»Fehlendes Know-how ist selten die Hauptursache schlechter Fernsehlautsprecher, sondern schlichtweg die viel zu knappe Budgetierung, die eigentlich nur akustische Notlösungen ermöglicht. Aber für Canton hat sich da ein interessantes Betätigungsfeld ergeben, wie die zahlreichen positiven Rückmeldungen auf unsere Sounddecks zeigen«, sagt Entwicklungschef Frank Göbl.

Hinter »Dynamic Range Compression« verbirgt sich eine Einstelloption von Dolby Laboratories, die bei codierten Datenströmen den Dynamikbereich automatisch verringert. Laute und leise Passagen nähern sich dadurch an. Möchte man sich von der DM 76 musikalisch in den Schlaf begleiten lassen, so kann man einen Timer programmieren. Wahlweise nach 15, 30, 45 oder 60 Minuten verabschiedet sich dann das Sounddeck und gönnt sich ebenfalls eine Pause. Bei aktiviertem »Eco Standby« schaltet sich der Lautsprecher von alleine ab, wenn eine Stunde lang kein Signal anliegt. Registriert die Einschaltautomatik ein Signal über einen Bluetooth-Zuspieler beziehungsweise über den optischen, digitalen oder koaxialen Eingang, so nimmt das Gerät selbstständig die Arbeit auf. Im Gegenzug schaltet es sich nach einer Minute in den Standby, wenn es mit keinen Signalen versorgt wird.

Meilenweiter Abstand

Wir schalten an dieser Stelle nicht ab, sondern ein. Und spielen Musik per Bluetooth von unserem Smartphone zu (bis zu drei Bluetooth-Geräte lassen sich verwalten). Spotify fischt »Barcelona« von Freddie Mercury und Montserrat Caballé aus der Titelsammlung. Ein schöner Test. Beim tropfenartigen Beginn arbeitet die DM 76 Höhen sauber heraus. Diese klingen fast so exakt geschliffen wie die Kristalle von Eiszapfen, aber wärmer. Dies trifft auf die gesamte tonale Abstimmung des Sounddecks zu. Der breite instrumentale Einsatz nach knapp zehn Sekunden gelingt dynamisch. Nicht so wuchtig wie bei der deutlich teureren DM 90.3, aber dennoch kraftvoll, sodass selbst 65-Zöller für mehr als 2.000 Euro keine Chance haben. Denn die Canton-Box ist meilenweit entfernt von der blechernen und dumpfen Charakteristik, mit der man bei vielen Flat-TVs leben muss.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Räumlichkeit. Trotz ihrer kompakten Abmaße und der überschaubaren Breite schafft es die DM 76, auch seitlich sitzende Zuschauer akustisch einzuhüllen. Dazu muss man vom Stereo- in den Movie- beziehungsweise Musik-Modus schalten. Rechts und links zieht Canton in derselben Sekunde einen virtuellen Vorhang hoch, verbreitert die Bühne spürbar. Zur Bass-Probe darf der Queen-Klassiker »Another One Bites The Dust« aufspielen. Die Canton-Performance ist hier absolut Wohnzimmer- und Familien-tauglich. Der Tieftonteppich ist greifbar und ideal auf den Alltag abgestimmt. Die Oma fällt nicht gleich vom Sofa, wenn die Bässe einsetzen, aber der Nachwuchs hat trotzdem Spaß, wenn es im Actionfilm mal knallt und kracht. Für brachiale körperliche Erlebnisse führt hier an einem separaten Subwoofer kein Weg dran vorbei. Aber wie Höhen und Mitten gelingt es der DM 76 eben auch deutlich, die Bässe aufzumotzen und einen Film aufzuwerten. Das Klangbild ist insgesamt sehr harmonisch und unaufgeregt ausgelegt. Bei Spielfilmen fächert das Sounddeck präzise auf und trennt Musik, Stimmen und Atmosphäre detailliert. Was gerade ältere Semester erfreuen dürfte: Die Sprachverständlichkeit nimmt gegenüber einem Flachbildfernseher zu.