Nachruf: Dr. Ludwig Flich †

09.05.2022

Am 1. Mai ist der »Klangbilder«-Gründer und langjährige hifi & records-Autor Dr. Ludwig Flich gestorben.

In all meinen HiFi-Jahren sind mir nur zwei Musikwissenschaftler über den Weg gelaufen, die außerhalb des Elfenbeinturms auch praktischen audiophilen Neigungen nachgingen und den Wert der hochwertigen Musikwiedergabe wirklich zu schätzen wussten. Einer davon war Ludwig Flich. Der andere, Attila Csampai, hat mir einmal geraten, bei Rezensenten klassischer Musik erst einmal eine Hausdurchsuchung durchzuführen, um gewahr zu werden, auf Basis welch erbärmlicher Klangqualität die Herren ihre Bewertungen in der Regel vornehmen. Bei meinem Freund Ludwig wäre das nicht nötig gewesen, er war Musik- und  HiFi-begeistert, ein Klangtüftler vor dem Herrn, der noch mit Kabeln experimentierte, wenn der Text eigentlich schon fertig sein sollte. Bei seinen umfangreichen Diskographien war es nicht anders, er brauche noch einen weiteren Tag, sagte er öfters mal, er habe da noch ein, zwei weitere Aufnahmen, die er noch einordnen möchte. Wir wussten immer, dass es auf drei weitere Tage hinauslaufen würde.

Doch das machte alles nichts, denn das Ergebnis zählte, und diesbezüglich machte man dem Pianisten und Doktor der Musikwissenschaften (bei uns hieß er »Dottore«) kein X für ein U vor. Über 20 Jahre hat er für hifi & records CDs ausgewählt und besprochen und dabei den kreativen Freiraum, den er bei uns hatte, genossen. Er hat es uns und den Lesern mit wunderbaren Artikeln gedankt. Am 1. Mai nun hat Ludwig den Taktstock des Lebens aus der Hand gelegt und ist in seiner Wiener Heimat im Alter von 71 Jahren gestorben. Arrivederci, Dottore, ich hoffe, wir sehen uns wieder in einem Himmel voller Geigen.

Wilfried Kress
monomedia Verlag