Dass bei High-End-Audiosystemen nicht immer nur die Klangqualität im Vordergrund steht, wird spätestens dann deutlich, wenn ein oder mehrere andere Aspekte nicht stimmen. Man stelle sich beispielsweise folgende Szenarien vor: Man sitzt vor einer hervorragend klingenden Stereoanlage, kann sich aber nicht in den musikalischen Fluss fallen lassen. Das kann so weit gehen, dass sogar ein Flucht- oder im konkreten Fall Abschaltreflex ausgelöst wird. Im Gegensatz dazu steht eine Anlage, die mit einem Single-Ended-Verstärker arbeitet und deren Lautsprecher mit nur einem Chassis, einem Breitbandsystem, bestückt sind. Einem solchen Wiedergabesystem fehlt es oft an Auflösung, dafür kann man aber stundenlang entspannt zuhören. Beide Dinge miteinander zu vereinen, gleicht manchem heute noch als der Versuch der Quadratur des Kreises.

Für einen derartigen Versuch sind die Grundvoraussetzungen Zeit und Raum. Beides hat Oliver Wittmann sich mit seinem Studio im Allgäu geschaffen. Im normalen Tagesgeschäft, dass sein Team bis heute in Stuttgart Botnang absolviert, hätte er nicht die Ruhe gehabt, wesentlichen Aspekten einer Anlage auf den Grund zu gehen. Unter anderem kristallisierte sich bei seiner Arbeit das Thema Gegenkopplung bei Verstärkern als ein klangentscheidender Faktor heraus. Um Nichtlinearitäten und Verzerrungen zu reduzieren, wird bei Verstärkern ein Teil des Ausgangssignals invertiert zum Eingang zurückgeführt und dort zum Eingangssignal addiert. Dadurch wird der Regelkreis geschlossen. Es ist kein Geheimnis, dass die Gegenkopplung den Dämpfungsfaktor erhöhen und die Ausgangsimpedanz verringern kann, was aber mit einem hörbaren Verlust an Klangqualität erkauft wird.

Wie hört sich denn wohl unter Berücksichtigung dieses Wissens das klangliche Ergebnis an, wenn die Kette von der Quelle bis zum Lautsprecher weitestgehend auf Gegenkopplungen verzichtet? Beginnen wir mit der Quelle, dem neuen Plattenspieler Thales Reference. Im Normalfall prüft ein Regler mehrmals pro Sekunde die aktuelle Motordrehzahl des Antriebs. Bei Abweichungen bremst oder beschleunigt er, um den Gleichlauf in einem eigentlich nicht hörbaren Toleranzbereich zu halten. An diesem Prinzip hatte bisher kaum jemand etwas auszusetzen, bis Thales-Gründer und Inhaber Micha Huber bei Recherchen zum Thema Grammophon eine wichtige Erkenntnis gewann: Die Energie dessen, was wir von einer Schallplatte hören, stammt ausschließlich vom Antrieb des Plattenspielers. Was passiert beim Klangniveau, wenn man das ständige Bremsen und Beschleunigen unterbindet? Micha Hubers Antwort ist ein patentierter Fliehkraftregler-Antrieb mit selbstregulierender Wirbelstrombremse. Durch diese Form des Riemenantriebs stellt sich die Solldrehzahl innerhalb kürzester Zeit ein und muss dann nicht mehr geregelt werden.