Diese Geschichte beginnt am 9. Dezember 2010 in Hamburg. Paolo Tezzon ist aus Italien angereist, um beim Vertrieb Audio Reference die Aufstellung eines Traumlautsprechers zu begleiten. Stunden vergehen, das Eichhörnchen nährt sich mühsam. Beim gemeinsamen Abendessen schildert der sympathische Italiener die Entstehungsgeschichte seines Werks und wird im Verlauf des Abends spürbar stiller. Wir glauben, Müdigkeit zu erkennen – und liegen damit vollkommen daneben. Um 23 Uhr erklärt Tezzon nämlich, er wolle noch einmal in den Hörraum zurückkehren, um die finale Abstimmung vorzunehmen. Professionalität, Motivation und eine schier unerschöpfliche Energie – das sind keine Posen, das ist Teil seines Charakters.
Szenenwechsel. Fünfzehn Jahre später, die Stadt Brescia in der norditalienischen Lombardei. Derselbe Mann in neuer Gesellschaft: Paolo Tezzon hat seine Arbeit beim Lautsprecher-Hersteller Diapason aufgenommen, einem Unternehmen, das seit Jahrzehnten für eine sehr spezifische Klangphilosophie steht. Inhaber Alessandro Schiavi und Tezzon kennen einander bereits seit langer Zeit – aber erst die Perspektive, gemeinsam neue Produkte zu erschaffen, hat die beiden nun als Team zusammengeführt.
Alessandro Schiavi selbst ist ein Mann, der die Leidenschaft für Klang schon in jungen Jahren kultiviert hat. Als Jugendlicher begann er damit, Konzerte aufzuzeichnen – eine Übung, die ihn rasch vor eine grundlegende Frage stellte: Welcher Lautsprecher ist in der Lage, das Eingefangene wirklich wieder zum Leben zu erwecken? Die Suche nach der Antwort blieb lange ergebnislos. Also tat Schiavi das, was Klangenthusiasten tun: Er baute sich seine Lautsprecher selbst. Und das mit einer Methode, die bis heute den Markenkern von Diapason definiert. Seine frühen Konstruktionen entstanden vollständig nach klanglicher Wahrnehmung – nicht nach Messwerten, nicht nach Frequenzgangkurven auf Millimeterpapier. Das Ohr gilt ihm als oberstes Richtmaß. Dass der Italiener mit dieser Entscheidung nicht verkehrt gelegen haben kann, zeigten ihm die Kaufinteressenten, die nach seinen Lautsprechern fragten.
Was aus diesen Anfängen im Laufe der Jahrzehnte entstand, ist heute der Markenkern von Diapason: Lautsprecher, die weniger technischen Parametern als dem Gehör gehorchen. Eine Haltung, die auch Paolo Tezzon verinnerlicht hat. Er hat sein Handwerk bei Franco Serblin gelernt, sicher einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der weltweiten High-End-Szene. Die Lehre bei Serblin hinterließ Spuren, Tezzon ist in der Lage, Schallwandler aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, und da gehört seriöse Technik natürlich dazu.
Die beiden Italiener hegten offenkundig nicht die Absicht, ihren gemeinsamen Einstand mit Bescheidenheit zu begehen. Mit dem neuen Modell Didascalia steuert Diapason direkt das oberste Segment an – den Traumlautsprecher im besten Sinne des Wortes. Ein solches Instrument schüttelt man nicht aus dem Ärmel. Hinter der Didascalia stecken Jahre an Entwicklung, handwerkliche Präzision und eine kompromisslose Vorstellung davon, wie Musik klingen soll.
Genau diesem Anspruch wollte i-fidelity.net auf den Grund gehen. Die Redaktion reiste nach Brescia, um sich vor Ort einen Eindruck von Produktion und Philosophie des Hauses zu verschaffen – und um anschließend im Gespräch mit Alessandro Schiavi und Paolo Tezzon nicht nur zu erfahren, was hinter der Didascalia steckt, wohin Diapason steuert und warum manche Lautsprecher Gefühle wecken, während andere nur Frequenzen übertragen. Doch zunächst werfen wir einen Blick in die Produktion.