Burmester-Geschäftsführer Andreas Henke im Interview

Bekennender Mannschaftsspieler: Andreas Henke (zweiter von rechts) sagt über das Burmester-Team: »Zudem sprechen wir über eine hoch motivierte Mannschaft, die den heute sichtbaren Erfolg ja überhaupt erst mit Hirn, Herz und Händen geschaffen hat.«

06.04.2017

Seit dem 1. Januar 2017 ist Andreas Henke Geschäftsführer der Burmester Audiosysteme GmbH. i-fidelity.net hat nach den ersten hundert Tagen ein interessantes Interview mit dem intelligenten und souverän agierenden neuen Kopf geführt.

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Andreas Henke denkt in subtilen wie großen Strukturen sehr genau und befindet sich auf einer lebenslangen Mission für den guten Klang und gegen das Mittelmaß.

i-fidelity.net:   Herr Henke auf den ersten Blick scheint ein Wechsel von Porsche zu Burmester ungewöhnlich zu sein. Was ist Ihre Motivation?

Andreas Henke:   Finden Sie? Beide Marken sind doch absolute Juwele. Mich treibt jeweils die Leidenschaft für das Produkt und die Marke. Den Ausschlag für den Wechsel zu Burmester haben die Gestaltungsmöglichkeiten gegeben, die sich einfach nur als Unternehmer bieten. Jetzt entscheiden, sofort umsetzen. Kein Vermittlungsausschuss, keine Kompromissfindung, fast keine technischen Zwänge und die Lernkurve nochmal richtig steil stellen. Und eine Chance wie diese, das Vermächtnis eines Dieter Burmester fortschreiben zu dürfen, bekommt man vermutlich kein zweites Mal.
 

i-fidelity.net:   Burmester gehört nicht zu den Investment-gesteuerten Unternehmen, die häufig den Profit an die oberste Stelle stellen. In solchen Strukturen geraten ja Mensch und Technik auch oftmals aus dem Lot. Wie wichtig ist das Team, der Team-Gedanke für Sie?

Andreas Henke: 
  Ohne jede Management-Rhetorik ist das Team alles für uns: Die Schuhe, die ein Firmengründer, Musiker, Ingenieur und Namensgeber nach 40 Jahren hinterlässt, sind in unserem Fall so groß, dass ein einzelner sie sowieso nicht ausfüllen kann. Daher teilen wir uns die Rollen auf. Zudem sprechen wir über eine hochmotivierte Mannschaft, die den heute sichtbaren Erfolg ja überhaupt erst mit Hirn, Herz und Händen geschaffen hat. Es ist ein Glücksfall, dass wir diese begnadeten und leidenschaftlichen (und manchmal auch ganz schön schrägen) Menschen bei uns haben. Und dank vieler Bewerber können wir das Team wann immer nötig mit ebenso leidenschaftlichen Talenten ausbauen. Ein finanzgetriebenes Geschäftsjahres- oder Monatsabschlussdenken wollen wir auch gar nicht erst aufkommen lassen, das limitiert und verleitet zu Kurzfristhandlungen oder zu nicht optimalen Lösungen. Zugegeben, das ist eine komfortable Situation, die wir uns in 40 Jahren aufgebaut haben, aber wir nutzen diesen Umstand bestmöglich, keinem Investor und keiner Bank Rechenschaft ablegen zu müssen, sondern nur unseren Kunden und Fans.


i-fidelity.net:   Sie kommen aus der Automobil-Branche. Burmester ist dort erfolgreicher Zulieferer. Daraus ergibt sich für uns natürlich die Frage, welchen Stellenwert Sie dem klassischen High-End-Audio-Geschäft der Marke einräumen?

Andreas Henke:   Der Home-Audio-Bereich ist die Wurzel und der Stamm, an dem alle anderen Äste und Früchte gedeihen können und getragen werden. In meiner Vorstellung werden wir diesen Stamm in den kommenden Jahren mit aufregenden Produkten weiter festigen. Das Automotive-Geschäft ist spannend, wir haben viel Freude daran, zumal mit den Perlen des Automobilbaus. Wir lernen daraus auch für den Home-Bereich und haben durch definierte Hörpositionen im Auto prinzipiell natürlich paradiesische Voraussetzungen, um ein beeindruckendes Klangerlebnis zu erzeugen. Trotzdem sind wir von diesem Geschäft ökonomisch nicht abhängig (nur eben emotional). Wenn Automotive morgen für uns nicht mehr wäre, dann müssten wir keinen Mitarbeiter heimschicken und auch kein Sparprogramm auflegen. Klar würden wir die Kollegen bei Bugatti, Porsche und Mercedes vermissen, weil sie sich demselben Klanggott verschrieben haben und wirklich feine Menschen sind. Aber unsere Unabhängigkeit steht außer Frage. Wir würden einfach weiter die Musikanlagen bauen, die wir selber jeden Tag gerne hören würden, die uns Gänsehaut, Ekstase und Tränen der Ergriffenheit bereiten.
 

i-fidelity.net: 
  Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Was wird der Burmester-Geschäftsführer Andreas Henke im Jahre 2020 über die vergangenen drei Jahre sagen?

Andreas Henke:   Ui, ich denke mal, in drei Jahren könnten wir zum Beispiel recht entspannt darüber sprechen, was wir uns intern derzeit strukturell vornehmen und was bis dahin nicht an die Öffentlichkeit gehört. Wir könnten dann über die bis dahin gezündete nächste Raketenstufe sprechen, auf die ich Sie heute nur heiß machen kann. Wir könnten auch darüber sprechen, dass wir auf unserer lebenslangen Mission für den guten Klang und gegen das Mittelmaß einige wichtige Etappen zurückgelegt und neue Mitstreiter gefunden haben, die uns darin unterstützen. Und wenn wir unser Gespräch 2020 dann gemeinsam vor ein paar neuen Burmester-Produkten sitzend und diesen lauschend führen, dann muss ich vermutlich kein Wort mehr darüber verlieren, dass wir bei all dem Blut, Schweiß und den Tränen, die derzeit eingebracht werden, auch verdammt viel Spaß hatten.


i-fidelity.net:   Wir haben einen gute Vorstellung davon, wie sich Ihre ersten Arbeitswochen gestalten und wie wenig Platz im Kalender vorhanden ist. Finden Sie da auch noch die Zeit für sich als Privatmensch?

Andreas Henke:   (lachend) Na klar, wer nicht privat ist, ist doch gar nicht, oder?


i-fidelity.net:   Verraten Sie uns dann doch bitte zum Schluss noch, womit Sie Ihre freie Zeit am liebsten verbringen?

Andreas Henke:   Das Programm bei Burmester beschränkt das Private derzeit doch ziemlich auf das Kennenlernen der neuen Heimat Berlin. Wir treffen alte und neue Bekannte, kochen und sind Gastgeber, essen uns durch viele wunderbare Restaurants, besuchen Konzerte oder finden durch den Sucher der Leica einen eigenen Blick auf die Stadt. Die Berge und die Autos sind dann hoffentlich irgendwann im Herbst mal wieder dran. Am schönsten ist es aber heimzukommen und zur Anlage zu gehen: Burmester an, Welt aus. Mehr privat geht nicht.