Zu schön, um wahr zu sein. Das war vor sechs Jahren der erste Gedanke beim Anblick der Sonus Faber SF16. Ein All-In-One-System, das sich bereits aufgrund seines Äußeren vom Mainstream in dieser Kategorie wohltuend distanzierte. Trotz des knapp fünfstelligen Preises wurde dieses System äußerst erfolgreich weltweit verkauft. Im Januar diesen Jahres kündigten die Italiener mit der Omnia nun ein wesentlich günstigeres System an, dessen Name in Bezug auf die Quellenvielfalt klug gewählt ist. Dabei geht es gar nicht darum, dass die Nutzer alle angebotenen Möglichkeiten ausschöpfen, sondern die wahlweise in den Ausführungen Nussbaum oder Graphit erhältliche Omnia einfach für den für sie passenden Anwendungswunsch zu nutzen.
Die Omnia ist eine absolute Augenweide. Sonus-Fabers-Chefdesigner Livio Cucuzza besitzt ein eindrucksvolles Gespür für elegante Linienführungen, harmonische Proportionen, natürliche Farbkombinationen und die passende Materialauswahl. Er macht keinen Hehl daraus, dass er unter anderem Boote es Herstellers Riva sehr schätzt. Vermutlich stammt ein Teil seiner Inspiration bei der Omnia-Formgebung aus diesem Bereich. Dass sie nicht vollständig nach dem schwebenden Rumpf eines Schiffes aussieht, ist durch die symmetrieerfordernde Akustik des Systems erklärt. Omnia kommt ohne jeden Knopf aus. Die Holzoberfläche ist berührungsempfindlich und erlaubt neben dem Ein- und Ausschalten auch die Regelung der Lautstärke.
Beeindruckend ist die Vielzahl an Möglichkeiten, das System mit Musik zu versorgen. So befindet sich im Lieferumfang ein Kabel mit integriertem Phono-Vorverstärker, was folglich den direkten Anschluss eines Plattenspielers ermöglicht. Per Schalter kann dieser Eingang auf der Rückseite für Hochpegelquellen wie beispielsweise CD-Spieler genutzt werden. Über den HDMI-Eingang nimmt die Omnia sich des Fernsehtons an. Per Fernbedienung des TV-Apparats kann dann die Lautstärke gesteuert werden. Weitreichend sind jedoch die Optionen, um die Omnia drahtlos mit Musik zu versorgen. Selbstverständlich ist die klassische Bluetooth-Option mit an Bord. Apple-Nutzer werden sich über AirPlay freuen und es kommen mit der »Roon Ready«-Option und Tidal Connect zwei weitere qualitativ hochwertige Möglichkeiten hinzu, Musik in ausgezeichneter Qualität hören zu können. Mit Spotify ist auch der Marktführer dabei, der bei i-fidelity.net aufgrund seiner klanglichen Eigenschaften eher selten bis gar nicht zum Einsatz kommt. In Summe ist diese Auswahl schon mehr als genug in puncto Ausstattung, aber mit Chromecast built-in kommt eine weiteres Angebot hinzu, das vielfältige Streamen von Musik zu ermöglichen.
Die Sonus Faber Omnia bietet neben Form und Ausstattung aber auch exzellente Technik. Sieben Chassis, die ausschließlich für die Verwendung in dieser Anlage konzipiert wurden, arbeiten in dem Gehäuse in einer Vier-Wege-Konstellation. Für den Tiefton ist ein 16,5-Zentimeter-Chassis nach dem Downfiring-Prinzip im Einsatz. Es arbeitet auf einen Kegel, der für die gleichmäßige Schallabstrahlung in den Raum sorgt. Pro Kanal arbeitet eine 19-Millimeter-Kalotte sowie ein 7,6-Zentimeter-Mitteltöner auf der Stirnseite, um ein stabiles Stereosignal zu erzeugen. Das wäre allerdings nur dann wahrnehmbar, wenn man mit der Nase fast auf dem Gerät hängt. Um das zu vermeiden, sind links und rechts zwei Breitbandlautsprecher montiert. Über ein DSP-modifiziertes Signal sorgen sie dafür, dass die abgebildete Bühne enorm an Breite gewinnt. Diese von Sonus Faber »Crescendo« getaufte Technik funktioniert in der Praxis eindrucksvoll. Angetrieben werden die glorreichen Sieben von einem Verstärker, dessen Leistung mit soliden 490 Watt angegeben ist. Mit anderen Worten kann Omnia vermutlich sogar Partys beschallen.
Der Omnia liegt ein Kabel bei, in das ein Phono-Vorverstärker für Magnet-Tonabnehmer integriert ist. Somit ist der Anschluss eines Plattenspielers problemlos möglich. Aber wie findet man jetzt den korrekten Eingang? Auf der mitgelieferten Fernbedienung findet sich eine Taste, um die Quellen durchzuschalten. Damit Klarheit bei der Auswahl besteht, hat Sonus Faber das Senso-Farbsystem eingeführt. Jede Quelle hat eine eigene Farbe, die auf dem hölzernen Deckel durch den vordersten Leuchtstreifen angezeigt wird: acht Quellen, acht Farben. So leuchtet der Plattenspielereingang beispielsweise in pink. »Jazz Samba« rotiert auf dem Plattenteller des Transrotors. Das Spiel auf den Becken des Schlagzeugs und das Tenor-Saxophon liefern die typischen Vinyl-Freuden. Neben warmen Klangfarben ist es aber vor allem die Substanz, die überzeugend wirkt. Erstaunlich ist aber vor allem die Breite der Abbildung, die Musik ist an Stellen ortbar, wo definitiv physisch keine Anlage mehr vorhanden ist. »Crescendo« funktioniert demzufolge einwandfrei.
Erwartungsgemäß ist die Herstellung einer Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und Omnia kein Problem. Sie läuft stabil, so lange man sich nicht mehr als zehn Meter entfernt. Diese Einschränkung ist bei Tidal connect nicht gegeben. Hier ist die Reichweite des WLANs maßgeblich. Diese Verbindung zur Omnia lief extrem stabil und qualitativ hochwertig. In der Tidal-App wird das System namentlich angezeigt und bei Aktivierung wird die Anlage aus dem Stand-by geweckt. Ist die Playlist aktiviert, wundert man sich in der Anfangsphase häufig, weil man beim Hören sowohl ob der Energie im Tiefton als auch von der Breite der Abbildung überrascht wird. »Take My Breath« von The Weeknd stellt für die hübsche Sonus Faber kein Problem dar. Mit Wucht generiert die den Rhythmus und zaubert darüber hinaus erneut Klangflächen, die weit über die eigentliche 65-Zentimeter-Grundfläche hinausgehen.
Zeigt der Leuchtstreifen »orange« an, dann kommt das Signal kabelgebunden per HDMI vom Fernseher. Hierbei ist aber unbedingt zu beachten, dass TV und Omnia in einer vertikalen Linie angeordnet sind, damit Bild und Ton glaubhaft zusammenfinden. Schließlich sollen die Sprecher da zu hören sein, wo sie zu sehen sind. Auch diese Kombination ist reizvoll, denn die Kraft des eingebauten Verstärkers reicht locker aus, um die perfekte akustische Kulisse eines »Tatorts« abzubilden. Beginnend bei klaren und damit äußerst verständlichen Dialogen bis hin zu Verfolgungsjagden, bei denen das Dröhnen der Motoren das Wohnzimmer erschüttert. Wenn schließlich die Zeit des Hörens vorbei ist, dann erfreut man sich dennoch mit jedem Blick auf die Sonus Faber Omnia, weil sie aktuell zu den schönsten All-In-One-Systemen gehört.
Hersteller: Sonus Faber, Arcugnano
Vertrieb: Audio Components, Hamburg
Modell: Omnia
Kategorie: All-In-One-System
Preis: 1.795 Euro
Garantie: 2 Jahre
Quellen (analog)
Quellen (digital)
Konstruktion Gehäuse/Weiche: geschlossen/4-Wege-System
Chassis
Leistung des Verstärkers: 490 Watt
Netzwerk
Abmessungen (B x H x T): 65 x 13 x 28 cm
Gewicht: 7,6 kg
Audio Components Vertriebs GmbH
Leverkusenstr. 3
22761 Hamburg
Internet: www.audio-components.de
E-Mail: info@audio-components.de
Audio Components auf Facebook
Telefon: 0 40 / 40 11 303 - 80
Telefax: 0 40 / 40 11 303 - 70
»Omnia in bonum«? Absolut, denn mit der Sonus Faber Omnia ist alles gut. Exzellente Formgebung inklusive des eleganten Lichtspiels und weitreichende Ausstattung in Kombination mit klanglicher Klasse lassen keine Wünsche offen. Ob die Omnia den Ton des Fernsehgeräts, die Musik von Schallplatten verstärkt, oder einfach Playlists von einem Streamingdienst wiedergibt, macht bei der Erlebnisqualität keinen Unterschied, denn die ist bei dieser Klangskulptur immer überdurchschnittlich. Olaf Sturm
| Sonus Faber Omnia |
| Preis: 1.795 Euro |
| Garantie: 2 Jahre |