Sonnenklar

Der neue Dual CS 329 spielt Schallplatten auf Knopfdruck ab – und er ist günstig. Wie bewährt sich der Vollautomat in der Praxis?

Elac hat sich in den letzten Jahren mit beachtlicher Geschwindigkeit zum HiFi-Vollsortimenter entwickelt. Dabei wussten sowohl die wiederbelebten Miracord-Schallplattenspieler als auch die ambitionierte Alchemy-Verstärkerelektronik zu überzeugen. Doch das Kerngeschäft der Kieler sind und bleiben Lautsprecher. Hier offeriert die Marke ein sehr eng getaktetes Portfolio von Produktlinien mit Solano als jüngster Ergänzung. Diese Reihe setzt sich aus dem Standlautsprecher FS 287, dem Center CC 281 sowie der Kompaktbox BS 283 zusammen, welche Gegenstand dieses Berichts ist. Die Solano-Speaker liegen zwar an einen ähnlichen Preispunkt wie die demnächst auslaufenden 260er-Modelle, gelten aber nicht als deren direkte Nachfolger.

In puncto Kostenfaktor und Qualitätsbestreben sind die Mitglieder der Solano-Familie zwischen den Serien Carina und Vela positioniert. Man teilt zwar einige konstruktive Gemeinsamkeiten, aber naturgemäß gibt es auch relevante Unterschiede zu erkennen. Am offensichtlichsten zeigen sich diese zuerst beim Gehäuse. Im Gegensatz zu den matten Carinas erstrahlen die Solanos in hochglänzendem Lack, wahlweise schwarz oder weiß ausgeführt. Die grundsätzliche Solano-Gehäuseform ist klassisch kastig, wogegen die im Design avantgardistischer orientierte Vela-Reihe durch ambitionierte Schräglage beeindruckt. Rechteckig heißt aber nicht zwangsläufig kantig! So wartet die BS 283 mit sanft abgerundeten Ecken auf, welche in Tateinheit mit einer leicht konvexen Schallwand dazu beitragen, die bei einem dermaßen schmalen Formfaktor unausweichlichen Kantenreflexionen abzumildern. Eine Frontabdeckung ist nicht Bestandteil des Lieferumfangs. Wer diesbezüglich Bedarf hat, kann direkt bei Elac online passende Blenden für die Töner ordern.

Alle Solano-Lautsprecher wurden nicht nur in Deutschland entwickelt, auch die Fertigung erfolgt vor Ort in Kiel. Zudem sind sie die jeweils günstigsten Elac-Lautsprecher, die den legendären Original-Jet-Hochtöner verwenden. Dieser spezielle Tweeter wird im Hause Elac seit 30 Jahren ab einer bestimmten Preisklasse bevorzugt eingesetzt und unterliegt einer fortlaufenden Optimierung; inzwischen ist die Generation Nummer 5 am Start. Der Hochtöner basiert auf einer Technologie, die der legendäre deutsche Physiker Oskar Heil entwickelt und als »Air Motion Transformer« bezeichnet hat. Dabei wird eine von Leiterbahnen durchzogene, an einen Fächer erinnernde Folienmembran vor einem starken Magnetsystem bewegt. Durch diesen buchstäblichen »Kniff« verfügt ein solcher AMT-Hochtöner über die sechsfache (!) Membranfläche verglichen mit einer herkömmlichen 2,5-Zentimeter-Gewebekalotte.

Dieses Konstruktionsprinzip bietet einige handfeste Vorteile. So strahlt der Tweeter horizontal in einem sehr weiten Winkel mit konsistentem Pegel ab. Sein hauchdünnes und deswegen nahezu trägheitsloses Material ist ausnehmend leicht anzuregen, was sich gerade in den Aspekten Feindynamik und Transparenz bemerkbar macht. War ein solcher Hochtöner in den Neunzigern noch ein richtiger Exot, so gibt es inzwischen vermehrt Hersteller, die auf dieses technische Prinzip setzen. Was solche Nachzügler aber nicht vorweisen können, ist der Erfahrungsschatz, den Elac in dreißig Jahren aufgebaut hat. Das betrifft speziell die Fertigung, die außerordentlich anspruchsvoll ist und großer Sorgfalt bedarf, gerade auch um das Qualitätsniveau in der Serienherstellung konstant hoch zu halten. Deswegen werden die echten Jet-Hochtöner in einer Kombination aus routinierter Handarbeit und roboter-gesteuerter Umsetzung weiter ausschließlich im Kieler Hauptquartier hergestellt. 

Die fordernde Fertigungsprozedur stellt beileibe nicht die einzige Hürde bei der Konstruktion eines solchen Lautsprechers dar. So ist auch die akustische Anbindung des Hochtöners an einen zwangsläufig auf anderem Wirkprinzip basierenden Tiefmitteltöner keine Aufgabe für Erstsemester im Studienfach Lautsprecherentwicklung. Denn es gilt, einen konventionellen Konustreiber zu konzipieren, der trotz viel größerer Masse in puncto Geschwindigkeit und Anspringverhalten mit dem federleichten AMT mithalten kann. Ferner soll dieser dann auch noch so eingebunden werden, dass der Übergang sich nicht akustisch bemerkbar macht.

Tieftöner mit Sandwich-Membran

Im Falle der Solano BS 283 hat sich Elac für einen 15-Zentimeter-Treiber entschieden. Dessen Sandwich-Membran profitiert von Entwicklungen, die der norddeutsche Hersteller bereits in den 90er-Jahren angestoßen und immer weiter verfeinert hat. Auf einem weichen, hochdämpfenden Zellstofffaserträger wird in einem ausgeklügelten Klebeverfahren, welches von den sogenannten »Kristall«-Treibern abgeleitet ist, eine steife, stabile Aluminiumschicht aufgetragen. Hiermit sollen sich die grundsätzlichen Vorteile beider Materialen kongenial ergänzen. Die auffallend dicke Sicke entpuppt sich bei näherer Inspektion als in unterschiedlicher Dicke doppelt asymmetrisch aufgebaut, um sowohl bei kleinen als auch bei starken Signalen jeweils optimal zu performen. Der langhubig ausgelegte Tiefmitteltöner verfügt über einen starken Magnetantrieb, der den benötigten »Schub« sicherstellen soll. Dieses Chassis arbeitet auf eine Reflexöffnung, die nach unten abstrahlt. Der Vorteil gegenüber eines oft vorzufindenden Schallaustritts auf der Rückseite: Die Box kann ohne größere Nachteile auch relativ wandnah in einem Regal platziert werden. Eigentlich. Doch wir bei i-fidelity.net werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass der natürliche Lebensraum eines kleinen Zweiwege-Lautsprechers – selbst, wenn er BS (= Bookshelf) heißt – ein passende Ständer ist. Elac hat mit dem LS 50 für 378 Euro/Paar ein vernünftig ausgepreistes, perfekt zur BS 243 passendes Exemplar im Sortiment. Die Solano bietet auf ihrer aus Aluminiumdruckguss gefertigten Basisplatte –  welche einen definierten Abstand zum Ventilationsaustritt ermöglicht – vier entsprechende Gewinde, um mit der Trageplatte des Standfußes verschraubt zu werden. Eine solche fixe Verbindung stellt immer den Königsweg für Kompaktboxen dar. 

So steht die Elac Solano BS 283 also frei in meinen Raum an einer vielfach bewährten Position: 50 Zentimeter Abstand zur Rückwand (gemessen ab Boxenvorderfront) und 110 Zentimeter Entfernung zu den Seiten (ab Boxenmitte). Kleiner Exkurs am Rande: Achten Sie darauf, dass die Abstände zu Rück- und Seitenwand nie identisch sind. Jeder Raum erfordert zwar – im Zusammenspiel mit der Sitzposition – eine individuelle Relation zwischen beiden Wandabständen, jedoch hat sich als guter Startpunkt für eigene Experimente ein Verhältnis von 1:1,3 - 1,6 bewährt. Da AMT-Hochtöner wie bereits erwähnt in der Breite sehr gleichmäßig abstrahlen, ist es nicht nötig, die Boxen stärker auf den Hörplatz auszurichten. Es sei denn, die Entfernung zu den Seiten fällt sehr gering aus. Dann sollte man über ein Einwinkeln nachdenken, um die ersten Reflexionen nicht übermäßig zu stärken. Aber bei meinen sicheren Abständen zu den Raumbegrenzungen konnte ich davon absehen und ließ die BS 283 akkurat in einer 0-Grad-Position stehen.

Da die Solano-Bookshelfs über einen bei Lautsprechern dieser Größe durchaus typischen, allenfalls mittleren Wirkungsgrad verfügen, habe ich verstärkerseitig mit einer i-fidelity.net-Referenz – der Musical Fidelity-Kombination M6s PRE/PRX – einen überaus potenten Leistungslieferanten herangezogen. 2 x 336 Watt (4 Ohm) sind eine sichere Bank. Die Verkabelung übernahm das vielfach bewährte QED XT 40 Reference. Zur ersten Einschätzung lief via Qobuz/Roon akustischer Jazz. Beim Album »Spirit Sensitive« von Chico Freeman präsentieren sich die Solanos sogleich als sehr lebendige Vertreter, die mit ihren Qualitäten nicht hinter dem Berg halten: Das Saxophon wird in einem wunderbar stimmigen Timbre inklusive aller Anblasgeräusche präsentiert, das zarte Rühren mit dem Besen auf der Snare ist nicht nur ein komisches Dauerrauschen im Untergrund; stattdessen hört man die winzigen Dynamikunterschiede im Spiel von Billy Hart klar heraus. Das feinteilige Differenzierungsvermögen der Elac BS 283 begeistert auch bei den Schlagzeugbecken, wo die sehr eng beieinanderliegenden Unterschiede zwischen »Attack« und »Release«, also dem Anschlagmoment und Nachklingen, sehr genau übertragen werden. Hier zeigt sich der Jet-Hochtöner in seinem Element. Erfreulicherweise hält der Woofer das Niveau. So hat die sehr wuchtige Kontrabass-Performance von Cecil McBee Biss, Präzision und Körper. Erstes Verdikt: Das kann sich hören lassen!

Weil die Boxen an ihrem soliden Anschlussterminal eine Bi-Wiring-Option anbieten und die Musical Fidelity M6s PRX-Endstufe dank zweier paralleler Speaker-Abgriffe ein sehr leichtes Verkabeln solcher Art von Verschaltung ermöglicht, war es einfach herauszufinden, ob da »noch mehr geht«. Traditionell hege ich – vor allem bei preiswerten Schallwandlern – eine gewisse Skepsis ob der Sinnhaftigkeit von Bi-Wiring, aber im Falle dieser qualitativ gehobenen Konstellation war das Interesse geweckt. Mit einem zweiten identischen Paar QED XT 40-Kabel liefen die Solano BS 283 jetzt im Bi-Wiring-Modus. Beim erneuten Genuss der vorher konventionell verkabelt abgespielten Musik war zu konstatieren: Ein Mehrwert ist hörbar! Single-Wiring war schon gut, Bi-Wiring ist aber besser. Der Bass spielt definierter mit gleichsam intensivierter Autorität, das letzte Quantum Nervosität im Hochtonbereich ist verschwunden, der Gesamteindruck wirkt angenehmer, vollmundiger, runder – bei gleichzeitig gestiegener Tiefenstaffelung in der ohnehin schon exzellent ausgeprägten Räumlichkeit.

 

Konsistentes Ergebnisse

Konsequenterweise hörte ich fortan weiter im Bi-Wiring-Modus und konnte erneut bestätigen: Die Hochtonwiedergabe der Solanos ist exzellent. Ausnehmend agil, feindynamisch famos abgestuft und hochgradig transparent, ohne es diesbezüglich aber mit der Frische zu übertreiben. Im letzten Drittel des Titels »Rainbows« vom Sepalot Quartett aus deren 2018er-Album »A New Cycle« entwickelt der Song eine längere Dub-Passage, in der die Hi-Hats zwar schon mit beachtlicher Schärfe einschneiden. Doch kann diese »Würze« durchaus vom Produzenten via EQ am Mixer beabsichtigt sein. Dafür spricht, dass sich die alsbald dazu gesellende, im Frequenzspektrum ähnlich gelagerte Trompete fernab jeden übereifrigen Strahlens eher abgedunkelt ihre Linien zieht. Diese formidable Durchsichtigkeit der Elac-Boxen wird im folgenden Titel »Konzentrat« erneut offenbar, wo ganz versteckt im Hintergrund ein leise loopendes DJ-Sample den Song atmosphärisch unterfüttert, was minder auflösenden Schallwandlern sicherlich entgangen wäre. Das gilt übrigens genauso für die zarte Hallfahne auf der Trompete. Trotz dieser flink-luftigen Tweeter-Performance hinkt der Bass nicht etwa hinterher, sondern ist selber sehr behände unterwegs und schafft es so, zusammen mit dem Jet 5 ein konsistentes Ergebnis zu präsentieren. Woran mit Sicherheit die aufeinander abgestimmten Rolloffs der beiden Treiber ihren Anteil haben, die es wiederum erlaubten, die Frequenzweiche nicht überkomplex gestalten zu müssen. Neben seinem Beitrag zum harmonischen Ganzen punktet der kleine Fünfzehner auch in seiner Kernfunktion: Er klettert tiefer in den Frequenzkeller, als man es gemeinhin bei Boxen dieses Größenformats erwarten dürfte. Zudem gelingt ihm dieses mit einem überraschenden Maß an Standfestigkeit, wie die sehr satte Präsentation von Bassdrum und Standtom auf den Songs des Sepalot Quartetts belegt.

Laborbericht


Lautsprecher Elac Solano BS 283

Impedanzminimum:  
3,2 Ohm @ 217 Hz

Nennimpedanz (± 20% Toleranz):  
4 Ohm

Empfindlichkeit:  
84 dB (2,83 V / 1m; 500-5.000 Hz)


Ausstattung

Hersteller und Vertrieb:   Elac, Kiel

Modell:   Solano BS 283

Paarpreis:   1.600 Euro

Garantie:   5 Jahre

Konstruktionsprinzip:   Zweiwege, Bassreflex

Bestückung:

  • 1 x Jet 5-Folien-Hochtöner (AMT)
  • 1 x 150-Millimeter-Tiefmitteltöner


Übergangsfrequenz:   2.400 Hertz

Terminal:   Bi-Wiring/Bi-Amping

Ausführungen:

  • Schwarz Lack Hochglanz
  • Weiß Lack Hochglanz


Abmessungen (H x B x T):   331 × 190 × 248 Millimeter

Gewicht:   8 Kilogramm

Kontakt

Elac Electroacustic GmbH
Fraunhoferstraße 16
24118 Kiel

Internet:   www.elac.de

Facebook:   https://www.facebook.com/ElacKiel/?fref=ts

E-Mail:    info@elac.de

Telefon:   04 31 / 64 77 4-0

Telefax:   04 31/ 68 21 01

Testergebnis

Die Solano BS 283 erweist sich als profunde Bereicherung nicht nur des Elac-Sortiments, sondern des gesamten Lautsprechermarkts. Sie ist der ideale Kandidat für Musikhörer, die tief in die Aufnahmen »hineinhören« und jedes noch so kleinste Detail wahrnehmen möchten. Der über Jahrzehnte verfeinerte Original-Jet 5-Hochtöner liefert solche Feinheiten außerordentlich facettenreich an. Als Konsequenz wirkt die BS 283 in der Abstimmung leicht auf der lebendigen Seite beheimatet, überzieht aber nicht, auch weil der agile Tiefmitteltöner mit dem federleichten Folien-Tweeter auf Augenhöhe agiert. So eignet sich die Solano-Kompaktbox auch für einen ermüdungsfreien, dauerhaften Hörgenuss, ideal kombiniert mit dem hohen Erkenntnisgewinn eines Studiomonitors. Wer einen schicken Lautsprecher für normal große Wohnräume sucht, der höchsten klanglichen Anforderungen gerecht wird, sollte die Elac Solano BS 283 unbedingt seiner Kandidatenliste hinzufügen. Zumal der Preis für einen in Deutschland entwickelten und gefertigten Lautsprecher dieser Qualitätsklasse außerordentlich günstig ist.   André Schwerdt

Elac Solano BS 283
Paarpreis: 1.600 Euro
Garantie: 5 Jahre
überragend
gut - sehr gut
sehr gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Lautsprecher:
Elac Solano BS 283
Autor:
André Schwerdt
Datum:
17.08.2021
Hersteller:
Elac