Die Zensor Pico liegen im Maß genau zwischen beiden Extremen und dominieren die knappe Arbeitsfläche keineswegs. Und erweisen sich klanglich als eine Lösung, die auch kritische Hörer echt zufriedenstellen kann. Denn bei dem via MacMini/Amarra Player/Aqvox DAC über Block-Elektronik eingespeisten neuen Jamie-Woon-Album »Making Time« verblüfft sofort das sehr herzhafte Auftreten im Bassbereich. Eines wird gleich deutlich: Ein zusätzlicher Subwoofer ist bei dieser Anwendung definitiv nicht erforderlich. Die beiden Picos sind hier aber nicht nur kräftig im Ton, sondern auch gut im Differenzieren; das akustisch sehr nah beieinander liegende Zusammenspiel von Bassgitarre und Kickdrum bleibt gut zu verfolgen. Tipp: Stellen Sie einen kleinen Puck wie einen Vibrapod Cone vorne unter den Lautsprecher. Dadurch wird er leicht nach oben angewinkelt, strahlt gen Ohrhöhe und vermindert zusätzliche Reflexionen der Tischplatte. Im Ergebnis klingt es merklich straffer. Auch die generelle Auflösung profitiert solchermaßen im Nahfeld, wo die Dali Zensor Pico das musikalische Geschehen sauber auffächert und ein ordentliches Maß an Dynamik an den Tag legt, das intuitiv zum Mitgehen animiert. Erstes Fazit: eine feine Lösung für das Arbeitszimmer.
Szenario 2: Auf in den großen Wohnraum, wo die kleinen Dalis vom bewährten Marantz AV-Receiver angesteuert werden. Obgleich für einen 40-Quadratmeter-Raum eigentlich unterdimensioniert, schlagen sich die Mini-Speaker sehr wacker – mit ausgezeichneter Sprachverständlichkeit, räumlicher Darstellungskraft und gutem Gespür für Timing. Beim effekt-geladenen Action-Film-Genuss via Blu-ray-Player habe ich ihnen aber einen Subwoofer zur Seite gestellt, wodurch dann echtes Heimkino-Gefühl aufkommt.
Wer in diese Richtung gehen möchte: Dali bietet mit den Zensor Pico Vokal auch eine Center-Version des Speakers an, so dass einem kompletten Pico-basierten Home Cinema nichts im Wege steht. Auch wichtig: Die Boxen werden in den drei Farbausführungen Schwarz, Weiß und Walnuss angeboten. Solche Vielfalt ist in dieser Preisklasse höchst ungewöhnlich und ein Grund mehr, dieses Modell für ein Heimkino-Lautsprechersystem in die engere Wahl zu ziehen. Schließlich spielt die Harmonie mit dem vorhandenen Einrichtungsstil gerade hier eine wichtige Rolle.
Die finale Güteprüfung erfolgte im gewohnten Zweikanal-Setup, wo ich die kleinsten Zensor-Speaker – wie bei Kompaktboxen üblich – auf einem Metallständer platziert habe. Dieses Mal aber ausnahmsweise nicht freistehend im Raum, denn der kleine Lautsprecher wurde mit dem Aspekt der Tiefton-Unterstützung durch angrenzende Wände erdacht, und so befinden sich die Picos zum Test auch nah an der Rückwand positioniert. Eine Ausrichtung zum Hörplatz erfolgte nicht, da Dali seine Lautsprecher stets auf eine breite Abstrahl-Charakteristik hin entwickelt. Das garantiert einen guten Klang auch außerhalb der optimalen Sitzposition – übrigens auch für Heimkino-Anwender ein wichtiger Aspekt, da man ja im Idealfall im Kreise mehrerer Personen einen Film schaut und alle Anwesenden den bestmöglichen Sound genießen sollen.