
Von einem neuen Topmodell kann man eigentlich kaum sprechen, denn Fenice wird bei einem Paarpreis ab 160.000 Euro nicht im regulären Verkauf erhältlich sein. Sonus Faber baut lediglich 30 Paare, zwei davon gelangen nach Deutschland. Fenice ist vielmehr ein Technologieträger, der zeigt, wohin die Reise bei dem italienischen Lautsprecherhersteller in der Ära nach Firmengründer Franco Serblin führen wird.
Äußerlich am auffälligsten ist Sonus Fabers Abschied von der Lautenform, einst eingeführt mit der Guarneri Homage (1993). Fenice erhielt einen doppelten Schwung der Seitenwände, die »Laute« wurde zur »Lyra« weiterentwickelt. Die Fenice ist in Schichtholz gefertigt, die Seitenwände sind zweiteilig aufgebaut, innere und äußere Hälften sind über eine elastisch-dämpfende Zwischenlage verbunden. Sonus Faber hat auch Metall als Werkstoff für den Lautsprecherbau entdeckt, bei der Fenice sind Deckel und Boden aus Aluminiumblöcken herausgefräst und tragen ordentlich zum Gewicht von 305 Kilogramm pro Box bei. Deckel und Boden sind über ein Stahlgestänge verbunden, ein »Tuned Mass Damper« getauftes System soll Resonanzenergie in Wärme umwandeln. Über gefederte Füße ist der schwere Lautsprecher komplett vom Boden entkoppelt.
Bei der Bestückung vertraut Sonus Faber im Hochtonbereich auf einen sondergefertigten Ringradiator mit einem angekoppelten Resonanzvolumen aus Holz. Der Mitteltöner ist kein Polypropylen-Treiber mehr, sondern ein eigenentwickeltes Hightech-Chassis mit Neodym-Antrieb und Papiermembran. Zwei 25er-Bässe werden in subsonischen Tiefen von einem 38er von Audio Technology unterstützt – Sonus Faber spricht von einem Dreieinhalb-Wege-System. Feinste Weichenbauteile wie Silber/Gold-Öl-Kondensatoren von Mundorf und Spulen von Jantzen unterstreichen den hohen Anspruch, konzeptionell bleibt man bei der Frequenzweiche der mit der Cremona M eingeführten »Progressive Slope«-Charakteristik treu.
Eine weitere Besonderheit ist die variable Abstrahlcharakteristik der Fenice. Rückwärtig ist praktisch ein Kompaktmonitor integriert, der auf Wunsch einen Dipoleffekt beisteuern kann. Sonus Faber nennt dieses System den »Sound Field Shaper«, der rückwärtige Anteil ist dabei nicht nur im Pegel regelbar, sondern kann auch in der Horizontalen präzise justiert werden.
In der nachfolgenden Diashow haben wir den Augenblick der Enthüllung und die wichtigen Neuerungen der Fenice festgehalten.