Für anspruchsvolle Musikhörer ist der Mai ein wichtiger Monat, den dann findet die High End – seit nunmehr 14 Jahren im MOC in München – statt. Nach mehrheitsfähiger Meinung von Industrie und Handel hat sie sich als wichtigste Messe ihrer Art weltweit etabliert. Ein inhaltliches Urteil darüber zu fällen, ob es sich um eine Handels- und/oder eine Publikumsmesse handelt, ist nach wie vor schwer. Nach unserem Eindruck ist die High End jedoch mehr denn je eher ein Handelsplatz für die internationalen Hersteller und Vertriebe als eine Erlebnismesse für den Endkunden. Das spiegelt sich auch in der großen Anzahl ausländischer Fachbesucher wieder, während die Zahl der Endkunden dieses Jahr vermutlich unter den Vorjahren liegen dürfte (der Abschlussbericht des Veranstalters steht noch aus).

Die schiere Größe der Messe mit einer Rekordbeteiligung von über 500 Ausstellern lässt eine vollständige Abbildung des Geschehens kaum noch zu, selbst wenn für i-fidelity.net sechs Mitarbeiter vor Ort waren. Für uns als Redakteure kommt erschwerend hinzu, dass in München »Spreu und Weizen« in friedlicher Koexistenz ihre Produkte präsentieren.

Kein Wunder also, dass wir auf die Frage an einen Aussteller, ob seine billigen Kopfhörer denn wirklich für den Musikgenuss gedacht sind, die vielsagende Antwort bekamen: »Ich bitte Sie, High End ist doch nur der Name der Messe.« Sie werden sicher Verständnis dafür haben, dass solche Marken in unserem Messebericht keine Berücksichtigung finden. Stattdessen nehmen wir Sie mit auf eine Tour zu Präsentationen, die klanglich ansprechend waren. Die gute Nachricht lautet, dass viele Aussteller teils hohen Aufwand betrieben haben, um die Räume akustisch zu optimieren, die Anlagen zum Spielen zu bringen und sie schließlich auch optisch gelungen zu präsentieren. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, waren auch die Lautstärkepegel der Vorführungen angemessen.

Mit Sorge ist allerdings die Preisentwicklung an der ein oder anderen Stelle zu betrachten. Für viele Besucher bietet die High End die Möglichkeit, mit Komponenten in Kontakt zu kommen, die ihr Händler nicht in der Vorführung hat. Aber wenn bereits an Einstiegskomponenten ein fünfstelliges Preisschild zu finden ist, läuft etwas verkehrt. Man darf sich dann nicht wundern, dass der Nachwuchs ausbleibt. Also genau die »Generation Smartphone«, die Musik per Kopfhörer oder Bluetooth-Mono-Böxchen hört. Wer klingende Träume schafft, muss auch dafür Sorge tragen, dass sie in Erfüllung gehen können.

Auf den folgenden neun Seiten finden Sie die Eindrücke von der High End 2018.

Darf, wer sich ernsthaft Fachhändler nennt, in München fehlen? Kulturtechnik-Chef Max Schlundt sagt zu Recht »Nein«. Fragt sich nur, wann seine Kollegen zu der Einsicht kommen, denn der Einzelhandel besucht die High End nur unterdurchschnittlich. Unverständlich, wenn man bedenkt, dass man die wichtigste Messe der Welt quasi vor der Haustür hat.