Goldring gehört zu den ältesten Tonabnehmer-Herstellern der Welt und verfügt somit über viel Erfahrung und großes Know-how. i-fidelity.net hat sich gleich drei neue Modelle angeschaut.
Der Goldring-Tonabnehmer E1.

Den vermeintlichen Niedergang analoger Technik durch die CD hat Goldring von Anfang an geflissentlich ignoriert und unbeirrbar weiter Tonabnehmer aller drei klassischen Bauformen, also Moving Magnet, Moving Coil und Moving Iron, entwickelt und gebaut. Dass sich die Briten dabei zum Teil fernöstlicher Fertigung bedienen, ist keinesfalls anstößig, sondern hält die Kosten niedrig. Überhaupt muss man Goldring zugestehen, dass die Tonabnehmer in den jeweiligen Klassen zu ausgesprochen vernünftigen Preisen angeboten werden, was auch ambitionierten Analoghörern mit nicht so üppigem Budget für das Hobby entgegenkommt. Entgegen dem weit verbreiteten Trend, immer noch teurere Produkte auf den Markt zu bringen, hat Goldring seine ohnehin beeindruckend breite Produktpalette jetzt mit drei bezahlbaren Tonabnehmern nach unten  erweitert. Das Angebot in dieser Preisregion ist seit längerer Zeit leider sehr überschaubar – umso mehr sind die neuen Offerten von Goldring zu würdigen.

Zu den mögliche Zielgruppen der drei Neulinge zählen neben den bereits mit Analog Vertrauten auch Neugierige, die wissen wollen, warum das Medium LP erneut so in Mode gekommen ist, oder die mehr oder weniger zufällig in das Thema hineinrutschen, weil sie vielleicht eine Plattensammlung geerbt haben und mal in die Scheiben reinhören möchten. Aber auch diejenigen, die ihren Plattenspieler wieder reaktivieren möchten und einen neuen Tonabnehmer benötigen, der mit einer Mischung aus klanglicher Qualität und günstigem Anschaffungspreis überzeugen soll, dürften sich über die Goldrings freuen. Und schließlich wird so mancher ambitionierte Analoghörer über einen Zweit-Tonabnehmer nachdenken, mit dem er seine gebraucht erworbenen LPs überprüft, bevor sie dem eigentlichen Tonabnehmer anvertraut werden.

Die Frequenzgänge (hier Goldring E1) wurden wie üblich mit »adjust+« ermittelt. Sie zeigen, dass die Entwickler saubere Arbeit geleistet haben, denn sie würden auch deutlich aufwendigeren Systemen gut zu Gesicht stehen.
Das Tonabnehmersystem Goldring E2.

Alle drei neuen Moving-Magnet-Systeme E1, E2 und E3 von Goldring beruhen auf dem gleichen Generatorsystem mit »Magnetic Duplex Technology«. Das Besondere daran ist, dass mit einem Doppelmagnet leichter Masse die Geometrie des Schneidkopfes nachgebildet wird, wodurch eine bessere Stereotrennung und damit ein genauer definiertes, musikalisches Klangbild erzielt werden soll. Ferner werden die Systeme bei der Fertigung mittels einer speziellen Einstellschraube auf präzisen Azimuth getrimmt, sodass die Abtastnadel exakt senkrecht steht. Das schlanke Generatorgehäuse ist mit reichlich Abstand in ein Übergehäuse aus Kunststoff eingebaut. Dieses besitzt zur Systemmontage zwei Gewindebuchsen aus Metall, was die Montage – in Verbindung mit einem ordentlichen Nadelschutz – sehr einfach gestaltet. Darüber hinaus sind die Systemgehäuse mehrfach abgewinkelt, was Anregungen per Luftschall nur geringe Angriffsflächen bietet. Auch die Luft zwischen dem Gehäuse und dem Systemkörper lässt eventuell noch auftretenden Störenfrieden so gut wie keine Möglichkeit, an das Generatorsystem zu gelangen. Das ist gut durchdacht gelöst. E1, E2 und E3 unterscheiden sich rein äußerlich durch ihre unterschiedliche Farbgebung. Zum Lieferumfang gehören eine gut gemachte Bedienungsanleitung sowie die notwendigen Schrauben nebst passendem Inbusschlüssel.

Geschliffene Abtastung

Die mechanischen und elektrischen Werte aller drei Systeme sind identisch. Als Auflagekraft empfiehlt Goldring 2 Gramm, 0,5 Gramm Abweichung plus/minus sind erlaubt. Der Lastwiderstand beträgt MM-typisch 47 Kiloohm. Als Ausgangsspannung werden 3,5 mV angegeben, womit jeder Phonoverstärker klarkommen sollte. Die Unterschiede zwischen den drei neuen Tonabnehmern betreffen den Nadelträger und den Diamantschliff. Das rote E1 besitzt einen Nadelträger aus carbonfaserverstärktem ABS, dabei handelt es sich also im weitesten Sinn um einen Kunststoffnadelträger. Dieser trägt einen gefassten Diamanten mit rundem Schliff. Das E2 im grünen Gehäuse ist mit einem Aluminium-Nadelträger und ebenfalls einem Diamanten mit rundem Schliff ausgestattet.

Frequenzgang des E2 von Goldring.
Das Goldring E3.

Das E3 schließlich kommt im violetten Gewand mit Aluminium-Nadelträger, der Diamant besitzt einen super-elliptischen Schliff. Wie wirken sich nun die unterschiedlichen Nadelträger und Diamantschliffe aus? Wir haben die drei Systeme bewusst und im Sinne der Alltagstauglichkeit mit älteren LPs erkundet und die audiophilen Platten im Regal gelassen. Mike Batts Album «Schizophonia« ist klanglich durchschnittlich und klingt eher eine Spur zu hart. Mit dem E1 fällt das Ergebnis ausgesprochen freundlich aus, jedwede Härte wird vermieden, was unterm Strich zu einem ungetrübten Hörvergnügen führt. Die Limitierungen des Systems, die fraglos vorhanden sind, werden ohne Vergleich überhaupt nicht wahrgenommen. Ähnlich verhält es sich mit diversen Frauenstimmen, die gerne mal zu eindringlich, also nervig, wahrgenommen werden. Nicht jedoch mit dem E1, das sich als System für unbeschwertes und angenehmes Plattenhören erweist und staunen lässt, was heutzutage für 74 Euro möglich ist.

Im Lieferumfang: Verblüffung

Das E2 mit seinem Aluminium-Nadelträger wandelt auf den gleichen Pfaden, auch wenn ein merkliches Ausmaß an Detailgenauigkeit gegenüber dem E1 hinzukommt. Mit der Detailversessenheit manch teurer Tonabnehmer hat das aber nichts zu tun, die Wiedergabe bewegt sich immer noch im Bereich des unbeschwerten Hörens – klasse, was für 99 Euro machbar ist.

Das 129 Euro teure E3 schließlich liest mit seinem super-elliptischen Nadelschliff mehr akustische Informationen aus der Plattenrille. Es tastet im Hochtonbereich genauer ab und macht die Binnenstruktur von Aufnahmen bereits gut erkennbar. In Verbindung mit einer soliden Phonostufe bietet es eine tolle Möglichkeit, Schallplatten, seien sie alt oder neu, auf angenehmem Niveau zu hören.

Frequenzgang des Goldring E3 mit »adjust+« ermittelt.

mit Transrotor-Geschäftsführer Dirk Räke

i-fidelity.net:   Wie lange fungiert Transrotor schon als Deutschland-Vertrieb für die Tonabnehmer der Marke Goldring und was hat Sie dazu bewogen, diese Produkte zu verkaufen?

Dirk Räke:   Wir sind seit über zehn Jahren der deutsche Vertrieb für Goldring. Wir schätzen die Zusammenarbeit sehr, weil sie von Beginn an durch Qualität und Zuverlässigkeit geprägt war. Transrotor und Goldring sind eine gute Kombination, uns verbindet die lange Firmengeschichte und die Philosophie, ohne »Schnörkel« und mit kundenfreundlichem Preis/Leistungsverhältnis zu arbeiten.


i-fidelity.net:
 Was ändert sich für den Vertrieb englischer Produkte durch den Brexit?

Dirk Räke:   Man muss abwarten, was passiert. Wir gehen Stand heute nicht davon aus, dass sich große Probleme ergeben werden. Wir freuen uns auf jeden Fall auf die weitere Zusammenarbeit mit Goldring und lassen uns von den teilweise kursierenden Katastrophenmeldungen nicht beeinflussen.


i-fidelity.net:   Wie und wo erfahre ich bei Interesse an Goldring-Tonabnehmern, welcher Händler diese in seinem Angebot führt?

Dirk Räke:   Wir haben ein solides Händlernetzwerk, mit vielen Fachhändlern arbeiten wir seit Jahrzehnten zusammen. Uns sind Partner wichtig, die kompetent und fair beraten. Auf unserer Website www.transrotor.de finden Interessenten eine Händlerliste, zudem funktioniert bei uns auch das Telefon immer noch als probates Mittel zur Kommunikation.

Hersteller:   Goldring, England

Vertrieb:   IDC Klaassen, Lünen

Modelle
Goldring E1     74 Euro

Goldring E2     99 Euro

Goldring E3   129 Euro

Garantie:   2 Jahre

Auflagekraft (alle drei Systeme):
   1,5 - 2,5 Gramm

IDC Klaassen
International Distribution & Consulting oHG
Am Brambusch 22
44536 Lünen

Internet:   www.idc-klaassen.com

IDC Klaassen auf Facebook.

E-Mail:   info@mkidc.eu

Telefon:   02 31 / 98 60 - 285

Egal, für welches der drei Goldringe man sich – auch im Hinblick auf das vorhandene oder anzuschaffende Equipment – entscheidet: E1, E2 und E3 sind gute Tonabnehmer zu ausgesprochen zivilen Preisen. Sie sind ein sicherer Tipp für die genannten Zielgruppen und verdienen eine klare Empfehlung.   Helmut Rohrwild

Goldring E1
Preis: 74 Euro
Garantie: 2 Jahre
Goldring E2
Preis: 99 Euro
Garantie: 2 Jahre
Goldring E3
Preis: 129 Euro
Garantie: 2 Jahre

Goldring E1

gut
sehr gut
gut

Goldring E2

gut - sehr gut
sehr gut
gut - sehr gut

Goldring E3

sehr gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Tonabnehmer:
Goldring E1, E2, E3
Autor:
Helmut Rohrwild
Datum:
19.03.2019
Hersteller:
Goldring