Etwas auf die leichte Schulter zu nehmen, das hat er in seinem langen Berufsleben nie getan. Hunderttausende Euro hat er in den vergangenen vier Jahrzehnten in Forschung, Entwicklung und hochmoderne Fertigung investiert. Was für andere oft nur ein kurzes Stück Kabel ist, ist seine Welt. Doch wie entstand seine Leidenschaft für Steckverbinder? Was treibt ihn bis heute an? Was nervt ihn und wo findet er danach Entspannung? Diese und andere Fragen wollen wir mit ihm in einem persönlichen Gespräch klären. Doch bevor es richtig losgeht, referiert der 1946 in Osnabrück geborene Wolfgang Thörner kurz und intensiv über das Thema Elektromobilität.
Zu Recht weist er darauf hin, dass die Diskussion darüber sachlich und nicht religiös geführt werden muss. Klar formuliert er, dass es notwendig ist, gewisse Risiken einzugehen, um technisch und in der Folge natürlich auch kommerziell voranzukommen. Aber er bescheinigt vielen Zeitgenossen, dass sie ihre Energie vor allem darauf verwenden, die Uhren zurückzudrehen. Das ist nicht seine Sache, und aus naheliegenden Gründen fällt im Zusammenhang mit dem Wort Investitionsbremse auch der Begriff Geld- oder Kreditinstitute. Mit leicht verfinsterter Miene sagt er, dass alle innovativen WBT-Produkte im Vorfeld nie ohne Rückschläge entstanden sind, und die tun weh, weil man Zeit und Geld verliert, und so fordert er uns auf, diese Tatsache doch bitte einmal einem Banker zu erklären. Scherzhaft fügt er hinzu, dass es ihm in dieser Angelegenheit nicht einmal um den wirtschaftspolitischen Rückenwind gehe, wie er z.B. in den USA weht, sondern einfach nur darum, den starken Gegenwind zu reduzieren, der die Entwicklung von Mittelständlern behindert.
Seine ersten Berufserfahrungen sammelt der Industriekaufmann beim Osnabrücker Automobilhersteller Wilhelm Karmann. Dort ist er 13 Jahre unter anderem im Einkauf tätig. Sein fundiertes Praxiswissen stammt aus dieser Zeit. Parallel dazu beginnt er bereits, sein musikalisches Hobby HiFi intensiv zu pflegen. Da sich das Arbeitsklima bei Karmann in dieser Zeit zusehends verschlechtert, entschließt sich Thörner, einen über die Jahre entstandenen Wunsch in die Tat umzusetzen und beginnt ein Psychologiestudium. Allerdings mit falschen Vorstellungen, wie er berichtet, denn zunächst habe er sich mehr mit Statistik und Mathematik beschäftigt, zudem habe ihm angesichts der angebotenen Inhalte der Praxisbezug gefehlt. Also zurück in die Wirtschaft?