Warum ist es als kompakter Lautsprecher so schwer, in der HiFi-Welt zu existieren? Ganz einfach, weil wir alle darauf geeicht sind, möglichst viel Material für unser Geld zu bekommen. Deshalb wird es unerfahrenen Kunden schwer fallen, für ein Pärchen Dali Mentor Menuet 958 Euro auf den Tisch des Händlers zu legen. In dieser Preisklasse gibt es nämlich auch schon ein reichhaltiges Angebot ordentlich gemachter Standlautsprecher, ganz zu schweigen von den zahlreichen Regalboxen.
Für wen ist dann aber Mentor Menuet gedacht? Die banale Antwort lautet: für Musikliebhaber. Machen wir den optischen Vergleich mit einem Bild oder Foto: ein Standlautsprecher bildet größer ab, wird in dieser Preisklasse aber in den Randbereichen schnell unscharf. Das heißt, dass es zwar mehr Tieftonanteile gibt, diese aber auf Kosten der Präzision gehen. Bei der kompakten Dali ist das produzierte Klangbild kleiner, dafür aber bis in die Ecken gestochen scharf. Kurz, sie sind High-End-Schallwandler, denn was sie zu Gehör bringen, ist akustisch korrekt.
Bei intelligenten Lösungen lässt sich meistens sehr schnell der kluge Kopf dahinter finden. Bei der Danish Audiophile Loudspeaker Industries, so der ausgeschriebene Name, der zur Abkürzung Dali führt, heißt der Mann Lars Worre. Ein Charakterkopf, der von modischen Trends nicht viel hält. Diese Haltung erlaubt er sich übrigens der Miteigentümer und Chefkonstrukteur des drittgrößten europäischen Lautsprecherherstellers. »Sollen sich die anderen doch um iPod-Dockingstationen kümmern, wir entwickeln unser Kerngeschäft Lautsprecher kontinuierlich weiter«, lässt sich der Däne zitieren.
Dass Worre weiß, wovon er spricht, konnte i-fidelity.net bei einem <link news details c article hinter-den-kulissen-des-lautsprecherherstellers-dali.html external-link-new-window internen link im aktuellen>Besuch des Produktionsstandorts im dänischen Nørager nachvollziehen. Der Meister selber ließ es sich nicht nehmen, den Redakteuren aus jeder Serie einen Lautsprecher explizit vorzustellen. Damit wollte er gleichsam die klangliche »Überschrift« zu jeder Baureihe vermitteln. Zum Ende einer ausgedehnten Hörsession stellte er den Redakteuren dann vorsichtig die neue Mentor Menuet vor. Er weiß, dass Hörer-Reaktionen in dieser Kategorie unterschiedlich ausfallen. Dennoch überraschte ihn ein wenig, dass die i-fidelity.net-Redakteure den Lautsprecher nach dem Hören kommentarlos verpackten und für einen Test mitnahmen. Die Mentor Menuet verdient nämlich Aufmerksamkeit!
Die Mentor Menuet ist als Zwei-Wege-Bassreflex-Lautsprecher konzipiert, der in den Farvarianten Kirsch, Weiß oder Schwarz erhältlich ist. Die knapp über vier Kilogramm Gewicht verteilen sich auf eine Höhe von 25 Zentimetern, bei einer Tiefe von 15 Zentimetern. Bei der Aufstellung gibt es drei Möglichkeiten: im Regal, freistehend auf einem Ständer und mit Hilfe einer optionalen Vorrichtung ist auch Wandmontage möglich. Letztere Variante empfehlen wir aber ausschließlich für den Fall, dass die zierliche Dali als Surround-Lautsprecher in einem Mentor-Heimkino-Set eingesetzt wird. Folgen wir aber dem audiophilen Leitgedanken, kommt nur die Positionierung auf Füßen rund dreißig Zentimeter vor der Rückwand in Frage.
Bestückt ist die Mentor Menuet mit einem 11-Zentimeter Tief-Mitteltöner und einer 28-Millimeter-Textilkalotte, die mit einer Trennfrequenz von 3.000 Hertz arbeiten. Allerdings sitzt nicht jedes Chassis für sich in der soliden Schallwand. Sie teilen sich einen Ausschnitt. Was soll das denn? Durch das physische Aneinanderrücken der Chassis verbessert sich die räumliche Abbildungsfähigkeit. Damit die Schallwand trotz des großen Ausschnitts luftdicht verpackt bleibt, fertig Dali eine Gummidichtung, die dafür sorgt, dass beide Chassis extrem fest in der Front verankert sind. Bei der Demontage kann man sich davon leicht überzeugen.
Auf der Rückseite ist ein solides Single-Wiring-Anschlussterminal untergebracht, sowie die mit Gummistopfen versiegelten Gewinde für die Wandhalterung. Aber wo ist die Bassreflexöffnung? Dazu muss man die Rückseite des Lautsprechers nach hinten kippen. Die Öffnung sitzt schräg nach oben montiert im Anschlussfeld. Dass Dänen Ästheten sind, muss wohl nicht mehr erwähnt werden. Der Lautsprecher ist handwerklich betrachtet wirklich sehr gut gemacht.
Der Wirkungsgrad liegt mit 86 Dezibel (1 Watt/1 Meter) nicht wirklich hoch. In der Praxis bedeutet dieser Wert, dass die Dali von einem potenten Verstärker angesteuert werden sollte, der mindestens 60 Watt pro Kanal stabil liefert. Der maximale Schalldruck von 105 dB disqualifiziert die Dali Mentor Menuet zudem für den Einsatz als Partylautsprecher, aber dafür wäre sie auch viel zu schade.
Natürlich kann die kompakte Dali einfach an einen Verstärker angeschlossen werden und spielt dann Musik. Allerdings wird damit sicher Klangpotential verschenkt. Sie ist im besten Sinne empfindlich und wächst mit der Qualität der vorgeschalteten Elektronik. Im Hörraum stammten ihre Lieblingspartner aus den Häusern Audionet und Marantz. Steckt nur ein Netzstecker potentialverkehrt in der Leiste, signalisiert die Menuet, dass etwas nicht stimmt. So gehört es sich für einen kleinen High-End-Monitor. Deshalb sprechen wir die deutliche Empfehlung aus, dass Interessenten sich diesen Lautsprecher mit mindestens zwei unterschiedlichen Elektronik-Konstellationen anhören sollten. Der Unterschied ist überraschend.
Auf Ständern von Audio Magic platziert, absolvierte die Dali einen Marathon-Hörtest. Los ging´s mit Schiller und »I´ve Seen It All«. In der Eingangssequenz rauscht Wasser und es gibt Geräusche eines elektronisch erzeugten Vogels. Allerdings hört man das nur, wenn man entweder weiß, dass diese Töne vorhanden sind, oder aber, weil der Lautsprecher sie abbildet. Die Dali macht das mit bestechender Präzision. Auch räumlich löst sie das Geschehen viel größer auf, als ihre Abmessungen es vermuten ließen. Im Tieftonbereich macht sie alles korrekt, zumindest so weit ihre Baugröße es zulässt. Wer hier etwas vermisst, sollte über den Einsatz eines hochwertigen Subwoofers nachdenken. Audiophilen wird aber reichen, in welcher tonalen Qualität die Stimme zwischen den Lautsprechern abgebildet wird – eindrucksvoll in dieser Preisklasse.
Auch die ersten Sekunden von »Love« komponiert von Air untermauern den Eindruck von weit über dem Durchschnitt liegender Präzision. Alle Bestandteile des Titels werden gleichberechtigt wiedergegeben. Es gibt nichts im Klangbild, was herausstechen und damit eines Kommentars bedürfen würde. Einzig die Qualität in der sich vom Lautsprecher lösenden Musik darf nicht unerwähnt bleiben. Es ist kaum möglich mit geschlossenen Augen noch zu ahnen, wo die Lautsprecher stehen. Denn auch die Stereo-Basis geht über den physischen Abstand der Lautsprecher hinaus.
Dass sie wirklich im Dienste hochwertiger Musikwiedergabe unterwegs ist, wir spätestens mit dem fantastischen Stück »Soul Cake« von Sting klar. Wunderbar wie sie Stimmen, Bläser und perkussive Elemente darstellt. Obwohl in den ersten Sekunden manchmal der Eindruck entsteht, dass im Klangbild etwas fehlt, stellt sich schnell heraus, dass das, was vermisst wird, eigentlich Anteile sind, die anders abgestimmte Lautsprecher einfach draufsatteln. Die Mentor Menuet macht, was ihr der Verstärker sagt, nicht weniger und nicht mehr. Auf einen Nenner gebracht spielt sie ausgewogen und neutral.
Dass Neutralität nicht das Synonym für Langeweile ist, zeigen die Menuet mit dem neuen Norah-Jones-Album »The Fall« eindrucksvoll. Selbst bei höheren Pegeln des Titels »Chasing Pirates« geht die neutrale Linie nicht verloren. Der Rhythmus packt den Hörer im beabsichtigen Maße, aber es nicht der Pegel, der dafür sorgt, sondern das exzellente Niveau der Wiedergabe. Auf anderen Lautsprechern ist die Zweitstimme kaum zu hören, bei der Dali ist sie einfach da. Auch bei Nora Jones weiß sie mit der Geschlossenheit des Klangbilds zu überzeugen.
Sogar mit dem Klavierspiel von Martin Stadtfeld geht die kleine Dänin verantwortungsvoll um. Auch wenn nicht die gesamte Energie des Flügels übertragen wird, steht fest, dass das, was die Menuet wiedergibt, korrekt ist. Jeder noch so feine Anschlag ist hörbar, da geht kein Detail verloren. Hier wirkt auf Hörer eher beruhigend, dass sie nicht den »Sound« irgendeines Lautsprechers hören, sondern einfach nur Musik.
Die Mentor Menuet wird ganz sicher nicht »Everybodys Darling«, aber wer einen Sinn für hochwertige, neutrale Wiedergabe hat, sollte sich dieses kleine Lautpsprecher-Kunstwerk zu Gemüte führen. Für i-fidelity.net wird die kompakte Dali weitere Dienste als Arbeitsgerät der Redaktion leisten, denn wenn man gerade dabei sein sollte, sich in eine wunderbar verfärbende Komponenten zu verlieben, wird sie für den im Sinne des audiophilen Gedankens richtigen Maßstab sorgen.
i-fidelity.net: Ist ein Lautsprecher wie die Dali Mentor Menuet ob ihrer Baugröße noch zeitgemäß?
Hagemann: Danke für diese provokative Frage! In der Tat scheint sich der Markt im Einsteigerbereich dahingehend zu entwickeln, dass für möglichst geringe Kosten ein großer Standlautsprecher verlangt wird. Für dieses Segment sind bei Dali die Modelle der Lektor-Reihe vorgesehen. Unser Chefentwickler Lars Worre ist aber der festen Überzeugung, dass es immer noch Kunden gibt, die sich für ihre gut klingender Elektronik einen ehrlichen, einen audiophilen und bezahlbaren Lautsprecher gönnen wollen. Genau deshalb ist die Mentor Menuet entstanden: sie beeindruckt nicht durch Ihre Abmessungen, sondern mit der Fähigkeit, Musik neutral wiederzugeben.
i-fidelity.net: Glauben Sie, dass der Fachhandel dieser Argumentation folgen wird? Immerhin ist es aufwendiger einen Lautsprecher wie die Menuet korrekt vorzuführen.
Hagemann: Allen Unkenrufen zum Trotz kann ich Ihnen sagen, dass es eben diese klangkompetenten Händler immer noch gibt. Unbestreitbar ist natürlich, dass es sich dabei um eine Minderheit handelt. Dank moderner, schneller Kommunikationsmöglichkeiten können wir Interessenten sicher einer fähigen Händler in der Umgebung nennen, der in der Lage und Willens ist, einen Schallwandler wie die Menuet vorzuführen. Um das hohe Niveau dieser »kleinen Biester« zu erfassen, sollte man allerdings ein wenig Zeit investieren, eigene CDs mitbringen und sich bei der Meinungsbildung nicht stören lassen. Ein Händler, der registriert, dass er mit dem Verkauf eines solchen Lautsprechers für nachhaltige Zufriedenheit beim Kunden sorgt, wird dieses Produkt mit wachsendem Elan vorführen und verkaufen.
i-fidelity.net: Was erwarten Sie für das nächste Geschäftsjahr?
Hagemann: Dali ist ein Global-Player, der in allen Bereichen des Lautsprecherbaus aktiv ist. Wir werden in den nächsten Monaten die ein oder andere spannende Neuheit aus dem Hut zaubern. Davon verspreche ich mir insbesondere für den deutschen Markt weiteres Wachstum. Ansonsten gehe ich aufgrund der Sortimentsbreite davon aus, dass wir ein ähnlich gutes Ergebnis wie in diesem Jahr erzielen werden. Immerhin entwickelt sich die Nachfragesituation derart, dass wir konkret über die Einstellung weiterer Mitarbeiter sprechen. Da darf ich vielleicht zu anmerken, dass das in dieser Zeit und in diesem Markt ein echter Erfolg ist.
i-fidelity.net: Haben Sie eigentlich einen persönlichen Bezug zur Musik?
Hagemann: Ja, den habe ich. Vor meiner Tätigkeit für Dali habe ich für den Piano-Hersteller Bechstein gearbeitet. Sie können sich vorstellen, dass der Bezug zur Musik da noch direkter war. Seit dieser Zeit verzichte ich darauf, mich nebenbei von Musik berieseln zu lassen. Wenn ich einen Titel oder Album anhören möchte, konzentriere ich mich voll und ganz auf das Erlebnis. Das bedeutet, Computer, Handy und Telefon sind ausgeschaltet. Unter diesen Voraussetzungen kann Musik über eine hochwertige Anlage gehört zum eindrucksvollen Erlebnis werden. Leicht kann ich mich der wunderbaren Aussage anschließen, dass ein Leben ohne Musik ein Irrtum wäre, zumindest in diesem Punkt schließe ich mich Friedrich Nietzsche an.
i-fidelity.net: Was wünschen Sie sich beruflich für 2010?
Hagemann: Ich würde mir von dem ein oder anderen Gesprächspartner wünschen, dass er sich ein Stück weit konzentrierter mit der Marke Dali auseinandersetzt. Statt oberflächlicher Phrasendrescherei ist es vielleicht an der Zeit, sich konkreter und verbindlicher zu unterhalten. Wenn Sie so wollen, wünsche ich mit einfach ein Stück mehr professionellen Umgang im Miteinander.
Auch im i-fidelity.net-Labor gibt sich die zierliche Mentor Menuet keine Blöße. Der Raumfrequenzgang ist ausgewogen. Der leichte Abfall im Tieftonbereich ist der Gehäusegröße geschuldet. Unter allen Umständen sollte der Dali-Empfehlung Folge geleistet werden, nach der der Lautsprecher nicht eingewinkelt werden darf. Obwohl dieser Schallwandler so zierlich wirkt, benötigt er einen stromlieferfähigen Verstärker. Alle anderen Messungen zeigen, dass die Mentor Menuet ein sauber konstruierter Lautsprecher ist.
Dali GmbH
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Die Mentor Menuet ist ein Lautsprecher-Highlight. Preiswerter kann ein »Guter Start« in hochwertige Musikwiedergabe kaum realisiert werden. Wird sie freistehend auf Ständern rund 30 Zentimeter vor der Wand platziert, entfaltet sie ihr volles Klangvermögen. Voraussetzung dafür ist allerdings die passende Elektronik. Arcam, Marantz, Denon und Pioneer können in diesem Zusammenhang hervorragende Lösungen anbieten. Mit ein wenig handwerklichem Geschick beim Aufbau kann so ein Maß an Klangqualität realisiert werden, dass auch zum Teil deutlich teurere Lautsprecher nicht erreichen können. Die Mentor Menuet bekommt das Prädikat »Preistipp« deshalb mit voller Berechtigung. Zudem ist sie ob ihrer starken musikalischen Vorstellung ab sofort Arbeitsgerät der Redaktion. Klasse gemacht, liebe Dänen! Olaf Sturm
| Dali Mentor Menuet |
| Preis: 958 Euro/Paar |
| Garantie: 5 Jahre |