Vincent setzt mit dem SV-200 sein Erfolgsrezept in kompakter Bauform um: Der Hybrid-Vollverstärker bringt einen D/A-Wandler mit und ist ganz auf Musikgenuss ausgerichtet. Kann die »halbe Portion« ihr Klangversprechen einlösen?

Wenn sich Uwe Bartel etwas in den Kopf gesetzt hat, dann führt er die Sache auch mit aller Beharrlichkeit zu Ende. Zu seinen ehrgeizigen Vorhaben gehörte einst, die Marke Vincent zu etablieren. Dieses Ziel hat der Chef des Sintron-Vertriebs freilich längst erreicht, doch das ist für ihn kein Grund, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Schließlich ist Uwe Bartel nicht nur Kaufmann, sondern gleichermaßen passionierter Elektronikingenieur und Musikliebhaber. Vincent ist daher »sein Baby«, das er voller Leidenschaft hegt und pflegt. Auf sein Konto gehen sowohl Ideen für neue Produkte als auch technische Entwicklungen, vor allem aber hält er zielsicher den Kurs, der die 1995 registrierte Marke zum Erfolg führte: Vincent steht für preiswerte, konsequent für stereophonen Musikgenuss geschaffene Geräte. Diesen Werten ist folglich auch der neue SV-200 verpflichtet, der die TubeLine um einen weiteren Vollverstärker ergänzt.

Diese in der Mitte des Portfolios angesiedelte Serie umfasst neben drei CD-Spielern, einem D/A-Wandler, einer Phono-Vorstufe sowie einem Kopfhörerverstärker und einer Vor-End-Kombi auch zwei Vollverstärker – wie passt der Dritte im Bunde da noch hinein? Nun, zunächst einmal profiliert sich der SV-200 auf dieselbe Weise gegenüber seinen Artgenossen wie der CD-Spieler CD-200: Der neue Verstärker beansprucht nur die Hälfte der üblichen Komponentenbreite und stellt so besonders zum Boliden SV-700 einen Gegenentwurf dar. Gestalterisch fügt sich der in den Farbausführungen Schwarz und Silber erhältliche SV-200 natürlich nahtlos in das Design der Serie ein, wobei das Metallgehäuse der sehr übersichtlich und elegant gestalteten Systemfernbedienung VRC-8 zur Geräteausführung passend eloxiert wird.

Auf der tadellos gebürsteten Aluminiumfront des SV-200 finden sich zwei Drehregler, die die Lautstärkeregelung und die Wahl des Eingangs ermöglichen. Bei der Einstellung der Lautstärke ist etwas Fingerspitzengefühl von Vorteil, denn an den Ausgängen dieses Verstärkers liegt ordentlich Pegel an. Dem Musikgenuss zu später Stunde kommt der SV-200 mit einer Loudness-Korrektur entgegen, die sich mit Hilfe eines Druckknopfes schalten lässt. Mittig zwischen den Drehreglern positioniert befindet sich ein »Bullauge«, das einen Blick auf die Röhren gewährt. Mehr als das Glimmen derselben sorgen hier allerdings Leuchtdioden für den optischen Reiz, die das Sichtfenster illuminieren. Ein kleiner, versenkter Umschalter an der Rückseite des Gerätes erlaubt es, diese dekorative Beleuchtung zu dimmen oder abzuschalten.

Das integrierte Digital-Analog-Wandlerteil des SV-200 verarbeitet über die beiden Digital-Eingänge PCM-Datenströme mit einer maximalen Worttiefe von 24 Bit und einer Abtastrate von bis zu 192 Kilohertz. Phasenrichtiger und damit klanglich sinnvollerer Netzanschluss ist dank der »L«-Kennzeichnung an der Buchse möglich.
Auf der tadellos gebürsteten Aluminiumfront des SV-200 findet sich der Eingangswahlregler für analoge und digitale Signalquellen.

Bei der Verstärkerschaltung des SV-200 handelt es sich wie im Falle der größeren Modelle SV-237MK und SV-700 um ein hybrides Konzept, seine Vorstufe ist als Shunt-Regulated-Push-Pull-Design ausgelegt und mit zwei 6N1-Treiberröhren bestückt. Diesen chinesischen 6N1P-Derivaten sind Feldeffekt-Transistoren von Toshiba vorgeschaltet. Sie übernehmen die Vorverstärkung der Eingangssignale, die SRPP-Topologie mit den »spielfreudigen« Röhren dient lediglich dazu, den eingangs erwähnten Dampf zu machen und die Vorstufenschaltung in klanglicher Hinsicht »aufzupolieren«. Fans eines röhrentypisch geschmeidigen Mitteltonspektrums wird der SV-200 dennoch nicht enttäuschen – und wie unmittelbar er Diana Kralls Vortrag bei »The Night We Called It A Day« unter die Haut gehen lässt, sollte auch Verfechter bedingungsloser Linearität allemal beschwichtigen. Seien wir mal ehrlich: Wenn man bei einem sehr knapp kalkulierten Konzept allzu großen Wert auf Neutralität legt, kommt der »Anmachfaktor« meistens zu kurz.

Die Endstufe des SV-200 arbeitet im Gegensatz zur Schaltung seiner Teamkollegen im Class-A/B-Modus; vier Leistungstransistoren von Toshiba übernehmen hier die Verstärkung. Ein Ringkerntrafo speist die gesamte Schaltung, wobei separate Abgriffe für analoge und digitale Schaltkreise verwendet werden. Für die Pufferung kommen Elkos mit einer Gesamtkapazität von 13.600 Mikrofarad zum Einsatz. Analoge Tonquellen können über zwei mit vergoldeten RCA-Buchsen ausgeführte Eingänge angeschlossen werden; außerdem stehen auf analoger Seite ein Tape- und ein Vorstufenausgang zur Verfügung, der zum Anschluss eines Subwoofers oder für den Betrieb mit separaten Endstufen, wie beispielsweise den ebenfalls zur TubeLine gehörenden Class-A-Monoblöcken SP-T700, genutzt werden kann. Ganz auf sich allein gestellt, hatte der SV-200 allerdings keine Mühe, die Dali Epicon 6 anzusteuern. Wer einen Plattenspieler betreiben möchte, ist dagegen auf externe Hilfe angewiesen, denn ein Phonomodul wäre schwerlich in einem so eng gesteckten Preisrahmen unterzubringen – und schließlich hat Vincent mit der PHO-701 eine passende Spielpartnerin im Angebot.

Maximale Worttiefe

Für digitale Tonquellen hält der SV-200 mit einer Koaxialbuchse und einer optischen TosLink-Schnittstelle zwei Eingänge im S/PDIF-Format bereit, auf einen USB-Eingang muss man jedoch verzichten und gegebenenfalls auf den DAC-7 zurückgreifen. Dieser Umstand dagegen dürfte hauptsächlich der Orientierung an klassischen HiFi-Komponenten geschuldet sein, denn auch die beiden größeren TubeLine-Verstärker beschränken sich auf zwei S/PDIF-Ports. Das integrierte Digital-Analog-Wandlerteil des SV-200 verarbeitet über diese beiden Digital-Eingänge PCM-Datenströme mit einer maximalen Worttiefe von 24 Bit und einer Abtastrate von bis zu 192 Kilohertz. Dabei decken die unterstützten Dateiformate jeden gängigen Bedarf ab: Neben Musikfiles, die in den unkomprimierten Formaten AIFF und WAV gespeichert sind, können verlustfreie FLAC-Dateien sowie die komprimierten Formate MP3, WMA, APE und AAC abgespielt werden. Darüber hinaus nimmt der SV-200 auch mehrkanalige AC3-Dateien an. Gleich zu Beginn der Hörtests muss sich der Proband an einer Elektro-Playlist messen lassen, die viele Stücke enthält, die eine gehörige Portion an Leistungsreserven erfordern.

Leuchtdioden sorgen bei dem Röhrensichtfenster für besonderen optischen Reiz. Der Umschalter an der Rückseite des Gerätes ermöglicht es, diese Beleuchtung zu dimmen oder abzuschalten.
Gekonnter Stilmix, großartige instrumentale Interpretation und nicht zuletzt die exzellente Aufnahme machen »Contra La Indecisión« vom Bobo Stenson Trio zu einem hörenswerten Album.

Eine derartige Souveränität, wie sie der SV-200 hierbei an den Tag legt, hätte ich allerdings von einem so kleinen Verstärker beileibe nicht erwartet: Der SV-200 zeichnet den Bassbereich sauber kontrolliert, absolut straff und staubtrocken durch. Überdies verleiht er bei »Wizard Of Love« von Blond:ish feat. Shawni nicht nur der Drum-Machine beachtliche Schlagkraft, er bleibt auch ganz und gar unbeeindruckt, wenn Bassläufe einsetzen, die sehr tief in den Frequenzkeller hinabsteigen. Gleich im Anschluss folgt das herausragende Remix dieses Titels von Modular Project, das der Vorlage neue Seiten abgewinnt: Atmosphärische Effektklänge und ein treibender, herrlich federnder Rhythmus garnieren hier das etwas sperrig wirkende Thema des Originals und machen aus diesem Track einen mutmaßlichen Klassiker von morgen – zu finden auf dem Labelsampler »Rebirth 10 Remixed, Part One«. Der SV-200 sorgt bei diesen Takten dank einer sehr agilen Spielweise unweigerlich für Fußwippen und erweist sich nebenbei als enorm pegelfest.

»Wedding Song From Poniky« aus dem Album »Contra La Indecisión« des Bobo Stenson Trios konfrontiert den SV-200 mit gänzlich anderen Herausforderungen: Bei diesem Titel kommt es insbesondere auf die Fähigkeit an, die vielen subtilen Facetten aufgreifen zu können, ohne sie aus einem stimmigen Gesamtbild herauszulösen. Der SV-200 bewegt sich auf diesem anspruchsvollen Parkett mit bemerkenswerter Nonchalance und kann gleichwohl die Integrität dieser atmosphärisch dichten Komposition bewahren, während er die von Jon Fält am Schlagzeug gesetzten Akzente voll zur Geltung bringt und sich der von Bobo Stenson am Piano gespielten, zarten Melodie mit dem gebotenen Feingefühl widmet.

Der Kreis schließt sich...

… Diana Krall singt »Dancing In The Dark« aus ihrem Album »The Look of Love«, das schon während des Warmspielens lief. Der SV-200 stellt hierbei die Instrumente sorgfältig gestaffelt und mit gebührendem Abstand zueinander auf eine großflächig angelegte Bühne, die ausgezeichnet durchhörbar ist. Zudem spielt der SV-200 auch nach oben heraus völlig frei und verleiht den Streichern schillernde Strahlkraft. Vor allem aber erweisen sich Stimmen einmal mehr als seine Paradedisziplin: Der SV-200 lässt Diana Kralls Gesang lebensecht wirken und vereitelt mit seiner warm timbrierten, zugleich sehr fein differenzierten Farbpalette jeden Versuch, sich diesem Gastspiel zu entziehen.

Messwerte Vollverstärker Vincent SV-200

Leistung
Nennleistung @ 4 Ohm (1% THD):   52 W
Nennleistung @ 8 Ohm (1% THD):   33 W

Verzerrungen
Klirrfaktor (THD+N, 10 Watt @ 4 Ohm):   0,24 %
IM-Verzerrungen SMPTE (5 Watt @ 4 Ohm):   0,95 %
IM-Verzerrungen CCIF (5 Watt @ 4 Ohm):   0,19%
 
Störabstände
Fremdspannung (- 20 kHz):   -92,1 dB
Geräuschspannung (A-bewertet):   -94,0 dB
 
Sonstige
Obere Grenzfrequenz (-3dB / 10 W @ 4 Ohm):   152 kHz

Kanaldifferenz:   0,09 dB

Eingangswiderstand:   66 kOhm

Stromverbrauch
Leerlauf:   31 W

Hersteller und Vertrieb:   Sintron Vertriebs GmbH

Modell:   SV-200

Preis:   799 Euro

Garantie:
   2 Jahre

Kategorie:   Vollverstärker mit DAC

Digitale Eingänge:   1 x S/PDIF koaxial RCA, 1x S/PDIF optisch TosLink

Analoge Eingänge:   2 x Hochpegel RCA

Analoge Ausgänge:   1 x Recorder-Ausgang RCA, 1x Vorstufenausgang RCA

Lautsprecherterminals:   1 x Polklemmen

Lieferumfang

  • Fernbedienung VRC-8
  • Cinch-Kabel (1m)
  • TosLink-Kabel
  • Netzkabel
  • Bedienungsanleitung
  • Garantieanforderungskarte


Farbausführungen:   Schwarz, Silber

Abmessungen (B x H x T):   210 x 95 x 320 mm

Gewicht:   5 kg

Sintron-Vertriebs GmbH
Electronic Import & Export
Südring 14
76473 Iffezheim
     
Telefon   0 72 29 / 18 29 98
Telefax   0 72 29 / 18 29 99

Internet:   www.sintron-audio.de
E-Mail:   info@sintron.de

Der Vincent SV-200 ist sehr gut verarbeitet und für typische HiFi-Zwecke sinnvoll ausgestattet, einzig ein USB-Port wäre als Ergänzung der beiden S/PDIF-Eingänge wünschenswert. Klanglich setzt sich der SV-200 äußerst wirkungsvoll in Szene: Sein warm timbriertes, zugleich sehr fein differenziertes Mitteltonspektrum und seine kraftvolle, dynamisch-lebendige Gangart sind wunderbar aufeinander abgestimmt. Diese verbindliche, atmosphärische Spielweise trifft emotional immer voll ins Schwarze und übt selbst nach stundenlangem Musikgenuss genauso starken Reiz aus wie im ersten Moment.    Marius Donadello

Vincent SV-200
Preis: 799 Euro
Garantie: 2 Jahre
sehr gut
gut
gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Verstärker:
Vincent SV-200
Autor:
Marius Donadello
Datum:
17.06.2019
Hersteller:
Vincent