Die sichere Nummer

Mit der MK-Version offeriert Vincent eine aufgefrischte Variante des 2015 erstmals eingeführten SV-500. Besitzt dieser typische HiFi-Verstärker auch 2025 noch seine Relevanz?

Schaut man auf die Neuheiten der einen breiten Kundenkreis ansprechenden Hersteller von hochwertigen Komponenten zur Musikwiedergabe, dann ist die Tendenz eindeutig: maximale Funktionsverdichtung. Das Ergebnis sind entweder Lautsprecher, die drahtlos alles können. Oder wir sehen die Neuinterpretation eines Stereo-Receivers, nur eben mit Streaming-Sektion anstelle von UKW-Rundfunk. Diese kommt möglichst klein und attraktiv daher und ähnelt einem klassischen Verstärker kaum noch. So weit, so 2025.

Doch was ist mit dem Kunden, der kein Gerät gemäß der Döner-Doktrin (»Bitte mit allem«) möchte? Der einfach nur seinen betagten Verstärker eins zu eins durch ein vergleichbares neues, besseres Modell ersetzen will? Der weiterhin seine physischen Medien abspielen möchte? Oder dem audiophilen Nachwuchs, der sich nach einem ersten Kontakt mit Einsteigerelektronik eine aus Einzelkomponenten bestehende Anlage alter Schule aufbauen möchte? Gerne mit Vintage-Flair, aber bitte auch moderner Technik. Zu erschwinglichen Konditionen. Gibt es das noch? Ja, das gibt es.

Hier kommt die Marke Vincent ins Spiel, die seit nunmehr dreißig Jahren dem klassischen HiFi-Konzept huldigt. Aber trotzdem nicht in der »guten alten Zeit« verharrt. Ein typisches Beispiel ist die sich hier präsentierende aufgefrischte MK-Version des seit zehn Jahren im Portfolio befindlichen Verstärkers SV-500. Am grundsätzlichen Konzept haben die Ingenieure aus Iffezheim nichts geändert. Der SV-500MK ist weiter in Hybrid-Technik aufgebaut. Die für den Klangcharakter federführende Vorstufensektion nutzt drei Röhren in Doppeltrioden-Konstruktion: eine 12AX7 (alias ECC83) von Psvane aus China sowie zwei russische 6N1. Der Endverstärkerbereich hingegen fußt auf je zwei Leistungs- und zwei Treibertransistoren pro Kanal von Toshiba, was laut Vincent in soliden 2 x 50 Watt Sinus an 8 Ohm mündet. Mit dieser Arbeitsteilung will man das Beste aus beiden Welten erreichen: ein durch die Glaskolben beeinflusstes wohlklingendes Klangbild gepaart mit dank Halbleitertechnologie gewährleisteter sicherer Leistungszufuhr an die Lautsprecher. Das stabile Netzteil mit streufeldarmem 250-Watt-Ringkerntransformator bildet hierfür die gesunde Basis. Für die Glättung des Stromsignals und als Puffer stehen Kondensatoren mit 20.000 Mikrofarad zur Verfügung.

In Sachen Anschlussmöglichkeiten offeriert der SV-500MK ein vielfältiges Spektrum. Zwei Stereo-Analog-Eingänge treffen auf zwei Analog-Ausgangspaare; letztere einmal geregelt (Output Pre), einmal ungeregelt (Output Rec). Ein Phono-Input wäre nicht fehl am Platze gewesen, aber Vincent bietet für den Schallplattenhörer ein interessantes Trio externer Lösungen an. Den gut zum SV-500MK passenden Phonovorverstärker PHO-300 beispielsweise stufte i-fidelity.net-Chefredakteur Olaf Sturm kürzlich als »bemerkenswertes Sonderangebot« ein.

Im Digitalsegment verfügte schon der Vorgänger SV-500 über einen koaxialen und einen optischen Eingang. Diese Zuspielwege werden beim MK-Modell vom Wandler-Baustein PCM5102 aus dem Hause TI/Burr Brown beschickt, der hier Daten bis 24 Bit/192 Kilohertz verarbeitet. Technisch wäre er zu noch Höherem in der Lage (32 Bit/384 Kilohertz), doch dazu bedürfte es eines USB-Eingangs, den der SV-500MK nicht vorweisen kann. Wer also seinen Rechner oder USB-Streamer anschließen möchte, braucht einen USB-zu-S/PDIF-Konverter. Als preiswerte Lösung käme beispielsweise der Topping D10s für knapp über 100 Euro in Frage.

Digitaler Mehrwert

Der interne DAC-Chip steckt auf einem neu gestalteten Digital-Board, da es zwei zusätzliche Features zu integrieren galt: zum einen den HDMI ARC-Input, welcher eine leichte Einbindung des Fernsehgeräts in die Stereoanlage ermöglicht. Der SV-500MK reagiert auf die TV-Remote Control und passt seine Lautstärke entsprechend an. Diese Funktion habe ich zum Einspielen des Verstärkers über eine Woche lang ausgiebig genutzt. Selbst an meinem betagten Flachbildschirm funktionierte das einwandfrei. Der klanglich rudimentäre Fernsehlautsprecher musste sich nicht mehr bemühen, denn jetzt sorgte ein HiFi-Verstärker für deutlich besseren Ton bei jeder Form von TV-Nutzung.

Als zweite Aufwertung offeriert der SV-500MK die Möglichkeit, drahtlos Signale von einem Mobilgerät oder Computer via Bluetooth zu empfangen. Die Vincent-Entwickler verwenden hierfür den Qualcomm-Chip QCC3034, welcher Bluetooth-Technologie der Generation V5.0 ermöglicht und die Formate SBC, AAC, aptX und aptx-HD decodiert. Jene für den Signalempfang erforderliche Antenne ist an der Rückseite des Verstärkers klar zu erkennen. Mit meinem iPad konnte ich nach Aktivierung des Vincent in den Einstellungen des Tablets interessante YouTube-Videos klanglich aufwerten. Die Gesangs-Pyrotechnik der britischen Sängerin Raye bei ihrer Version von »It's A Mans World« auf den American Music Awards wurde erst jetzt, über den Vincent-Amp zu einer vollumfänglichen Erfahrung, die umso mehr begeistert hat. Gleiches gilt für den abendlichen Podcast-Konsum. Die Atmosphäre bei den Gesprächen zwischen den Redakteuren Jochen Wegner und Christoph Amend und ihren Gästen bei »Alles gesagt?« von Zeit Online habe ich unmittelbarer wahrgenommen, als wenn die Stimmen bloß aus dem iPad-Speaker plärrten. Natürlich lassen sich via Bluetooth auch reine Audio-Files mit dem SV-500MK abspielen: Das schnelle Wischen auf dem Tablet führt zu Apple Music und einer leichten Berieselung via Ambient-Playlist aus iTunes-Tagen. Da dieser Service entgegen der gängigen Erwartung die Daten nicht Bit-perfect verarbeitet, spielten theoretische Nachteile der per se verlustbehafteten Bluetooth-Connection eine nachrangige Rolle.

Einen vollwertigen Streamer hat man bei Vincent bewusst nicht integriert. Zum einen erfordert diese sich immer noch schnell ändernde Technologie einen exorbitanten Betreuungsbedarf von Seiten des Herstellers, den nur die größten oder extrem spezialisierten Anbieter sicherstellen können. Vor allem aber steht solcher stetige Wandel im Streaming-Kosmos dem Wesenskern des Vincent SV-500MK diametral entgegen: zeitlose Qualität und infolgedessen Wertbeständigkeit.

Traditionelle Präsenz

Dieser klassische Ansatz spiegelt sich im optischen Auftritt wieder: bewährtes 43er-Format in der Breite, robustes Vollmetallgehäuse, gebürstete Aluminium-Frontplatte, dezidierte Regler und Tasten für jede Funktion. Es gibt kein suchendes Durch-das-Menü-Scrollen, folglich auch kein klangbeeinflussendes Display. Aber viel ist am SV-500MK auch nicht zu beherrschen, weil sich das Gerät auf die Kernfunktion eines Verstärkers besinnt. Es gibt Quellenwahl, Stummschaltung, Klangsteller (abschaltbar) sowie den Lautstärkeregler, der intern zu einem gekapselten motorbetriebenen Potentiometer führt. Der Volumensteller läuft angenehm geschmeidig und hat im Innern eine LED eingearbeitet, welche nach der Stromzufuhr erst 15 Sekunden blinkt, um die röhrenschonende Softstart-Verzögerung zu signalisieren.

Danach ertönen über den mittels Oyaide-DR510-Koaxialkabel einspeisenden Streamer/Transport Silent Angel Munich M1T die Southern-Soul-Hits von Lee Dorsey. Das via Qobuz angelieferte, ursprünglich aus dem Jahr 1970 stammende »Best Of«-Album »Yes We Can… And Then Some« klingt erstaunlich gut, was der Vincent durch seine Präsentation bestätigt. Die einzelnen Instrumente sind für sich genommen auffallend klar und präzise aufgenommen, kaum Effekte oder Hall, nur der pure Stoff. Alles kommt zu einem großartigen Soul-Stew zusammen – dank der hohen Kunst von Produzent Allen Toussaint, aber auch der Fähigkeit des SV-500MK, Einzelteile nicht übermäßig auszuleuchten, sondern das Musikerlebnis in seiner Gesamtheit zu transportieren. Ziemlich schnell wird eine klangliche Ausrichtung des Verstärkers offenbar, die sich mit der Erwartung an eine Vorstufen-Sektion mit Röhrentechnologie deckt: weit ausgeleuchteter Raum, angenehmes Gesamt-Timbre, wohlige Mitten bei einer guten Transparenz im Hochtonbereich. Und ganz wichtig: Der Schwung der Musik wird direkt kommuniziert. In diesem Punkt dürfte die Transistorendstufe ihr Scherflein beitragen. Gemeinsam vermitteln sie den Eindruck, dass die Musik einfach »richtig« klingt.

Jene grundsätzliche Qualität des Geräts lässt sich noch klarer erkennen, wenn statt des integrierten Wandlers ein externer Spezialist zum Einsatz kommt. Der vorhandene TI/Burr Brown-DAC ist solide Hausmannskost, die für den drahtlosen Einsatz, den TV-Ton oder auch einen betagten CD-Player mit Digitalausgang mehr als hinreichend performed. Über meinen Referenz-Konverter Teac UD-701N zeigte sich bei Hi-Res-Streaming, dass der SV-500MK zulegen kann, wenn er höchstwertig »gefüttert« wird. Speziell bei den Aspekten Weitläufigkeit, Dreidimensionalität und Transparenz lässt sich noch etwas herausholen. Wer überwiegend solche erstklassigen digitalen Quellen hört, sollte auf dem Upgrade-Pfad einen Abstecher in Gefilde unternehmen, wo hochwertige externe DACs zu Hause sind. Damit das gegenüber der internen Lösung auch Sinn macht, ist eine Preisklasse um die tausend Euro anzuvisieren. An dieser Position mit dem Teac zugegebenermaßen über Gebühr aufgewertet, zeigt sich noch deutlicher, dass der Verstärker auch mit modernen Klanganforderungen sehr gut umgehen kann. Die tuckernden Sequenzer auf »Superkilen« von Svaneborg Kardyb verzuckern nicht etwa, sondern haben genug Transientenschärfe und Zugkraft. Und wenn am Ende des Titelstücks das Schlagzeug etwas freier und wilder zu Werke geht, kann der Vincent auf den Punkt folgen und die erforderliche Dynamik bereitstellen.

Flexibler Boxenpartner

Die mittels QED Reference-XT40-Kabel angeschlossenen Elac Solano FS-287 sind in ihrem Verhalten typische Vertreter der Gattung Mehrwege-Standlautsprecher: mittlerer Wirkungsgrad bei moderat forderndem Impedanzverlauf. In meinem Hörraum von 25 Quadratmetern hat der Vincent SV-500MK keinerlei Mühe, diese bei der Stange zu halten und ihnen auch für die rollenden Toms auf »Valder« vom »Superkilen«-Album einen profunden und stabilen Tiefton zu entlocken. Nur im direkten Vergleich zu einem vielfach teureren Verstärker wie dem Electrocompaniet ECI 6 MKII wird erkennbar, dass der Bass leicht auf der wollenen Seite beheimatet ist. Als Folge der robusten Halbleiter-Endstufen-Sektion ermöglicht dieser Amp in Hybrid-Technologie auf der Suche nach kompatiblen Lautsprechern grundsätzlich eine deutlich größere Auswahl als ein reiner Röhrenverstärker. Bei jenem schränken Fragen des Wirkungsgrads und Impedanzverlaufs die Lautsprechersondierung naturgemäß erheblich ein.

Wegen seines traditionellen Habitus war es interessant, wie sich der Vincent SV-500MK bei rein analoger Kost verhält. Also wechsle ich zum Eingang S1, was mit einem kleinen Klicken der direkt hinter den Buchsen positionierten Relais quittiert wird. Dort wartet mein Phono-Preamp Elac PPA-2, der mittels Wireworld Solstice-Kabel die Rillenauslese des Sumiko Amethyst-MM-Tonabnehmers am Rega RB-880-Arm auf dem Transrotor Dark Star transportiert. Bei einer gewöhnlichen Vinyl-Version von Michael Jacksons »Thriller« offenbart der Vincent-Verstärker gleich beim ersten Track seine besondere Eigenschaft des »Irgendwie tönt hier alles richtig«. Jene typische 80er-Jahre-Produktion klingt auf dem SV-500MK nicht zu mager oder gar scharf. Die aggressiven Hi-Hats bei «Wanna Be Startin' Somethin'« zischeln zwar, bohren sich aber nicht schmerzhaft in die Ohrgewinde, sondern bleiben noch im Rahmen, den es braucht, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Vor allem aber grooved der Song so unwiderstehlich wie er soll. Der wuchtige Synthesizer-Bass ist hier eindeutig im Kontrapunkt zur extrem hochgestimmten Kickdrum als Verursacher dingfest zu machen. Gleichsam zeigt der Vincent dank seiner zwar angenehmen, aber nicht opaquen Mittendarstellung die extreme Raffinesse des Arrangements auf.

Solche »Nehmer«-Qualitäten des SV-500MK bleiben bestehen, als ich zurück in die Digitalwelt wechsele und das neue Album von Michael Kiwanuka via Qobuz streame. Die unselige Kombination aus zurückblickender Klangästhetik und heutiger Überkompression auf »Small Changes« ist beileibe kein audiophiles Zuckerschlecken, aber über den Vincent SV500-MK kann ich trotzdem die wunderbaren Songs genießen.

Ausstattung

Hersteller:   Vincent

Produkt:   SV-500MK

Kategorie:   Vollverstärker

Preis:   1.399 Euro

Garantie:

  • 5 Jahre (Verstärker)
  • 6 Monate (Röhren)

Eingänge:

  • 2 x RCA/Cinch Analog Stereo
  • 2 x S/P-DIF Digital (Koaxial/Optisch)
  • 1 x HDMI-Arc
  • 1 x Drahtlos Bluetooth Version 5.0

Ausgänge:
1 x RCA/Cinch-Pre Stereo
1 x RCA/Cinch-Rec Stereo

Ausführung:   Schwarz oder Silber

Abmessungen (B x H x T):   43 x 11,8 x 38 Zentimeter  

Gewicht:   10 Kilogramm

 

Kontakt

Sintron Distribution GmbH
Electronic Import & Export
Südring 14
76473 Iffezheim
     
Internet:   www.sintron.de

E-Mail:   info@sintron.de

Telefon:   0 72 29 / 18 29 0

Testergebnis

Bei der neuen MK-Version des SV-500 hat Vincent keine drastischen Änderungen gegenüber dem bewährten Ursprungsmodell vorgenommen – und das ist auch gut so. Es gibt lediglich digitale Erweiterungen an den Zeitgeschmack zu konstatieren: Bluetooth ermöglicht den niedrigschwelligen Einsatz von Mobilgeräten und Computern, HDMI-Arc gestattet die komfortable Einbindung des Fernsehgeräts in die Stereoanlage. Das Basisgerät ist das, was es schon immer war: ein exzellenter HiFi-Verstärker für den ambitionierten Aufsteiger. Der moderat ausgepreiste Vincent SV-500MK belegt die Vorzüge der Hybrid-Technologie durch einen angenehmen langzeittauglichen Klang gepaart mit stabiler Performance an haushaltsüblichen Lautsprechern. Dabei hat er die besondere Gabe, aus jeder Art von Material und Qualität ein Hörvergnügen zu zaubern. Der SV-500MK ist immer eine sichere Nummer.   André Schwerdt

Vincent SV-500MK
Preis: 1.399 Euro
Garantie: 5 Jahre (Verstärker), 6 Monate (Röhren)
sehr gut
gut - sehr gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Verstärker:
Vincent SV-500MK
Autor:
André Schwerdt
Datum:
27.03.2025
Hersteller:
Vincent