Kann man eine KEF LS50 tatsächlich noch besser machen? Der englische Lautsprecherexperte ist angetreten, um mit der neuen Meta-Ausführung des Schallwandlers dessen Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.

England ist auch im Herbst eine Reise wert. Zumindest in »normalen« Zeiten und unter der Voraussetzung, dass man mit wenig Sonnenschein und hoher Luftfeuchtigkeit zurechtkommt. Alternativ empfiehlt sich der Aufenthalt in der Entwicklungsschmiede von KEF in Maidstone, wo Chefentwickler Dr. Jack Oclee-Brown sein Reich hat. Bei einem Besuch vor einigen Jahren stand er dort neben dem Prototypen des Referenz-Lautsprechers Blade und sprach über das Thema Punktschallquelle, denn seit Jahrzehnten setzt das Unternehmen auf das sogenannte Uni-Q-Chassis. Bei diesem sitzt der Hochtöner im Zentrum des Mitteltöners. Diese »punktförmige« Anordnung führt zum einen zu einer verbesserten Abstrahlung des Schalls und zum anderen zu einer faszinierenden räumlichen Abbildung. Die Blade verfügt über vier Bass-Chassis, und deren Anordnung ist so gewählt, dass man eine nahezu punktförmige Schallquelle bei einem Standlautsprecher erzielt. Klanglich gehört die Blade übrigens bis heute in die oberste Liga.

KEF hat in den 60er-Jahren Monitore für die BBC gefertigt. Im Haus gibt es folglich einen großen Erfahrungsschatz mit kompakten, präzise und neutral aufspielenden Schallwandlern. Wessen Idee es auch immer gewesen sein mag, zum 50. Geburtstag mit der LS50 ein Jubiläumsmodell dieser Monitore auf den Markt zu bringen – der Dank vieler anspruchsvoller Musikhörer dafür hält bis heute ungebrochen an. Das liegt unter anderem an den kompakten Abmessungen, die eine Platzierung auf dem Regal, einem Sideboard oder frei im Raum auf Stativen ermöglicht. Dem wunderbaren Design, das nicht nur ästhetischen, sondern vor allem auch den technischen Ansprüchen genügt, ist in den Jahren nichts von seiner Modernität abhanden gekommen. Und zu guter Letzt ist es die fantastische Klangqualität, die im Kontext des ebensolchen Preis-Leistungsverhältnisses steht. Warum sollte an diesem Zustand jemand etwas ändern wollen?

Auf der High End 2012 im Münchner MOC avancierte die KEF LS50 zu einem echten Highlight, dem acht Jahre erfolgreiche Marktpräsenz folgten.

Der Anruf erreichte mich während einer Autofahrt. Über die Freisprecheinrichtung hörte ich dem GP-Acoustics-Produktmanager Frank Eschholz mit einer Mischung aus Staunen und Entsetzen zu: »Es wird die KEF LS50 nicht mehr geben.« Bevor ich gänzlich die Fassung verlor, fügte er allerdings schnell hinzu: »Das neue Modell heißt jetzt LS50 Meta.« Der Zusatz in der Typenbezeichnung ist mir geläufig im Zusammenhang mit »Meta-Physik«. Dass ein Technologieunternehmen wie KEF in den esoterischen Bereich einsteigt, ist aber wohl ausgeschlossen, und so verheißt bereits der erste Blick auf das neue »Meta«-Modell Spannung. Denn hinter dem Begriff »Meta« verbirgt sich die sogenannte Metamaterial-Absorptionstechnologie, kurz MAT, eine gemeinschaftliche Entwicklung der Teams von KEF und der Acoustic Metamaterials Group. Dabei handelt es sich um ein synthetisches Material, das in der Lage ist, Schall zu schlucken. Wofür braucht man das in einem Lautsprecher?

Auf den ersten Blick scheint der Rücken der Meta dem der ursprünglichen LS50 zu entsprechen. Auf den zweiten Blick stellt man jedoch fest, dass die Rückwand der Meta-Version leicht gewölbt ist und die Bassreflexöffnung nahezu plan mit dem Gehäuse abschließt, was Turbulenzen vermeiden soll. Zur Entkopplung der Anschlüsse verwendet KEF jetzt ein weiches Gummi.

Um Schall zu erzeugen, muss eine Fläche in Bewegung versetzt werden. In einem Lautsprecher wird dafür eine Membran verwendet. Je tiefer die abgestrahlte Frequenz ist, desto größer wird der Durchmesser. Man muss sich allerdings klar machen, dass die Schallwellen nicht nur nach vorne in Richtung des Hörers, sondern auch in gleicher Intensität in das Innere des Gehäuses abgestrahlt werden. Für den Tiefmitteltöner, der Bestandteil des Bassreflex-Prinzips ist, wirkt sich das nicht dramatisch aus. Aber beim Hochtöner sieht das anders aus. In der neuen Ausführung strahlt er seine rückwärtigen Schallanteile direkt auf das Meta-Absorptionsmaterial. Gegenüber Standarddämpfungen, welche die KEF-Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit 60 Prozent angibt, soll MAT nun über seine Labyrinth-Struktur 99 Prozent des Schalls absorbieren. KEF ist der erste Hersteller, der dieses neuartige Material zum Einsatz bringt.

Das Uni-Q-Chassis, das auch in der neuen LS50 zum Einsatz kommt, fertigen die Briten inzwischen in der 12. Generation. Überarbeitet wurden nun die Form der 13-Zentimeter-Aluminium-Membran und der Sicke, was in Verbindung mit dem neuen, stärkeren Magnetantrieb die Impulsgenauigkeit erhöhen soll. Im Zentrum des Tiefmitteltöners sitzt nach wie vor die 25-Millimeter-Aluminium-Kalotte. In der Meta-Version liegt die Übergangsfrequenz mit jetzt 2,1 Kilohertz um 110 Hertz niedriger als in der ursprünglichen Ausführung. Im Inneren befindet sich eine starre Querverstrebung, die das ohnehin sehr steife Gehäuse zusätzlich beruhigen soll. Auch die Position und die Form der Ausgangsöffnung des Bassreflex-Ports hat KEF geändert, ein Ergebnis aus Software-Simulation und Hörtests, wie i-fidelity.net erfahren hat. Im Labor zeigte sich die LS50 Meta auch von ihrer Schokoladenseite. Bei einer Einwinkelung von 15° verläuft der Frequenzgang mit ±1,5 dB, was ihr die Labor-Note »sehr gut« einbringt. Für eine freie Aufstellung bietet KEF den S2-Ständer an. Natürlich lassen sich die LS50 Meta auch auf vorhandenen Regalen oder Sideboards aufstellen, aber für klangliche Höchstleistungen sind die Stative Voraussetzung. Mit einer Verschraubung werden die Lautsprecher vor einem Absturz gesichert.

Klangvolles Duell

Im i-fidelity.net-Hörraum kam es dann zu einem denkwürdigen Aufeinandertreffen von LS50 und LS50 Meta. Denn bei aller Theorie bleiben die Hörtests das Maß der Dinge. Mit dem Canor Vollverstärker AI 2.10 fühlten sich beide Lautsprecher auf Anhieb wohl. Ich gebe zu, dass ich davon ausgegangen bin, dass die Meta-Version kurzen Prozess mit ihrer Vorgängerin macht. Das stimmt so nicht ganz, denn die LS50 sind nach wie vor exzellente Lautsprecher. Von Sara K. gibt es tatsächlich einen Song mit dem schönen Titel »Aura Of The Blade« – wie passend. Denn die LS50 spielt diesen Titel präzise, klar und mit einem Höchstmaß an Offenheit, da gibt es nichts zu kritisieren. Bis zu dem Augenblick, in dem die Meta das Stück mit deutlicherem Fokus und mehr Substanz im Tiefmitteltonbereich anbietet. Allerdings wirkt sie dabei zunächst auch zurückhaltender. Es dauert eine Zeit, bis mir klar wird, woran das liegt.

Ganz links befindet sich der »Tangerine Waveguide«, das ist eine akustische Linse, die vor dem Aluminumhochtöner montiert ist. Er soll Verfärbungen reduzieren und den Abstrahlwinkel vergrößern. Der Uni-Q-Treiber ist in seiner zwölften Generation ein filigran-technisches Meisterwerk.
Zu den vier attraktiven Farbausführungen Carbon schwarz, Titanium grau, Weiß und Königsblau der LS50 Meta gibt es die farblich passenden Standfüße KEF S2.

Die Harfenistin Ulla van Daelen löst das Rätsel. Auch hier geht die LS50 luftig und schnell zu Werke, die Saiten der Harfe passen in der Klangfarbe, und der räumliche Abbildungsgrad wird auch von manch deutlich teureren Lautsprechern nicht erreicht. Dann betritt die Meta die Bühne: Sie spielt fokussierter, wirkt akustisch ein Stück erwachsener, bei geschlossenen Augen könnte dort auch ein wesentlich größerer Lautsprecher spielen. Zudem liefert sie auch hier ein besser wahrnehmbares Fundament. Der klangliche Unterschied kommt dadurch zustande, dass die Meta insbesondere im Hochton offensichtlich nur das reproduziert, was dem Signal entspricht. Sie fügt nichts mehr hinzu, und das wirkt nur im ersten Moment irritierend, weil es leiser zu sein scheint.

Eindrucksvolles Statement

Gewöhnt man sich an die Klangqualität der LS50 Meta mit ihren klaren Konturen, dann wird der Unterschied auch zu anderen Lautsprechern immer deutlicher. Würde man von Wasser sprechen, hätte die Meta einen sehr hohen Reinheitsgehalt vorzuweisen. Das gilt sogar noch, wenn Pegel und musikalische Kost dem Lautsprecher eine Menge abverlangen. So setzt die Live-Version von Madonnas »Vogue« eine ordentliche Bass-Performance voraus. Da lässt die neue Meta nichts mehr anbrennen. Fehlerfrei pulst der Beat, Madonnas Stimme lässt die Anstrengung, beim Singen auch noch tanzen zu müssen, erahnen. Dass die Aufnahme aus einem Stadion stammt, zeigt auch die LS50, aber sie ist in den unteren Oktaven diffuser unterwegs, die Energie verteilt sich nicht mehr auf nur einen Punkt, sondern auf eine Fläche. Das wirkt weniger spannend, weniger emotional.

Das überragende Niveau der LS50 Meta spiegelt sich auch in einer weiteren Eigenschaft wider: Sie bringt klangliche Unterschiede von Lautsprecherkabeln, Elektronik und sogar Tonträgern in aller Deutlichkeit zu Gehör. Wenn die SWR Big Band Paul Carrack bei »Love Will Keep Us Alive« unterstützt, dann umgarnen Flöten, Bläser und schließlich die Streicher den Hörer. Carrack selbst gibt sein beeindruckendes Stelldichein exakt zwischen den Lautsprechern. Diese Mischung aus strahlenden Klangfarben, groovendem Bass und der passenden Abbildungsgröße ist großartig. Hohe Ansprüche zu befriedigen, setzt oftmals eine hohe Investition voraus. Mit der neuen KEF LS50 Meta ist diese Aussage hinfällig, denn diese Kompaktmonitore ermöglichen ein intensives, lebendiges Klangerleben – und das in Relation unfassbar günstig.

Das Metamaterial absorbiert nur den rückwärtig abgestrahlten Schall des Hochtöners. Die Schallanteile werden über eine große Öffnung in der Mitte des Uni-Q von der Membran bis zur Rückseite des Treibers geleitet, wo sich das Metamaterial befindet. Seine labyrinthartige Struktur soll die Schallwellen nahezu vollständig absorbieren. Auf den Tiefmitteltöner der LS50 Meta wirkt es nicht.

Lautsprecher KEF LS50 Meta

Impedanzminimum:   3,5 Ohm @ 232 Hz

Nennimpedanz (± 20% Toleranz):   4 Ohm

Empfindlichkeit:   85 dB (2,83 V / 1m; 500-5.000 Hz)

Die Versteifungen im Inneren des Gehäuses minimieren die Resonanzen. Ihre exakte Platzierung und die Wandstärke sind Resultat aufwändiger Software-Simulationen.

Hersteller:   KEF, Maidstone

Vertrieb:   GP Acoustics, Essen

Modell:   LS50 Meta

Kategorie:   Kompakt-Lautsprecher

Paarpreis:   1.198 Euro

Garantie:   5 Jahre

Konstruktion:   Zwei-Wege-Bassreflex

Bestückung:   Uni-Q-Chassis, 12. Generation, 25-Millimeter-Aluminumhochtöner mit Meta-Kopplung, 13-Zentimeter-Aluminium-Chassis

Übergangsfrequenz:   2.100 Hertz

Ausführungen:   Carbon schwarz, Titanium grau, Weiß und Königsblau

Abmessungen (B x H x T):   20 x 30 x 28 cm

Gewicht:   7,8 kg

GP Acoustics GmbH
Kruppstr. 82 – 100
45145 Essen

Internet:   https://de.kef.com/
E-Mail:   info.de@kef.com

Facebook:   https://www.facebook.com/KEFDeutschland

Telefon:   0201 / 1 70 39 - 0
Telefax:   0201 / 1 70 39 - 100

Die neue KEF LS50 Meta ist pures High End – bis auf den Preis. Für die überragende Performance ist die freie Aufstellung und der Einsatz der S2-Standfüße nachhaltig empfohlen. Verarbeitung, Design und Technik verschmelzen mit der klanglichen Qualität zu einem perfekten Paket. Mit der LS50 Meta Musik nebenbei zu hören, ist kaum möglich. Ihre vitalen, plastischen und räumlichen Wiedergabeeigenschaften ziehen die Konzentration des Hörers unmittelbar auf sich und sorgen dafür, dass die Glückshormone tanzen. Darüber hinaus ist die KEF LS50 Meta eine qualifizierte Botschafterin für High End, und nicht zuletzt deshalb ist sie neue i-fidelity.net-Referenz.   Olaf Sturm

KEF LS50 Meta
Paarpreis: 1.199 Euro
Garantie: 5 Jahre
KEF S2 Standfuß
Paarpreis: 450 Euro
Garantie: 5 Jahre
überragend
sehr gut
sehr gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Lautsprecher:
KEF LS50 Meta
Autor:
Olaf Sturm
Datum:
28.10.2020
Hersteller:
KEF