Kein Knopf zum Einschalten, kein Terminal zum Anschluss eines Kabels und dennoch sind sie von immenser Bedeutung für die Klangqualität: HiFi-Racks. Die stiefmütterliche Behandlung der Thematik rührt natürlich auch daher, dass sich niemand vorstellen kann, welcher Aufwand hinter der Entwicklung und Konstruktion von audiophilen Racks steckt. Wo die Elektronik aufgestellt werden soll, wissen die meisten bereits vor deren Kauf. Kriterium ist in den meisten Fällen die Optik. Wer in puncto Heimwerken begabt ist, kann sich beim Schreiner ein paar Bretter oder beim Steinmetz ein paar Steinplatten zurecht schneiden lassen. Was sich damit allerdings in puncto Klangqualität tut, bleibt ein Spiel aus Versuch und Irrtum. Sicher geht es auch professioneller, wie einige spezialisierte Anbieter es zum Teil seit Jahrzehnten zeigen. Aber das Thema Platzierung von High-End-Geräten steht in der Gunst der Kunden und auch bei uns in der Redaktion nicht an erster Stelle, obwohl das wider besseren Wissens ist.
Folgerichtig stößt die Einladung der italienischen Edelmanufaktur Bassocontinuo zu einem Besuch der Fertigung in Grassobio, das ein paar Kilometer südlich von Bergamo liegt, zwar auf offene Ohren, aber das Maß an Begeisterung hält sich in Grenzen. Was soll es denn vor Ort zu sehen geben? Ich kann mich nicht daran erinnern, mit einem Vorurteil schon einmal so weit daneben gelegen zu haben. Was bei Bassocontinuo an Aufwand betrieben wird, übertrifft alles, was ich bisher in diesem Zusammenhang erlebt habe. Spannend ist es deshalb zu erfahren, wie diese Firma entstanden ist. 2008 gründete Lorenzo Belloli sein Unternehmen Bassocontinuo. Am eigentlichen Unternehmenssitz erfolgt heute nur die Zusammenstellung der Racksysteme vor dem Versand. Mit echtem Leder bezogene, resonanzoptimierte Regalböden, Metallbauteile jeglicher Art, Stoffe und die Carbonbauteile stammen von über zwanzig Zulieferern aus der Umgebung. Allesamt Spezialisten auf ihrem Gebiet, die dafür sorgen, dass aktuell fünf Serien gefertigt werden.
Neben der Auswahl der Materialien spielt bei der Entwicklung aber auch das Polytechnikum Mailand eine wichtige Rolle. Mit Hilfe von Beschleunigungsaufnehmern werden dort Bassocontinuo-Entwicklungen auf ihre Wirksamkeit bei der Umwandlung von Schwingungen in Wärme überprüft. Im Bereich Racks ist das wohl die Ausnahme. Die Begründung liefert uns Firmenchef Belloli auch gleich mit, jede dieser Messungen verursacht einen fünfstelligen Kostenaufwand. Den scheuen andere Unternehmen, beziehungsweise können solche Investition erst gar nicht tätigen. Für den Firmenchef sind die optische wie die technische Seite von gleicher Bedeutung, weil nur ihre Vereinbarkeit ein für Kunden sinnvolles Produkt ergibt und genau das ist das Erfolgsgeheimnis.
Begleiten Sie i-fidelity.net auf dem Weg der Entstehung eines Bassocontinuo-Racks.