Dobrawa Czocher veröffentlicht Debütalbum Dreamscapes

16.01.2023

Das neue Album »Dreamscapes« verdeutlicht, wie wohl sich die Cellistin dabei fühlt, zwischen klassischer und gegenwärtiger Musik hin und her zu pendeln und in der Musik sind Einflüsse wahrzunehmen, die von Brahms bis hin zu Philipp Glass oder GoGo Penguin reichen. Für das Album arbeitete Czocher mit dem Produzenten Niklas Paschburg, der Techniken des Übereinanderschichtens als auch Effekte benutzte, um der Musik filmische Qualität zu verleihen.

Wenn auch nicht streng linear, so folgen die zehn Tracks auf Dreamscapes einer natürlichen Reihenfolge. Die Reise beginnt mit Prologue, das mit seine hohen Flageoletts weite, raumgreifende Klänge öffnet, die auf den Vorgang des Einschlafens und das Eintauchen in die Welt der Träume mit all ihren grenzenlosen Wundern und Geheimnissen anspielen. »Das Gefühl und die Atmosphäre passte zu einem offenen, noch nicht klar definierten Abenteuer, das noch vor einem liegt«, sagt Czocher über das Stück. Die Musik lockt Zuhörer in dieses alternative Universum – mit Hilfe wiederkehrender Motive, improvisatorischen Arpeggios, mysteriösen Basslinien und Glissandi, die unglaubliche Landschaften in jedem neuen Track malen.

Doch so filmisch die Musik auch sein mag, sie geht über das Sichtfeld hinaus und reflektiert tiefere Gefühle. Auf Forgive berührt Czocher die dunklen Abgründe der Seele als würde sie die bloße Bedeutung von Träumen und die Art, wie sie ihrem Betrachter auf geheimnisvolle Weise helfen, hinterfragen. »Sind wir in der Lage, in einem Traum auf unser Unterbewusstsein einzuwirken? Vielleicht ist im Schlaf der Moment, in dem wir uns tatsächlich mit ihm verbinden und es uns besondere Möglichkeiten offenbart, an inneren Konflikten zu arbeiten?«, fragt sich die Komponistin. Ganz klar von Glass’ Streichquartetten abgezeichnet, benutzt das Stück Wiederholungen als Möglichkeit, Zuhörer hypnotisch tief in diese Reflektionen aber auch die Klangwelt der Komponistin hineinzuziehen.

Während die erste Hälfte des Albums hauptsächlich der Schaffung reichhaltiger Atmosphären, Farben und Texturen dient, geht die Action in der zweiten Hälfte richtig los. Voices bildet zweifellos den Höhepunkt der Reise - vielschichtig und komplex liefert das Stück eine kaleidoskopische Version musikalischer Motive »wie viele Stimmen, die versuchen, in diese oder jene Richtung zu drängen«, fügt die Cellistin hinzu. Die schnelle und dynamische Struktur des Stückes entsteht durch eine einfache Spieltechnik namens Détaché, die einen dramatischen Effekt erzeugt - nicht ganz alptraumhaft, aber doch verwirrend. Auf das Stück folgt Lullaby, das die nötige Erleichterung schafft. Lang, friedvoll und lyrisch bildet das Stück eine Ode an die allgemeinzugängliche Magie des Schlummerns. Es liegt hier eine Klarheit in der Cellostimme, als würde sie auf die Wahrhaftigkeit zeigen, die Träume in sich tragen können, selbst wenn sie flüchtig von kurzer Dauer sind. Prayers führt die gefühlvolle Natur von Lullaby fort, doch jetzt beginnt eine Intensität um die Melodie herum zu brodeln, die mit Arpeggios aufgebaut wird.

Das letzte Stück »Epilogue« ist das einzige ohne jegliche Nachbearbeitung. Epilogue stellt die Rückkehr ins Wachsein dar, eine Nüchternheit ohne die komplette Fantasie der Träume, wo Czocher Pizzicato-Linien auf dem Cello benutzt, um die Melodie einfach zu singen. Diese Rückkehr in die Realität ist trotzdem nicht vollkommen zurückhaltend, umwickelt sie das Album doch mit mehr Fragen als Schlussfolge- rungen. »Was ist in einem Traum passiert, sind wir immer noch hier? Sind wir dieselben Menschen? Hat er uns verändert? Wo sind wir hingegangen?«, regt Czocher an.

Das Album erscheint am 27. Januar 2023 bei Modern Recordings.

Hier gibt es ein sehenswertes Video zu »Dreamscapes«, welches das Konzept erläutert.