Ferrari hat mit dem Purosangue eine Gratwanderung gemeistert, denn die Italiener differenzieren ihr »Vollblut« von gewöhnlichen SUVs oder Crossover-Modellen. Natürlich hatte sich im Vorfeld auch i-fidelity.net die Frage gestellt, welcher Fahrzeugkategorie dieses Modell eigentlich zuzuordnen ist. Die Antwort lautet in aller Konsequenz: keiner der uns bisher bekannten. Der Ferrari Purosangue ist ein Sportwagen mit überdurchschnittlichem Platzangebot, wäre eine mögliche Einordnung. Für die Kategorie Sportwagen spricht unter anderem, dass für die optimierte Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse die Position und damit das Gewicht des Motors hinter die Frontachse verlagert wurde. Für eine noch bessere Balance ist das Getriebe im hinteren Teil des Fahrzeugs montiert worden.

Das Herzstück

Was ist notwendig, um zwei Tonnen Gewicht in 3,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen? Ein 12-Zylinder-Triebwerk mit sechseinhalb Liter Hubraum und 725 PS. Was sich auf Papier bereits eindrucksvoll liest, raubt einem in der Praxis den Atem – und das ist nicht nur dem typischen Ferrari V12-Sound geschuldet. Ein Entwicklungsziel der italienischen Ingenieure lautete, dass bereits 80 Prozent des Drehmoments bei 2.100 Umdrehungen zur Verfügung stehen. Der eigentliche Clou ist aber nach unseren im wahrsten Sinne des Wortes »Er-Fahrungen« die Bandbreite, die dieses Aggregat bietet. Denn von der dezenten Stadtfahrt bis zum raketenartigen Schub in den Dolomiten reicht das Spektrum. Dabei scheint der Purosangue die Wünsche des Fahrers stets genau zu kennen – und sorgt für die nahtlose Umsetzung.

Pinzolo/Dolomiten, Mittwoch, 1. März 2023: Um Punkt 8.30 Uhr beginnt die Einweisung für die Testfahrt mit dem Purosangue durch das Ferrari-Team. Und die ist durchaus sinnvoll, denn der Ferrari unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von gewöhnlichen Autos. Die Blinker befinden sich beispielsweise in Tastenform im Lenkrad. Die Automatik wird mit der Schaltwippe in Position »D« gebracht, und auch wenn sich die meisten Fahrzeugparameter intuitiv steuern lassen, ist wegen der Komplexität doch etwas Zeit nötig, um alle relevanten Punkte für die bevorstehende Rundfahrt zu kennen. Aufgabe ist das Abfahren einer vorgegebenen Strecke mit Zwischenstopp auf einem präparierten »Snow Track«, auf dem wir das Steuer allerdings einem Testfahrer des Unternehmens überlassen müssen – eine kluge Entscheidung, wie sich später zeigt.