Es war ein warmer Sommertag im Jahr 2003. Pressevertreter waren nach München eingeladen worden, um sich den neuen Veranstaltungsort für die HIGH END 2004 anzuschauen. Über zwei Jahrzehnte hatte das feine Kempinski-Hotel in Gravenbruch bei Frankfurt den Rahmen für die Ausstellung bester Komponenten geboten – und nun stand die kleine Truppe ein wenig verloren im »Munich Ordercenter«, in dem das ganze Jahr über B2B-Handel betrieben wird. Der Umzug war seinerzeit notwendig geworden, um unter anderem der wachsenden internationalen Bedeutung der Messe gerecht zu werden und den von vielen Ausstellern geforderten Flächenzuwachs zu ermöglichen. Beim Start ein Jahr später haderten viele Aussteller (und Besucher) noch mit der Akustik in den Messehallen, doch heute, zwanzig Jahre später, kann man konstatieren, dass die Mühe, die sich die meisten bei der Präsentation in ihren Räumen geben, gelohnt hat. Als Entschuldigung für schlechte Performance ist das Argument »Akustik« jedenfalls schlicht nicht mehr stichhaltig.
Wenn es anno 2024 im MOC nicht vernünftig klingt, gibt es dafür eine Reihe von Ursachen. Ein Grund ist etwa, dass Anlagen aus »politischen Gründen« aus dem Vertriebsportfolio zusammengestellt werden, was den gemeinsamen Auftritt auf der Münchner Bühne ja auch nahelegt. Oder Nicht-Vollsortimenter leihen sich Komponenten, um überhaupt vorführen zu können. Aus klanglichen Gründen würde man nun erwarten, dass eine solchermaßen zusammengestellte Anlage im Vorfeld getestet und gehört wird. Auf unsere Frage, warum das in dem ein oder anderen Fall nicht passiert ist, hieß es dann, dass es ohnehin keine Alternativen gegeben hätte. Wenn man aber erst am Aufbautag erkennt, dass etwas musikalisch nicht wie gewünscht funktioniert, ist es meist zu spät, um noch korrigierend eingreifen zu können. In unseren Augen zeugt das von mangelndem Respekt gegenüber den Besuchern und ist auf Dauer sicher nicht der Wegbereiter eines wirtschaftlichen Aufschwungs. Die HIGH END muss eine Demonstration höchster Klangqualität sein.
Wenn man allerdings einen Blick auf das Messe-Motto »Diversity In Audio« wirft, darf vermutet werden, dass heute alles, was einen Ton von sich gibt, willkommen ist. Und sich kaum einer daran zu stören scheint, sondern es fast schon stoisch zur Kenntnis nimmt. Zumindest bis zu dem Moment, als Pro-Ject-Chef Heinz Lichtenegger bei seiner Pressekonferenz fast die Contenance verliert: Für das Erlebnis, das wir anbieten, sind mindestens zwei Lautsprecher notwendig, ereifert er sich. Wie sonst solle eine Bühnenabbildung gelingen? Endlich hat es mal wieder jemand laut ausgesprochen! So zweckmäßig ein Bluetooth-Mono-Lautsprecher für die Berieselung im Garten sein mag, so ungeeignet ist er, ein dem Stereo-Erlebnis vergleichbares Resultat zu erzielen. Dieser Branche darf der Anspruch an das Ergebnis aber nicht verloren gehen, will sie »High End« glaubwürdig für sich reklamieren. Wünschenswert wäre ferner, dass wieder ein kaufmännisch klarerer Blick auf die Verkaufspreise geworfen wird, zumal dann, wenn noch nicht einmal das akustische Ergebnis stimmt. Welchen Sinn und Zweck Lautsprecher für 750.000 Euro haben, ist nach dem Gespräch mit einem ausländischen Vertrieb klar: Es gibt in dieser Preiskategorie vor allem im asiatischen Raum Kunden. Das lassen wir mal so stehen.
Sie werden im i-fidelity.net-Messebericht nicht alle der 513 Aussteller zu sehen bekommen, die unglaubliche 1.000 Marken präsentiert haben. Dafür reicht auch ein vierköpfiges Redaktionsteam nicht aus. Auf den 30.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche tummelten sich an den vier Tagen 22.198 Besucher, wie der Veranstalter stolz berichtet. Da war bisweilen kein Durchkommen auf den Fluren möglich, und auch für die ein oder andere Vorführung gab es aufgrund des Andrangs schlicht keinen Zugang. Kluge Aussteller haben allerdings wie immer Tickets verteilt, was weniger Stress für alle Beteiligten bedeutet. Auf den folgenden Seiten lassen wir die Messe, wie wir sie erlebt haben, noch einmal Revue passieren – begleiten Sie uns auf einem spannenden Rundgang.