Clearaudio ist seit seiner Gründung Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts für exquisites High Fidelity bekannt, wovon ich mich als studentischer Mitarbeiter in einem Berliner High-End-Wohnraumstudio in den Achtzigern überzeugen konnte. Aber Clearaudio war auch immer dafür bekannt, nicht für kleinstes, aber für überschaubares Geld gutes HiFi-Equipment anzubieten. Der letzte Einstiegsplayer von Clearaudio, der Concept, hat mittlerweile einige Jahre auf dem Buckel und wurde immer wieder verbessert und optimiert. Durch die Inflation der letzten Jahre ist er aus der anvisierten Preisrange für Einsteiger herausgefallen, wobei er auch für den heute aufgerufenen Kurs noch ein lukratives Angebot darstellt. Bei Clearaudio hat man sich nun Gedanken darüber gemacht, mit welchem Produkt man in der heißumkämpften Klasse um 1.300 Euro für einen Plug-and-Play-Player mit Tonarm, Tonabnehmer und Verbindungskabel reüssieren könnte – eine Klasse, in der sich die Platzhirsche aus Österreich, Tschechien und Großbritannien tummeln. 

In Erlangen hätten es sich die Techniker leicht machen können und den exzellenten Concept-Plattenspieler an allen Ecken und Enden abspecken und ihn somit auf den angestrebten Preis bringen können. Zum guten Glück ist man bei Clearaudio einen ganz anderen Weg gegangen und hat die geballte Ingenieurskompetenz genutzt, um einen völlig neuen Plattenspieler auf die Beine zu stellen. Im Gegensatz zu den angesprochenen Mitbewerbern, die ihre Laufwerke in dieser Preisklasse auf dünnen Brettern aus Holz, aufgeschäumtem Kunststoff oder Acryl aufbauen – nicht, dass das nicht zum Ziel führen würde, was bis auf die ein oder andere Ausnahme auch Erfolg hat –, ist man bei Clearaudio einen ganz anderen Weg gegangen. Man hat den Weg Richtung Masselaufwerk eingeschlagen: einen Korpus aus MDF mit mindestens der doppelten Dicke, wie ihn die Mitbewerber verwenden, versehen mit einer Bodenplatte aus Stahl. Da rappelt und klappert nichts, und das Sahnehäubchen stellen dann noch die dämpfenden Füße dar, die den Compass bestens an die Aufstellfläche koppeln. So etwas habe ich in dieser Preisklasse noch nicht gesehen, und das nötigt mir gehörigen Respekt ab. Alle anderen Teile des Plattenspielers sind auf diesen Aufbau hin abgestimmt. Ein Aluminiumsubteller mit präzisionsgedrehter Strahlachse läuft in einer Bronzebuchse auf einem Teflonspiegel und wird per Flachriemen von einem sehr laufruhigen 12V-Gleichstrommotor angetrieben. 

Ich persönlich mag ja Flachriemen lieber als Rundriemen oder Strings, da sie vom Handling her einfacher zu beherrschen sind. Während der Beschäftigung mit dem Compass ist die Frage bei mir aufgetaucht, wie lange denn so ein Riemen überhaupt hält, bevor man ihn tauschen sollte. Die Antwort von Clearaudio war so interessant wie aufschlussreich: Es hängt natürlich von der Umgebung ab, aber auch vom Nutzerverhalten, denn ein Riemen, der die ganze Zeit nichts zu drehen hat, segnet das Zeitliche eher als ein Riemen, der regelmäßig den Plattenteller in Bewegung bringt. Also, liebe Compass-Besitzer, hören Sie regelmäßig und ausgiebig Musik mit Ihrem Plattenspieler, dann müssen Sie den Antriebsgurt erst nach fünf bis sechs Jahren wechseln.