Wenig Platz da!

Mit der Soundbar Sound M definiert Canton die Größe von Wohnzimmern neu. Ab sofort braucht man nämlich keinen Konzertsaal mehr, um trotzdem klanglich waschechtes Heimkino-Feeling aufkommen zu lassen. Warum, das erklärt i-fidelity.net Ihnen in diesem Test.

Keine Frage, dieser Testbericht richtet sich wie immer an alle, die sich für die Themen Heimkino, anspruchsvolle Musikwiedergabe und Klangoptimierung interessieren. Aber ausnahmsweise spricht er ganz speziell die Einwohner der niedersächsischen Gemeinde Osterheide an. Warum? Mit gerade mal 12,5 Quadratmeter pro Kopf haben die Menschen hier mit am wenigsten Wohnraum in ganz Deutschland zur Verfügung. Es folgen das niedersächsische Friedland  (28,4 m²), Raunheim in Hessen (34,3 m²) und Bliesdorf in Brandenburg, wo jeder einzelne im Schnitt 34,3 Quadratmeter zum Wohnen hat. Weniger Wohnraum bedeutet in der Regel, dass man entsprechend auch vergleichsweise wenig Platz für Lautsprecher oder ein Heimkinosystem hat. Blöd, wenn man trotzdem gerne vernünftig Musik hört und seinem Flat-TV eine dynamischere Akustik entlocken will.

Mit dem Canton Sound M stellen wir Ihnen ein 2.1-Virtual-Surround-System vor, das möglicherweise allen aus dem Dilemma hilft, bei denen es schlichtweg an Wohnfläche für ein ausgewachsenes Sound-Ensemble fehlt – ganz egal, ob man in Osterheide oder woanders wohnt. Mitunter hapert es aber auch nicht unbedingt am Wohnraum, sondern schlichtweg an der Bereitschaft, sich das Wohnzimmer mit überdimensionierten Boxen zu verbauen. Willkommen, hier kommt Canton mit der Sound M ins Spiel, die wir zusammen mit dem handlichen Subwoofer SUB 601 zum Vorspielen gebeten haben.

Mit den Maßen 72,5 x 6,5 x 10 Zentimeter ist dieser Schallwandler weder breit noch hoch oder tief. Den 4 Kilogramm leichten Winzling können Sie in der kleinsten Bude hinstellen oder Aufhängen, zwei Schlüssellochaufhängungen sind in die Rückseite integriert. Ist Ihr Flat-TV an der Wand montiert, schrauben Sie die Sound M einfach darunter. Steht der Fernseher auf einem Sideboard bzw. TV-Tisch, können Sie die Soundbar davor platzieren, bei Fernsehern mit speziellem Soundbar-Fuß-Konzept wie bei Sony passt der Lautsprecher möglicherweise sogar unter das Display. Er ist an der Unterseite weich abgepolstert, damit auch empfindliche Oberflächen vor Kratzern verschont bleiben. Ein Blickfang ist die Canton-spezifische wärmebehandelte und geschliffene Glasplatte, die die schwarze bzw. weiße Oberseite der Sound M ziert.

In Verbindung mit den abgerundeten Ecken sieht das sehr hochwertig aus. Außerdem ist Glas nicht so empfindlich wie speziell schwarzer auf Hochglanz polierter Kunststoff, auf dem man sofort jeden winzigen Kratzer und störende Fingerabdrücke sieht. Aus HDF (hochdichte Faserplatte) gefertigt ist der 579 Euro teure TV-Lautsprecher sehr verwindungssteif und gegen Vibrationen gefeit. Die Front ziert ein in der jeweiligen Gehäusefarbe eingefärbtes Metallgitter. Hier kommt wie bei den anderen Canton-TV-Lösungen kein Klarglasdisplay zum Einsatz. Viermehr geben blaue LEDs unter anderem Auskunft über den gewählten Eingang, die aktuelle Lautstärke, Toneinstellungen, Klangmodi und das vorliegende Eingangssignal. Bei frontaler Draufsicht ist die Ablesbarkeit sehr gut, von der Seite muss man mitunter genauer hinschauen. Jeweils nach fünf Sekunden erlischt die Anzeige wieder, damit man im abgedunkelten Heimkino nicht abgelenkt wird.
Das rückseitige Anschlussfeld ist reich bestückt. Hier findet man vier HDMI-Buchsen, eine davon mit ARC (Audio Return Channel). ARC macht die Verwendung eines zusätzlichen optischen oder Composite-Audiokabels überflüssig. Darüber hinaus ist man dank optischer, koaxialer und analoger Eingänge für alle relevanten Verbindungsoptionen gewappnet. Bluetooth 5.0 erlaubt die drahtlose Kopplung mit Mobilgeräten oder etwa einem Desktop-PC, um Musik kabellos zum Lautsprecher zu transportieren. Beste Klangqualität wird durch den apt-X-Standard gewährleistet. Im Test klappte das Koppeln mit einem Windows-Rechner und einem Samsung-Smartphone jeweils problemlos auf Anhieb.

Bestückt ist die Sound M mir vier 50-mm-Tiefmittel- und zwei 19-mm-Hochtönern in Zwei-Wege-Konfiguration. Der Hochtöner besteht aus Gewebe, beim Tief- und Mitteltöner setzt der Hersteller aus dem hessischen Weilrod auf Aluminium. Die Systemleistung liegt bei 300 Watt, um den Tieftonbereich kümmern sich zwei Passiv-Radiatoren. Wahrscheinlich spielt die Sound M in den meisten Haushalten als Solo-Soundbar auf. Um sie herum kann aber auch ein kleines Ensemble gruppiert werden. So lässt sich die Sound M zusammen mit zwei Smart Lautsprechern von Canton, die als Surroundboxen dienen, und einem Smart Sub betreiben. Die Sound M übernimmt in diesem Fall die Aufgabe als reiner Center-Speaker.

Die einwandfreie Steuerung der Sound M

Die Einrichtung der Soundbar ist ein Klacks – selbst für technische Laien. Ein HDMI- sowie ein optisches Audiokabel werden mitgeliefert. Zur Inbetriebnahme benötigt die Soundbar lediglich Strom und eine Kabelverbindung zum Fernseher. Über die Fernbedienung wählt man die Quelle bzw. Verbindungsart aus, fertig! Der mitgelieferte schwarze Steuerstab gefällt uns richtig gut. Er ist kompakt, schwer, hochwertig verarbeitet und mit 17 Tasten übersichtlich gestaltet. Alles hat man hierüber im Griff, auf Tasten am Lautsprecher selbst verzichtet Canton. Und das aus gutem Grund: Ob Lautstärke, die Anpassung von Bässen, Mitten und Höhen, die Quellenwahl oder das Springen zum nächsten oder vorherigen Song bei Bluetooth-Streaming, die Canton-Fernbedienung macht alles möglich. Über drei Speichertasten ruft man persönliche Settings wie Lautstärke, Wiedergabemodus und Quelle jederzeit mit einem Tastendruck auf. Mittels »Play Mode« aktiviert man die Klangbilder »Stereo«, »Movie« und »Music« – was man bei den einzelnen Modi erwarten kann, erklärt sich durch die Begrifflichkeiten von selbst. Die Settings »Discrete« und »Party« stehen nur im Zusammenspiel mit verbundenen Surroundlautsprechern zur Verfügung. Saubere Druckpunkte ermöglichen ein perfektes Handling der Sound M. Das komplette Einstellungsmenü lässt sich bei Bedarf auf dem Fernseher anzeigen. Die Canton-Fernbedienung ist lernwillig: Sie ist dazu in der Lage, den Infrarot-Code beispielsweise der TV-Fernbedienung zu übernehmen, um auch den Flat-TV zu steuern.

Was zusätzlich lobenswert ist: Canton hat seine Soundbar nicht mit Funktionen übersät, die eher verwirren als nutzen. Käufer einer Soundbar in diesem Preissegment beschränken sich in der Regel auf die Soundwiedergabe und einige wenige Zusatz-Features, die sich intuitiv ergeben müssen. Die Schlummerfunktion hilft beim Stromsparen. Wahlweise nach 15, 30, 45 oder 60 Minuten schaltet sich die Sound M von alleine in den Standby-Modus. Praktisch: Die Quellgeräte-Bezeichnung für einen Eingang kann man individuell ändern. Die Funktion »Lip Sync« wiederum hilft dabei, das von der Soundbar wiedergegebene Tonsignal bei Bedarf zu verzögern, um es an das Bild des Fernsehers anzupassen. Hilfreich sind darüber hinaus die Optionen, die maximal einstellbare Lautstärke zu begrenzen und mittels »DRC« (Dynamic Range Control) den Dynamikbereich bei codierten Datenströmen automatisch zu verringern, damit Lautstärkeunterschiede reduziert werden. Hat man einen zusätzlichen Subwoofer angeschlossen, kann man dessen Phasenlage von 0 auf 180 Grad ändern, sollte der Basspegel bei der Übergangsfrequenz zwischen Soundbar und Subwoofer signifikant zu niedrig erscheinen. Glücklicherweise mutet es Canton Benutzern der Sound M nicht zu, die genannten Funktionen im Zufallsprinzip zu erkunden. In der Anleitung wird alles ausführlich beschrieben.

Diese Einstellungen sind ideal

Wir lassen die Sound M zunächst ohne den zusätzlichen Subwoofer SUB 601 aufspielen. Und sind erstaunt, wie lebendig sich der gerade mal 72,5 Zentimeter lange Lautsprecher gibt. Mitten und Höhen sind angenehm ausgeprägt, die Bässe hingegen sind eher nur angedeutet (aber der SUB 601 steht bereits in den Startlöchern). Ob man sich für die Modi »Stereo« oder »Movie« bzw. »Music« entscheidet, hat enorme Auswirkungen auf die räumliche Abbildung. »Stereo« erzeugt einen sehr sauberen, aber engen Korridor, während die anderen beiden Einstellungen links und rechts den Vorhang fallen lassen und einen deutlich weiteren Klangkokon weben. Diese Einstellungen sind ideal, wenn man nicht alleine vor dem Fernseher sitzt und auch Zuschauer bzw. Zuhörer auf seitlichen Sitzplätzen tonal umhüllen will. Natürlich darf man hier trotzdem keine Wunder erwarten, für eine Großfamilie ist die Soundbar etwas unterdimensioniert, in diesem Fall sollte man beispielsweise zum Smart Sounddeck 100 greifen, das mit mehr Druck, Masse und Volumen eine deutlich fülligere Klangkulisse aufbaut.

Trotzdem kann man auch der Sound M bedenkenlos höhere Pegel entlocken, ohne dass diese zu unschönen Verzerrungen tendiert und merklich an Präzision verliert. Der Action-Klassiker »Need for Speed« stellt dies eindrucksvoll unter Beweis. Die kompakte Soundbar transportiert quietschende Reifen, aufheulende Motoren, den charakteristischen Sound einer Cessna und das metallische Scheppern aufsetzender Karosserien ungemein realistisch und füllig in die eigenen vier Wände. Effekte wie eine schlagende Tür oder eine Hupe hebt die Sound M recht plastisch hervor, der Druck des Schallwandlers ist gut. Auf ein noch höheres Level wird der TV-Ton katapultiert, wenn auch der SUB 601 seine Dienste zur Verfügung stellt. Dieser benötigt lediglich Strom, die kabellose Verbindung per Funk zur Sound M baut er automatisch auf. Dies klappte im Test immer mit hundertprozentiger Zuverlässigkeit.

Actionreiche Handlungen untermauert das Ensemble jetzt deutlich satter und kräftiger. Der SUB 601 agiert nicht plump und ist nicht auf bloße Effekthascherei aus. Vielmehr legt er einen natürlichen und angenehm dicken Tieftonteppich aus. Dabei agiert der 8,5 Kilo schwere und mit 27 x 33,3 x 29,5 Zentimeter super kompakte Downfire-Tieftöner mit einer Musikleistung von 280 Watt erwachsen und souverän, aber dennoch Mehrfamilienhaus-freundlich. Er greift da ein, wo es sinnvoll ist, spielt sich nicht permanent in den Vordergrund und ist für 479 Euro eine absolut sinnvolle Investition. Canton bietet den SUB 601 in Schwarz und Weiß an, allerdings nicht in Seidenmatt, sondern in hochglänzend. Beim Bluetooth-Streaming von Musik begeistert das Duo ob seiner spielerischen Leichtigkeit. Ob Klassik, Schlager oder Pop, die kleine Soundbar klingt nie angestrengt, intoniert luftig und stets gut gelaunt – und das überträgt sich glücklicherweise auf den Hörer. Selbst aus einem durchschnittlichen 65-Zöller holt die Sound M klanglich mehr heraus.

Ausstattung

Hersteller und Vertrieb:   Canton, Weilrod

Modell:   Sound M

Kategorie:   Soundbar

Preis:   579 Euro

Garantie:   2 Jahre

Konstruktion:   2.1 Virtual Surround System, Bassreflex

Bestückung

  • Tiefton-/Mitteltonchassis: 4 x 50 mm, Aluminium
  • Hochtonchassis: 2 x 19 mm, Gewebe

Systemleistung:   300 Watt

Farbe:   Schwarz bzw. Weiß Seidenmatt mit Glasplatte

Ausstattung:

  • Bluetooth 5.0
  • Bis zu drei zusätzliche Wireless-Geräte einbindbar (Surround links, Surround rechts, Subwoofer)
  • LED-Display in Gehäusefront
  • On-Screen-Display (OSD) auf dem Fernseher verfügbar
  • Infrarot-Fernbedienung
  • HDF-Gehäuse
  • Drei Presets für akustische Anpassung an Aufstellungsort
  • Lip-Sync für exakte Sprach-/Bildsynchronisation
  • Einstellen des Hörabstands sowie der Kanalpegel aller verbundenen Lautsprecher möglich
  • Voice-Funktion für bessere Sprachverständlichkeit
  • Sleeptimer (Einstellbar für 15, 30, 45, 60 Minuten)
  • Begrenzung der Maximallautstärke
  • Unterstützt Mehrkanaltonformate: Dolby Digital, DTS Digital Surround

Anschlüsse:

  • 1 x HDMI Output (mit ARC)
  • 3 x HDMI Input (mit 3D, 4K)
  • 1 x Digitaleingang (optisch)
  • 1 x Digitaleingang (Coax)
  • 1 x Analogeingang (Cinch)
  • 1 x Sub Out (Cinch)
  • Bluetooth 5.0

Abmessungen (B x H x T):    72,5 x 6,5 x 10 Zentimeter

Gewicht:   4 Kilo     


Canton SUB 601

Preis:   479 Euro

Garantie:   2 Jahre

Konstruktion:   Geschlossenes Funk-Subwoofersystem, Downfire

Tieftöner:   213 mm, Cellulose/Graphit

Systemleistung:   280 Watt

Nennleistung:   200 Watt

Übertragungsbereich:   30 – 200 Hz

Farbe:   Schwarz bzw. Weiß High Gloss

Abmessungen (B x H x T):   27 x 33,3 x 29,5 Zentimeter

Gewicht:   8,5 Kilo     

 

Kontakt

Canton Elektronik GmbH & Co KG
Neugasse 21 - 23
61276 Weilrod

Internet:   www.canton.de

Canton auf Facebook

Telefon:   0 60 83 / 28 70

Testergebnis

Ob in Osterheide oder in Kampen auf Sylt, wo Pro-Kopf-Wohnraum geradezu inflationär zur Verfügung steht: Cantons kompakte Sound M fühlt sich in jedem Wohnzimmer pudelwohl. Wegen Platzmangel oder weil man Technik keine zu dominante Bühne geben möchte: Die kleine und preiswerte Soundbar ist sehr zu empfehlen, sie spielt dynamisch, souverän und leichtfüßig, ist für Musik gleichermaßen wie für Action- und Spielfilme geeignet und punktet durch hohen Bedienkomfort. Im Zusammenspiel mit dem SUB 601 überzeugt auch das Bassfundament des handlichen Duos. Ab sofort ist akustische Größe keine Platzfrage mehr.   Jochen Wieloch

Canton Sound M
Preis: 579 Euro
Garantie: 2 Jahre
 
Canton Sub 601
Preis: 479 Euro
Garantie: 2 Jahre
sehr gut
sehr gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Lautsprecher:
Canton Sound M
Autor:
Jochen Wieloch
Datum:
19.06.2023
Hersteller:
Canton