Musik über Computer zu streamen, erfreut seit langem wachsender Beliebtheit. Dass dies nicht automatisch mit dem Verlust klanglicher Ansprüche einhergehen muss, zeigt die Kombination aus Meridian Prime Kopfhörerverstärker mit MQA-Dekoder-Funktion und dem passenden Netzteil Prime Power Supply.

Wer aus der Not eine Tugend macht, erlebt häufig positive Überraschungen. So erging es mir beim Blick auf meinen Computer, als ich in einer Arbeitspause Musik vom Streamingdienst Tidal abrufen wollte – woran Sie bereits ablesen können, dass Streaming nicht meine primäre Quelle beim Musikhören ist. Aber der Deutschlandfunk hatte über das neue Album »Debussy-Rameau« von Víkingur Ólafsson berichtet, und darauf war ich neugierig. Das Album gibt es bei Tidal sowohl in einer MQA-Kodierung als auch in der Standardausführung. Da mein Kopfhörerverstärker das von Meridian entwickelte MQA-Verfahren aber nicht verarbeiten kann, machte ich mich auf die Suche nach einer passenden Dekodiermöglichkeit und wurde beim Erfinder des Formats gleich doppelt fündig, denn mit dem Prime Headphone Amplifier gibt es einen Kopfhörer- und Vorverstärker, der MQA dekodieren kann. Für dessen klanglich optimierten Betrieb ist zudem noch ein externes Netzteil namens Prime Power erhältlich. Damit ist theoretisch gegenüber einem Standard-Kopfhörerverstärker in puncto Klang eine zweistufige Steigerungsmöglichkeit mit MQA und stabilisierter Spannung gegeben.

Meridians Kopfhörerverstärker Prime verfügt auf seiner Rückseite über zwei analoge Eingänge, einer davon ist als Cinch ausgeführt, der andere ist ein 3,5-Millimeter-Klinke-Eingang. Anders als bei vielen DACs gibt es für den Anschluss des Computers keine USB-Buchse, sondern nur einen Mini-USB-Anschluss. Ein passendes Kabel mit vergoldeten Steckern liegt bei, aber wer eine andere Länge oder eine andere Qualitätsstufe wünscht, muss eine zusätzliche Anschaffung tätigen. Über das externe Steckernetzteil wird der Prime mit 12 Volt Gleichstrom versorgt. Auf seiner Front finden sich drei parallel nutzbare Kopfhöreranschlüsse: Neben zwei 6,3-Millimeter-Ausführungen gibt es auch eine 3,5-Millimeter-Version. Über weiße LEDs zeigt der Prime die Over-Samplingfrequenz an (einfach, doppelt oder vierfach). Per sehr kleinem Kugeltaster kann zwischen den beiden analogen und dem digitalen Eingang umgeschaltet werden.

Ein erster großer Unterschied zu gewöhnlichen Kopfhörerverstärkern ist die »Analogue Spatial Processing«-Funktion. Die Abmischungen in den Studios werden fast ausnahmslos für eine spätere Wiedergabe über Lautsprecher konzipiert. Ist tatsächlich einmal beabsichtigt, dass der primäre Abspielvorgang über Kopfhörer erfolgen soll, dann tragen die Aufnahmen den Zusatz »For Headphones«, so wie es bei einigen der »Studio Konzert«-Abmischungen der Bauer Studios oder im Falle von Kraftwerk sogar als »Headphone-Surround« der Fall ist. Beim Meridian Prime kann per DSP-Steuerung in zwei Schritten der Eindruck, mit Lautsprechern zu hören, generiert werden. Die beiden Stufen unterscheiden sich dabei nur durch den größer werdenden Winkel der virtuellen Schallwandler. Hat man sich klanglich an diese scheinbar außerhalb des Kopfes stattfindende Wiedergabe – der Eindruck entsteht durch anteiliges Überlagern der beiden Kanäle – gewöhnt, bieten andere Kopfhörerverstärker das Klanggeschehen im Vergleich dazu mit signifikant reduziertem inneren Zusammenhalt an. Die »Analogue Spatial Processing«-Funktion des Meridian ist folglich kein technischer Gag, sondern zum entspannten Hören äußerst geeignet.

Der Prime kann darüber hinaus als Vorverstärker genutzt werden, um beispielsweise Aktivlautsprecher anzusteuern. Um in den Genuss der reinen Kopfhörerwiedergabe zu kommen, reicht ein längerer Druck auf den Ein- und Ausschalter: Der wechselt die Farbe dann von »Weiß« auf »Grün« und signalisiert damit den stillgelegten Pre-Out. Über den zapfenförmigen Lautstärkeregler kann der Pegel per Alps-Potentiometer sorgsam eingestellt werden.

So schön die Liste der Ausstattung auch ist, liegt Meridians eigentliche Kompetenz doch in der für den Klang relevanten Technik und auch Mechanik. Hier legen die Briten mit ein paar feinen Kniffen die Basis: Was bisher den ausgewachsenen High-End-Komponenten von Meridian zugute kam, kommt jetzt auch im Prime zur Anwendung. So besteht sein Gehäuse aus einer doppelwandigen Metallkonstruktion, die damit zum einen unempfindlicher gegenüber Mikrophonie und zum anderen sicherer gegen Störeinflüsse von außen ist. Meridian verwendet zudem Digitalfilter, die der Musik mehr Leben einhauchen sollen. Der eingebaute D/A-Wandler versteht sich mit Samplingfrequenzen  bis 192 Kilohertz und 24 Bit. Doch der eigentliche Grund für das Stelldichein des Prime im Hörraum war seine Fähigkeit, MQA zu dekodieren. Primär geht es i-fidelity.net dabei um den Streamingservice Tidal, der viele Alben sowohl in der MQA- als auch in der Standardversion anbietet.

Für und Wider bei MQA

Viele Audiophile machen einen konsequenten Bogen um MQA, denn das Kodierungsverfahren ist nach Meinung der Skeptiker mit Verlusten behaftet. Die Seite der Befürworter wird angeführt von MQA-Miterfinder Bob Stuart, der sagt, dass sich die Verluste nur auf Rauschen beschränken, was ohnehin niemand hören möchte. Was bedeutet nun MQA? Nachdem eine Aufnahme im Studio abgeschlossen ist, wird die Datei mit Hilfe des »Master Quality Authenticated«-Verfahrens komprimiert, Meridian spricht hier von »gefaltet«. High-Resolution-Aufnahmen nehmen dann nur den Speicherplatz in Anspruch, den auch eine CD benötigt, die ja bekanntlich mit 44,1 Kilohertz / 16 Bit auskommt. Die verringerte Dateigröße macht die Highres-Aufnahmen damit fürs  Streaming interessant, auch wenn das bei den heutigen Bandbreiten nicht mehr so richtig ins Gewicht fällt.

Bei der Wiedergabe gibt es nun drei Möglichkeiten. Kann das Abspielgerät nichts mit MQA anfangen, wird die Datei in CD-Qualität abgespielt. Ein Zwischenschritt besteht in der Verwendung eines »Renderers« wie beispielsweise des Audioquest-DACs Dragonfly, der das Signal wieder vollständig herstellen, aber nicht authentifizieren kann. Dazu ist ein MQA-Dekoder wie der Meridian Prime notwendig. Mit Hilfe seiner grün leuchtenden LED zeigt der dann bei entsprechendem Quellmaterial an, dass die Original-Datei wieder hergestellt ist. Leuchtet die Anzeige sogar blau, haben Künstler und/oder Produzent die Aufnahme in der dann hörbaren Qualität freigegeben. Aber lohnt sich das?

Wir überprüfen das mit Hilfe der Titel »Die Roboter« von Kraftwerk (44,1 Kilohertz / 24 Bit), freigegeben mit blau leuchtender Zertifizierung, und »Call Me« von Imelda May (96 Kilohertz / 24 Bit) mit grüner MQA-Bestätigung, beide streamen wir über Tidal und mit Audirvana+. Es bedarf keiner großen Anstrengung zu hören, dass Gitarrensaiten und Schlagzeugbecken in der MQA-Version viel plastischer zur Geltung kommen, zudem wirken sie wie von einem Schleier befreit – die Wiedergabe ist klarer als bei der nicht kodierten Ausführung. Eigentlicher Clou ist aber die jetzt in viel hellerem Licht und in größerem Raum erklingende Stimme, mit diesem Mehr an Informationen überrascht die MQA-Ausführung ordentlich. Nicht weniger eindrucksvoll bewegen sich die MQA-zertifizierten Roboter von Kraftwerk, die mit stärkerer und gleichzeitig kontrollierterer Energie zu Werke gehen. Um diesen klanglichen Vergleich zu machen, reicht bereits ein normaler Kopfhörer von Sennheiser oder wie in unserem Fall von Beyerdynamic.

Aber wir sind klanglich noch nicht am Ende, denn es wartet ja noch das Prime Power Supply auf seinen Einsatz. Es verfügt über einen USB-B-Eingang und einen USB-Ausgang, wodurch sich die Prime-Kombi dann auch mit diversen hochwertigen USB-A-USB-B-Verbindungen betreiben lässt. Das Signal wird aber nur durchgeschleift. An insgesamt fünf Ausgängen stehen dann stabile und von Hochfrequenz befreite 12 Volt Gleichstrom zur Verfügung. Natürlich kommt auch hier das doppelwandige Gehäuse zum Einsatz, weshalb das Netzteil auch unter dem Kopfhörerverstärker positioniert werden kann. Schon nach wenigen Vergleichen stellen wir uns die Frage, weshalb der Prime-Kopfhörer-Pre überhaupt ohne sein externes Netzteil verkauft wird?

Politik der zwei Schritte

Die Entscheidung, beide Komponenten separat anzubieten, liegt natürlich im Preis begründet. Außerdem übertrifft der Prime-Verstärker bereits solo die klanglichen Erwartungen, die die meisten Kopfhörer-Nutzer an einen Kopfhörerverstärker stellen. Aber für i-fidelity.net ist dieses Meridian-Paket tatsächlich erst in Verbindung mit dem Netzteil vollständig rund. Denn dann gewinnt das Klangbild spürbar an Kraft und Fundament, vorher zwar vorhandene Dynamiksprünge bekommen erst jetzt ihre musikalisch bedingte Durchschlagskraft. Was über Kopfhörer bereits gut hörbar wird, bestätigen angeschlossene Aktivlautsprecher ein weiteres Mal. Geht man wieder zurück auf den Prime mit seinem Steckernetzteil, dann wirkt das exakt so, als würde man am Fernseher die Farbe herausdrehen. Natürlich erkennt man die Klangfarben noch, aber die gewünschte, weil natürliche Intensität ist flötengegangen. Unsere klare Empfehlung lautet daher, dass man den Meridian Prime-Kopfhörerverstärker nicht ohne Prime Power betreiben sollte.

Eine letzte ordentliche Klangsteigerung bietet der Einsatz eines für diesen Anwendungszweck gedachten USB-Kabels, da gehören die Verbindungen von QED und Nordost für i-fidelity.net zur ersten Wahl. Nordosts Tyr2 machte das Rennen, und damit war das Set-up endlich komplett: MacBook Air, Tidal Streaming über Audirvana+, Nordost-USB-Kabel, Prime Kopfhörerverstärker, Prime Netzteil und schließlich der Beyerdynamic DT1770 Pro. Wenn dann das dritte und aktuelle Album »Chilombo« von Jhené Aiko in der MQA-Version gestreamt erklingt, ist spätestens bei »Define Me« klar, dass Musikgenuss auch im Streamingbereich möglich ist: Kristallklar erklingt die Stimme, Echo-Sequenzen laufen lange und stabil, das gesamte Klangbild ist von Stabilität, Kontrast und Feinheiten dominiert.

Hersteller:   Meridian, England

Vertrieb:   Audio Reference, Hamburg

Modell:   Prime Headphone Amplifier

Kategorie:   Kopfhörerverstärker mit MQA-Dekoder

Preis:   1.200 Euro

Garantie:   3 Jahre (Registrierung erforderlich)

Eingänge

  • 1 x Cinch
  • 1 x 3,5-Millimeter-Klinke
  • 1 x Micro-USB


Ausgänge

  • 1 x Cinch (Vorverstärker, abschaltbar)
  • 2 x 6,3-Millimeter-Klinke
  • 1 x 3,5-Millimter-Klinke


Abmessungen (B x H x T):   16 x 5 x 15 Zentimeter

Gewicht:   1 kg



Hersteller:   Meridian, England

Vertrieb:   Audio Reference, Hamburg

Modell:   Prime Power Supply

Kategorie:   Externes Netzteil

Preis:   800 Euro

Garantie:   3 Jahre (Registrierung erforderlich)

Eingänge

  • 1 x Netzanschluss C5 »Kleeblatt«
  • 1 x USB-B



Ausgänge

  • 5 x Dreipoliger Mini-DIN 12 Volt Gleichstrom
  • USB-A


Abmessungen (B x H x T): 
  16 x 5 x 15 Zentimeter

Gewicht:   1,7 kg

Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg

Tel. 040/53320359

www.audio-reference.de

Audio Reference auf Facebook.

Bereits der Prime Headphone Amplifier von Meridian liefert als Dekoder für MQA-kodierte Streaming-Files ein gutes Klangbild. In Verbindung mit dem externen Prime Power Supply gewinnt die Wiedergabe allerdings in höchstem Maße an Souveränität. Daraus resultiert die Empfehlung, entweder gleich die Kombination zu erwerben oder sich in zwei Schritten dem klanglichen Hochgenuss zu nähern und das Netzteil eben nachzurüsten, was schonender für den Geldbeutel ist. Wer den Meridian-Prime-Kophörerverstärker bereits besitzt, sollte sich das Netzteil unbedingt von seinem Fachhändler ausleihen, um dessen hörbar eindrucksvolle Wirkung selbst zu erleben.   Philip Cornelius

Meridian Prime Headphone Amplifier
Preis: 1.200 Euro
Garantie: 3 Jahre (nach Registrierung)
 
Meridian Prime Power Supply
Preis: 800 Euro
Garantie: 3 Jahre (nach Registrierung)
überragend*
sehr gut
sehr gut
sehr gut

* Klangqualität ohne Meridian Prime Power Supply »gut - sehr gut«.

TEST

Verstärker:
Meridian Prime Headphone Amplifier
Autor:
Philip Cornelius
Datum:
20.04.2020
Hersteller:
Meridian