Eigentlich war die Arbeit getan. Mit der MK-Version hatte Vincent die Flaggschiff-Vorstufe SA-T7 der »TubeLine« erfolgreich aktualisiert. Als ich das Gerät im Sommer 2023 für i-fidelity.net testete, überzeugte dessen klangliche Darbietung in jeder Hinsicht. Also alles gut, oder? Doch so denkt man nicht im Hause der badischen Audio-Marke, wie mir Vincent-Manager Christian Fröhling erläutert: »Unser Entwickler hatte Zugriff auf einen fabrikneuen Posten von legendären Telefunken-Röhren bekommen und war der Überzeugung, die ohnehin schon sehr hohe Qualität unserer SA-T7MK in einer angepassten Schaltung mit diesen Röhren noch weiter steigern zu können. Also wurde ein Prototyp gebaut. Nachdem wir diesen gehört haben, war die Entscheidung schon gefallen. Ein solches Niveau wollten wir der Öffentlichkeit nicht vorenthalten.«
Aus dem wertvollen Fundus von 1.600 Stück der PCF 803-Röhren in neuwertiger Qualität (NOS = New Old Stock) will Vincent 250 Geräte fertigen, die je vier dieser legendären Glaskolben verwenden. Der umfängliche Rest wird für Servicezwecke verwahrt. So lautet gemäß Ansage von Christian Fröhling der Plan für die in Anlehnung an das Telefunken-Logo »Diamond« getaufte Sonderedition der SA-T7MK. Wer glaubt, zwischen den Zeilen eine Problematik der Haltbarkeit herauslesen zu können, ist auf der falschen Spur. Die Lebensdauer der Röhren wird mit mindestens 10.000 Betriebsstunden eingeschätzt. In Wirklichkeit darf man eher mehr erwarten, denn die PCF 803-Spanngitterpentoden waren ursprünglich für die Nutzung in Fernsehgeräten konzipiert und gelten daher als außergewöhnlich widerstandsfähig. Dennoch legt man bei Vincent kundenorientiert lieber ein paar zusätzliche Reserveexemplare auf die Seite.
Wie die SA-T7MK basiert eine SA-T7 Diamond grundsätzlich auf dem weltweit einzigartigen »BestPentode«-Prinzip. Jene patentierte Schaltung stammt von Diplom-Ingenieur Frank Blöhbaum. Der ausgewiesene Röhrenverstärkerspezialist bringt seit vielen Jahren bei Geräten von Vincent sowie des Ablegers T.A.C. aus dem gleichen Mutterunternehmen Sintron seine profunden Kenntnisse ein. Mit »BestPentode« will Entwickler Blöhbaum bisherige Dogmen über das Verhalten von Pentoden und Trioden im Verstärkerbau hinterfragen. Er erläutert deren Wirkungsweise so: »Diese Schaltung eliminiert das Stromverteilungsrauschen, das durch den gegenüber der Triode zusätzlichen Schirmgitterstrom entsteht. Gleichzeitig wird die prinzipiell höhere Verstärkung der Pentode beibehalten. Oder ganz kurz: Die Pentode wird mit der »BestPentode«-Schaltung genauso rauscharm wie die Triode, bei allerdings wesentlich höherer Verstärkung und besserer Linearität.«
Die »BestPentode«-Lösung kann grundsätzlich bei jeder Pentode eingesetzt werden. Deswegen musste Frank Blöhbaum in der Diamond-Variante der SA-T7 nach eigener Aussage nur den typenspezifischen Arbeitspunkt so optimieren, dass die Pentode in einem annähernd linearen Bereich läuft. Hier war es hilfreich, dass die PCF803 – ungewöhnlich für Pentoden – eine sehr moderate Regelkennlinie hat. Entscheidend für die Qualität der Wiedergabe ist aber nicht alleine die »BestPentode«-Schaltung, sondern auch die Art und Weise der Stromquellen-Kopplung über das von Frank Blöhbaum entwickelte Vimala-Modul. Deren Zusammenspiel führt nach Aussage des Entwicklers »trotz hoher Verstärkung zu einer äußerst geringen Aussteuerung der Röhre, sodass die Röhre keine Chance hat, zu verzerren.«
Die SA-T7 Diamond beinhaltet analog zum Standardmodell vier Verstärkerblöcke (zwei pro Kanal), wovon einer die eigentliche Verstärkung übernimmt, während der zweite für die Klangregelung zuständig ist und eine definierte, sehr niederohmige Quellimpedanz am Ausgang bereitstellt. In der bisherigen SA-T7MK arbeiten pro Verstärkerblock eine 6J51P im »BestPentode«-Betrieb und eine 6J9P in Triodenschaltung als Buffer. Die in der Sonderedition eingesetzte Telefunken PCF803 hingegen ist eine Verbundröhre, sie beinhaltet zwei Röhrensysteme (eine Pentode und eine Triode) in einem Kolben. Deswegen finden wir auf der zentralen Platine der SA-T7 Diamond nur vier Röhren statt deren acht wie bei der regulären Version des Vincent-Vorverstärkers. Von der SA-T7MK unverändert beibehalten wurde die frontal sichtbare Spannungsreferenz-Röhre 85A2, ursprünglich in der professionellen Messtechnik beheimatet. Sie sorgt gemeinsam mit einem halbleitergestützten Regler für eine konstante Versorgungsspannung der Röhrenelektronik.
An der grundsätzlichen Konzeption und Ausstattung des Geräts wurde nichts geändert. Auch die Diamond-Edition der SA-T7 hat sechs Line-Inputs. Das reicht für ein umfangreiches Setup. Lediglich Schallplattenhörer müssen einen separaten Phono-Vorverstärker budgetieren – was sie auf diesem Niveau wahrscheinlich ohnehin täten. Zu jenen hochwertig ausgeführten RCA/Cinch-Buchsen gesellen sich drei mögliche Digital-Zugänge: Die je einmal koaxial und optisch ausgeführten Ports verarbeiten Dateien gängiger PCM-Formate bis maximal 24 Bit/192 Kilohertz. Ein nicht mehr taufrischer Texas-Instruments-Chip PCM 5102 bildet hierfür die technische Basis. Dieser Baustein ermöglicht zudem die Umsetzung der dritten digitalen Option: drahtlose Audio-Kommunikation via Bluetooth (Version 5.0). An der Rückseite der SA-T7 Diamond steckt rechts außen die erforderliche Antenne, um Signale direkt vom Rechner, Smartphone oder Tablet entgegenzunehmen. Damit lassen sich auf niedrigschwellige Art Internetradiostationen, YouTube-Videos oder Musikdienste für den schnellen Genuss abspielen. Einen verlustfreien hochauflösenden Streamer kann, soll und wird dieses Feature nicht ersetzen.
Ausgangsseitig werden neben einem ungeregelten traditionellen Tonbandausgang zwei Pre-Out-Paare mit unterschiedlichen Impedanzen (607 Ohm / 47 Ohm) geboten. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer optimalen Anpassung an variierende Endverstärkerkonzepte. Symmetrische XLR-Anschlüsse finden wir weder eingangs- noch ausgangsseitig. Kopfhörernutzer werden nicht bedient und sind genötigt, sich um ergänzende Komponenten zu bemühen.
Sieht man von der Typenbezeichnung ab, entspricht die Vorderseite unverändert dem bekannten Bild einer Vincent SA-T7. Auf der massiven Aluminium-Frontplatte im 43er-Rastermaß liegen links vom zentralen Röhren-Bullauge zwei – per Taster abschaltbare – Regler für Bässe und Höhen sowie der Power-Knopf. Auf der rechten Hälfte des Geräts finden wir einen Eingangswahlschalter mit dem Switch Analog/Digital, den Pegelsteller sowie einen Mute-Button. Die Regler laufen geschmeidig, die Relais klicken vertrauenserweckend. Einziger sichtbarer Unterschied zur SA-T7MK: Anstelle der auf der Gerätebasis anflanschenden Blechhaube besteht das Gehäuse jetzt durchweg aus Metall. So unterstreicht Vincent den nochmals gestiegenen Qualitätsanspruch der Diamond-Edition.
Zum Hörtest standen mir zwei vom Hersteller angedachte Spielpartner für die Premium-Vorstufe der »TubeLine« zur Verfügung: die Class-A-Monoblöcke SP-T700. Jene Endverstärker wollen in einer hybriden Konstruktion die Vorteile von Röhren und Transistoren verbinden. Die optisch beindruckenden, außerordentlich massiven SP-T 700 werfen dank großzügiger Metallverarbeitung und riesigem Transformator ein Kampfgewicht von 16 Kilogramm in den Ring. Sie produzieren auf dieser gesunden Basis pro Kanal eine Leistung von 180 Watt an 8 Ohm respektive 300 Watt an 4 Ohm. Das dürfte auch für den anspruchsvollsten Lautsprecher genügen. Wichtig: Bei den ersten (und wichtigsten!) 10 Watt arbeiten die Vincent SP-T700 im Class-A-Modus. Das kommt erfahrungsgemäß der Klangqualität zu Gute.
Ich folge der Faustregel, bei der Vorstufe eine möglichst niedrige Ausgangsimpedanz anzustreben und wähle von beiden simultan ausspielenden Outputs der Vincent die 47-Ohm-Variante. Musiksignale kommen im ersten Anlauf digital via Qobuz über den kombinierten DAC/Network-Player TEAC UD-701N, getaktet durch eine externe Mutec REF10 SE120 Master Clock. Schon nach wenigen Titeln wird klar, dass wir uns hier auf höchstem Niveau bewegen.
Drei Aspekte kristallisieren sich besonders auffällig heraus. Zuerst die Basswiedergabe: Sie bekommt einen substanziellen Schub. Die Intensität nimmt gegenüber dem etablierten Niveau dermaßen stark zu, dass ich in meinem Raum für so tieftonintensive Produktionen wie Yussef Dayes' »Black Classical Music« erstmals bei Elacs Standlautsprechern Solano FS 287 die rückseitige Reflexöffnung mittels Schaumstoff schließen musste und im Wechsel mit der Wandentfernung experimentierte. Als alles wieder im Lot ist, gewinne ich über die SA-T7 Diamond in puncto Bass nicht nur ein bloßes Mehr an Gewicht. Auch Präzision und Tiefgang erreichen ein außergewöhnlich avanciertes Niveau. Beim Kontrabass auf dem wundervollen Folk-Jazz-Album »Saint Lawrence« von Hampshire & Foat ist die Dicke der Saiten, die auf dem großen resonierenden Klangkörper des Instruments anschlagen, förmlich zu sehen.
Nicht minder faszinierend: die holographische Staffelung des musikalischen Geschehens. Der Klang breitet sich weniger auffällig horizontal aus, sondern speziell in der schwieriger zu bewerkstelligenden räumlichen Tiefe. Die Instrumente bekommen einen griffigen, dreidimensionalen Charakter, der erheblich zum »Echtheitsgefühl« beiträgt. Diese durch sukzessive Abstufung ausgesprochen körperhafte Präsentation kombiniert die Vincent-Vorstufe mit einer ausgeprägten Durchsichtigkeit. Jedes Instrument – und sei es auch noch so leise und zart – ist aus dem musikalischen Geschehen destillierfähig und somit individuell nachvollziehbar. Beim Eröffnungstitel »All Blues« aus dem Spiritual-Jazz-Album »Open Me, A Higher Conciousness Of Sound And Spirit« von Kahil El`Zabar`s Ethic Heritage Ensemble wird einerseits die unkonventionell gestaltete Abmischung deutlich. Außerdem nehme ich anhand minimaler Tempo- und Pegelvariationen bewusst wahr, dass der rhythmusgebende Schellenring nicht endlos gelooped, sondern live durchweg per Hand gespielt worden ist. Durch solche von der SA-T7 Diamond freigelegten Feinheiten intensiviert sich das Hörerlebnis, gelangt man näher an die musikalische Wahrheit. Das gleiche Muster beim jüngsten Album der außerordentlich talentierten und produktiven polnischen Musikerin Hania Rani: »Ghosts« wirkte auf mich zuvor mit seinen elektronischen Hallverläufen und ineinander verwobenen Synthesizer-Schichten zeitweise wie ein zwar wunderbares, aber sehr opaques Sound-Schaumbad. Bis ich das Album über diese »Tuning«-Variante der SA-T7 gehört habe. Hier werden die einzelnen Ebenen erstmals sauber tranchiert und einzeln nachvollziehbar angeboten, ohne aber den in sich geschlossenen Charakter der Musikalität dem Altar der Transparenz zu opfern. Der gleiche Effekt beim Album »In These Times« von Makaya McCraven; auch im Falle dieser sehr dicht arrangierten Musikstücke ermöglicht mir die Vincent-Vorstufe ein tieferes Verständnis der Kompositionen.
Wer meint, dass detailorientierte Durchsichtigkeit zwangsläufig tendenzielle Hochtonlastigkeit erfordert und daraus resultierend in schnellerer Hörermüdung mündet, hat noch keine SA-T7 Diamond gehört. Der Vorverstärker klingt extrem »in der Balance« und verleitet so zu einem andauernden Genuss. Weiter und weiter forsche ich in meinem File-Fundus, um herauszufinden, wie diese und jene Lieblingsaufnahme über den Tube-Preamp wohl klingen mag. Dabei stellt sich immer klarer heraus, dass typische verzeihende Röhrenmilde nicht zu den Kerneigenschaften der Diamond zählt. Wenn beispielsweise eine Kalimba wie auf »Woody Bay« von Hampshire & Foat schnelle Impulse einfordert, dann liefert die Vorstufe ohne zu verschmieren agil und schlackenlos.
Gerade im Bereich Digital-Audio gibt es die Tendenz, die Bedeutung eines Vorverstärkers herunterzuspielen und diese Aufgabe beispielsweise dem DAC/Streamer zuzuschreiben. Doch zeigt die Erfahrung, dass eine gute Vorstufe weit mehr ist als nur der Ort, an dem man seine Signalquellen parkt und den Pegel regelt. Um sicherzugehen, dass die Qualität des bisher Gehörten vorrangig der Vorstufe zuzurechnen ist, habe ich probeweise die Vincent-Endverstärker SP-T700 mit der – gleichfalls analogen – Vorverstärkersektion meines DAC/Network-Players TEAC-UD-701N verbunden. Das Ergebnis geriet eindeutig: Die Performance bewegte sich immer noch auf hohem Niveau, sachlich gab es überhaupt nichts auszusetzen. Doch das Klangbild wirkte in sich zusammengeschobener, flacher und statischer. Der Bass verlor an Muskelkraft, die Instrumente hatten nicht mehr dieses koronare Leuchten. Alle Musiker wirkten, als ob sie sachbearbeiterartig einen Auftrag ausführten, statt mit Leidenschaft ans Werk zu gehen. Kurzum: Die Magie war perdu. Die Vorstufe im DAC machte formal alles richtig, die Diamond machte Musik. Das ist der Unterschied zwischen sehr gutem HiFi und wahrem High End.
Deswegen kam die SA-T7 Diamond wieder flugs zurück an ihren Platz zwischen D/A-Wandler und Monoblöcken. Als Abbitte für die Momente des Zweifels meinerseits wurde die Vorstufe mit einer Delikatesse via Phono-Pre PPA-2 von Elac gefüttert. Das Magnetsystem Sumiko Amethyst im Rega-Tonarm RB 880 auf dem Transrotor-Laufwerk Dark Star durchglitt die Rillen von »The Lowswing Sessions«. Bei dieser zu 100 Prozent analogen Produktion spielt der britische Folk/Blues-Meister Fink zusammen mit handverlesenen Musikern eine Auswahl an Lieblingssongs live und direkt aufs Mehrspurband ein. Die limitierte Sonderedition auf zwei 45ern nutzt die Vorteile der größeren Rillenbreite zusätzlich aus und begeistert durch immense Dynamik, tiefgreifenden Bass und maximale Unmittelbarkeit des Vortrags. Näher kann man den Musikern kaum kommen – und der Preamp SA-T7 Diamond ist der Transporter, der mich durch Zeit und Raum direkt ins Studio katapultiert.
Hersteller: Vincent
Produkt: SA-T7 Diamond
Kategorie: Vorverstärker
Preis: 3.999 Euro
Garantie:
Eingänge:
Ausgänge:
Ausführung: Schwarz oder Silber
Abmessungen (B x H x T): 43 x 13,5 x 37 cm
Gewicht: 8,5 Kg
Sintron Distribution GmbH
Electronic Import & Export
Südring 14
76473 Iffezheim
Internet: www.sintron.de
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Die SA-T7 Diamond markiert den bisherigen Höhepunkt im Portfolio der Marke Vincent, die sich seit 1995 mit konsequent audiophil ausgerichteten Produktlinien an jene Sorte HiFi-Liebhaber richtet, die es tendenziell konservativer mag. Für diesen Kundenkreis pflegt Vincent für gewöhnlich eine entschleunigte werterhaltende Portfolio-Strategie, bei der Neuerungen nicht um der Neuerung willen stattfinden, sondern wirklich zwingend sein müssen. Das ist bei der SA-T7 Diamond definitiv der Fall. Die Gelegenheit, die erst kürzlich modifizierte Top-Vorstufe SA-T7MK auf die legendären Telefunken-Röhren auszurichten, war einfach zu verlockend – und das Ergebnis gibt dem Entwickler recht.
Die ohnehin schon ausgezeichnete Performance der SA-T7MK wurde durch diese Anpassung auf eine noch höhere Qualitätsebene gehoben, wo sie sich mit den Besten der Besten messen darf. Hier geht es nicht mehr um spezifischen Röhren- oder Transistor-Charakter, sondern um absoluten Klang. Die Vincent SA-T7 Diamond ermöglicht tiefe Einblicke in die Seele der Musik, offeriert aber gleichsam eine Fülle an Kleinstinformationen, ohne dass man dabei an Laborkittel oder Petrischalen denkt. Ihre überragende Performance sichert der aufgrund des begrenzten Röhrenvorrats nur in limitierter Menge verfügbaren »Tuning«-Variante den sparsam vergebenen Titel einer »i-fidelity.net«-Referenz. André Schwerdt
| Vincent SA-T7 Diamond |
| Preis: 3.999 Euro |
| Garantie: 5 Jahre (Röhren 6 Monate) |