Unsichtbares Nadelöhr

Vor zehn Jahren hat i-fidelity.net den für den HiFi-Einsatz optimierten Stromverteiler Vincent PF-2 vorgestellt. Jetzt tritt mit dem PF-3 sein Nachfolger an – ergänzt um einen effektiven Gleichstromblocker.

Die optimierte Stromversorgung einer HiFi-Anlage ist die Grundvoraussetzung dafür, Musik einbußenfrei hören zu können. Damit Musik entstehen kann, muss Energie fließen. Und diese Energie ist in modernen Haushalten längst nicht mehr die saubere, sinusförmige Selbstverständlichkeit vergangener Jahrzehnte. Tatsächlich hat sich das häusliche Stromnetz zu einem hochgradig »belebten« System entwickelt. Schaltnetzteile, LED-Leuchtmittel, Router, Küchengeräte, Ladestationen und nicht zuletzt Photovoltaikanlagen sorgen für Störungen im Netz. Zu diesen negativen Netzrückwirkungen zählen insbesondere Oberschwingungen, also Frequenzanteile oberhalb der idealen 50-Hertz-Grundschwingung, die beispielsweise durch Gleichrichter sowie durch Frequenzumrichter und Wechselrichter erzeugt werden. Diese überlagern die Netzspannung und führen zu einer zunehmenden Verformung der Sinuskurve. Ebenfalls relevant ist der sogenannte Flicker-Effekt, der durch schnelle Lastschwankungen etwa bei industriellen Anwendungen wie Schweißanlagen oder Lichtbogenöfen verursacht wird und sich in Form von sichtbarem Flackern bei der Beleuchtung bemerkbar machen kann. Darüber hinaus treten Unsymmetrien im Stromnetz auf, wenn leistungsstarke Verbraucher oder Einspeiser einphasig betrieben werden, etwa Durchlauferhitzer, Haarföhne oder Photovoltaikanlagen. Diese Ungleichverteilung kann zu Klangverlusten führen. 

Die Netzteile von HiFi-Komponenten müssen folglich nicht nur Energie liefern, sondern zugleich auch gegen ein diffuses Störfeld ankämpfen. Empfindlichere Schaltungen – etwa in D/A-Wandlern oder Vorverstärkern – reagieren darauf mit subtilen, aber hörbaren Veränderungen. Die Klangbühne verliert an Tiefe, feine Details verschwimmen, das gesamte Klangbild wirkt weniger konturiert. Es ist kein dramatischer Effekt, sondern eher ein schleichender Verlust an Präzision – vergleichbar mit einem leicht beschlagenen Kameraobjektiv. In hochpreisigeren Regionen treffen die Hersteller meist Maßnahmen, um solche Störungen zu beseitigen. Aber auch andere Komponenten können auf die Befreiung von Gleichspannungsanteilen und Hochfrequenzeinstreuungen klanglich positiv reagieren. 

Wenn die Gleichstromanteile auf der Wechselspannung sehr hoch sind, ist häufig ein mechanisches Trafo-Brummen zu hören, das selbst bei hochwertigen Geräten auftreten kann. Doch die Auswirkungen gehen darüber hinaus. Ein gestörter Transformator arbeitet weniger effizient, erzeugt zusätzliche Vibrationen und beeinflusst die nachgelagerte Spannungsversorgung. Auch hier sind es keine spektakulären Verfärbungen, sondern vielmehr ein Verlust an Ruhe, Schwärze und Souveränität im Klangbild, der das Musikvergnügen beeinträchtigt. Wer möchte, kann das gerne aushalten, für i-fidelity.net ist ein solcher Zustand indes inakzeptabel, vermiest er uns doch den musikalisch-klanglichen Genuss. Genau an dieser Stelle setzen spezialisierte Netzleisten wie der Vincent PF-3 an. Sie filtern hochfrequente elektromagnetische Störungen und eliminieren gleichzeitig Gleichspannungsanteile konsequent über integrierte DC-Blocker. 

Aus Sicht der Komponentennetzteile sorgt der PF-3 für die Wiederherstellung eines stabilen, sauberen Energieflusses, schafft also wieder ideale Arbeitssbedingungen. Entscheidend ist dabei: Die Wirkung solcher Maßnahmen ist immer kontextabhängig. In einem stark belasteten Stromnetz – etwa in urbanen Umgebungen oder Haushalten mit vielen elektronischen Verbrauchern – kann der Einsatz sich deutlicher bemerkbar machen. In anderen Situationen fällt er hingegen subtiler aus. Genau deshalb ist das Ausprobieren in der heimischen Anlage unerlässlich. Im Übrigen erklärt dieser Umstand auch die Bandbreite der Aussagen zur Thematik, die von »fällt kaum ins Gewicht« bis zu »ohne geht es gar nicht« reichen. Einsatzort und Anlage sind folglich entscheidend für die Wirkstärke der Netzoptimierer. 

Der in silberner und schwarzer Ausführung erhältliche Sechsfach-Verteiler PF-3 bringt knapp drei Kilogramm auf die Waage, Gummifüße sorgen für Entkopplung und stabilen Stand. Auf der Front befinden sich zwei LEDs, eine zeigt den Betriebszustand an, die andere markiert den phasenverkehrten Anschluss des Verteilers. Sie darf also nicht (!) leuchten. Die sechs Schuko-Dosen sind mit einem »L« (steht für Phase) gekennzeichnet, sodass das Ausgleichsstrom-Niveau den kleinsten gemeinsamen Nenner hat. Viele Geräte verfügen inzwischen über Phasenmarkierungen; ist das nicht der Fall, hilft ein Messgerät beziehungsweise der kompetente Fachhändler bei der Ermittlung. Zwei der Ausgänge sind für Digitalgeräte wie Streamer und CD-Spieler gedacht. Sie verfügen über eine intensivere Filtercharakteristik, weil diese Geräte in vielen Fällen das Potential haben, selber Störungen ins Netz einzuspeisen. In Summe können Verbraucher angeschlossen werden, die zusammen nicht mehr als 300 Watt benötigen. Im Normalfall ist das mehr als genug, was ebenso für die verbleibenden vier Ausgänge mit einer maximalen Anschlussleistung von 1.900 Watt gilt. Diese Form der Praxistauglichkeit passt hundertprozentig zur Vincent-DNA. 

Eine Nadel im Heuhaufen?

Der Vergleich von Netzleisten ist zeitaufwändig und erfordert Konzentration. Als Konkurrent des PF-3 muss zunächst der klassische Haushaltsmehrfachverteiler mit seinem rot leuchtenden Netzschalter herhalten. Beide Leisten bestücken wir mit dem Netzkabel QED XT5, das ebenfalls die Kriterien hochwertig und preiswert erfüllt. Diese Maßnahme vermeidet das Umstecken – lediglich am Gerät selbst muss das Kabel getauscht werden. Wird der Verstärker an der Standardleiste betrieben, spielt er ein Stück weit heller und blutleerer, was sich insbesondere bei Orchestermusik bemerkbar macht; zudem verliert der Bass an Kontur und wirkt schwerfällig. Bei einer Fotografie würde man von Unschärfe und Farbfehlern sprechen. Kommt dann der PF-3 wieder zum Einsatz, gewinnen Bassläufe ihre verdiente Definition zurück, die Fokussierung von Details gelingt erheblich besser, und auch die Durchhörbarkeit des Klangbilds profitiert spürbar. Die Unterschiede sind tatsächlich vertikal und nicht horizontal einzuordnen, was der im Anschluss folgende Blindtest bestätigt. Wenn man nicht weiß, welche Leiste den Verstärker aktuell mit Strom versorgt, dann hört man die Unterschiede natürlich auch sofort, aber man muss dann die Entscheidung treffen, was der Klangqualität zuträglicher ist. Den PF-3 herauszuhören war nahezu ausnahmslos möglich. 

Kurze Vergleiche von Komponenten verraten fast nie die vollständige Wahrheit. Manchmal reagiert die Wahrnehmung auf das Klangbild genau dann, wenn es nicht um konzentriertes Unterschiedshören geht. Da singt Diana Krall und spielt Klavier – und das kommt nicht bei allen gut an, meist mit der Begründung: »Das kann ich nicht länger als fünf Minuten ertragen.« Denn die Stimme hat Härten, und die Hämmer des Klaviers scheinen direkten Zugang zum Trommelfell zu haben. Die Musik der Kanadierin ist damit hervorragend geeignet, um Unterschiede bei der Stromversorgung aufzuzeigen. Kommt die Energie aus dem PF-3, gewinnt die Musik die notwendige Geschmeidigkeit: Störende Anteile verschwinden und das Klangbild lässt sich nun in angenehmer Harmonie intensiv genießen. Probieren Sie den Einsatz einer solchen Stromversorgung aus, nicht selten schwindet unmittelbar der vorher bestehende Wunsch nach neuen Komponenten.

Ausstattung

Hersteller:   Vincent

Vertrieb:   Sintron Distribution, Iffezheim

Modell:   PF-3

Preis:   599 Euro

Garantie:   2 Jahre

Ausgänge

  • 4 x Schuko-Steckdosen für analoge Geräte, 1.900 Watt Gesamtleistung
  • 2 x Schuko-Steckdosen für digitale Geräte, 300 Watt Gesamtleistung

Eingang:   220 - 240 V/50 Hz AC (max. 10 A / 2200 W)

Ausführungen:   schwarz, silber

Abmessungen (B x H x T):   17,5 x 8,2 x 35 cm

Gewicht:   2,8 kg

 

Kontakt

Sintron Distribution GmbH
Südring 14
76473 Iffezheim

Internet:   www.vincent-highend.de
E-Mail:   info@sintron.de

Telefon:   0 72 29 / 18 29 50

Testergebnis

Am Ende bleibt eine einfache, längst bekannte und fundamentale Erkenntnis: Klang beginnt nicht im Signalweg – sondern bereits an der Steckdose. Wer hier eine sorgfältige Bedarfsermittlung durchführt, kann die Qualität der angeschlossenen Komponenten anschließend sachlich beurteilen. Mit dem PF-3 hat Vincent einen wirksamen Sechsfach-Verteiler konstruiert, der elektromagnetische Störungen sowie Gleichstromanteile von Netzleitungen und Netzteilen fernhält und damit das unsichtbare Nadelöhr für optimale Klangqualität beseitigt. Darüber hinaus ist die Filterung für Digitalgeräte optimiert, denn diese sind häufig selbst HF-Störquellen. In diesem soliden Stromverteiler haben sie jedoch keine Chance, mitspielende Kollegen negativ zu beeinflussen. Für das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis hätte der PF-3 den i-fidelity.net-»Preistipp« verdient. Da wir die Wirkung jedoch noch höher bewerten, ist der »Tuning-Tipp« in Verbindung mit einer klaren Empfehlung die folgerichtige Auszeichnung.  Olaf Sturm

Vincent PF-3
Preis: 599 Euro
Garantie: 2 Jahre
sehr gut
sehr gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Stromversorgung:
Vincent PF-3
Autor:
Olaf Sturm
Datum:
20.04.2026
Hersteller:
Vincent