der PMA-900HNE packt herrlich zu, drückt die trocken-schmutzige Bassgitarre kraftvoll in den Raum und verleiht der Bassdrum ordentlich Gewicht.
Feinsinn ist dagegen bei dieser von Manfred Eicher für »ECM New Series« produzierten Einspielung gefragt: »Prism V«. Das Danish String Quartet hat die 2018 eröffnete Albumreihe »Prism« jüngst mit diesem fünften Teil abgeschlossen, der einen Choral (BWV 668) und eine Fuge von Bach (BWV 1080) dem Streichquartett Nr. 16 in F-Dur, op. 135 von Beethoven und dem Streichquartett von Webern gegenüberstellt. Der PMA-900HNE begegnet diesem filigranen Geflecht von Melodiebögen mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und stellt die Instrumente mit scharf gezeichneten Konturen auf eine glaubhaft dimensionierte, hell ausgeleuchtete Bühne. Dabei kann er die tiefen Saiten der Bratsche klar von den höheren Noten des Cellos abgrenzen und lässt die Violinen in prächtigen Klangfarben strahlen; kraftvoll, aber in ihrer Prägnanz stets wohldosiert – eine durch und durch souveräne Vorstellung.