Bevor Moon hierzulande populär geworden war, wurde bei der Erwähnung des Namens häufig gleich der Hinweis mitgegeben, dass ehemalige Ingenieure von Mark Levinson an der Entwicklung der Moon-Geräte beteiligt sind. Inzwischen bedarf es längst keiner Fremdreputation mehr, Moon hat sich mit der klanglichen Performance seiner Komponenten in der High-End-Szene Ansehen verschafft. Obgleich Moon im Sprachgebrauch als Herstellerbezeichnung geläufig wurde, handelt es sich de facto um eine Marke des kanadischen Herstellers Simaudio. Diese Unternehmung ging nach deren Umstrukturierung aus der 1980 gegründeten »Sima Electronics« hervor, die anfänglich nur professionelles Equipment entwickelte.
Anfang der 90er-Jahre richtete sich Simaudio dann mit der Celeste-Serie ganz auf das HiFi-Segment aus und wagte mit oval geformten Gehäuse-Chassis einen weiten Vorstoß in unkonventionelles Terrain hinein, so als hätte man jegliche Profi-Anmutung abschütteln wollen. Wenig später, im Jahr 1997, wurde dann der Name Moon zuerst nur für eine neue, von der Celeste-Linie inspirierte Referenzserie eingeführt. Während aller organisatorischen Veränderungen und markenstrategischen Orientierung blieben die Verantwortlichen indes immer ihrem Qualitätsanspruch treu, und schließlich fanden sie auch gestalterisch ihre eigene, klare Linie.
Etwas unübersichtlich wirkt dagegen die Zusammenstellung der Neo-Komponenten: Neben dem ACE gehören nicht weniger als zwölf weitere Modelle zur Serie: zwei D/A-Wandler, ein CD-Transport, drei Vollverstärker, eine Vorstufe, eine Stereo-Endstufe, ein Mono-Block und ein Phono-Entzerrer sowie zwei Kopfhörerverstärker. Dieses umfangreiche Sortiment bildet die mittlere Serie im Portfolio, die Neo-Geräte enthalten fast alle wesentlichen technologischen Merkmale der Top-Linie Evolution. Doch auf eine allzu spezifische technische Argumentation wollen sich die Sprachrohre bei Moon nicht versteifen, denn sie sprechen viel lieber über Klangqualität. Die liegt den 35 Mitarbeitern offenkundlich am Herzen: Auf ihrer Website bringen sie Neulingen spürbar leidenschaftlich, jedoch in der Sache neutral formuliert, Kriterien für hochwertige Musikwiedergabe nahe und propagieren mit Verweis auf neurowissenschaftliche Untersuchungen deren positive Wirkung auf das körperliche Wohlbefinden. Mit ebenso viel Enthusiasmus hält die 2013 in den Besitz einer Gruppe langjähriger Mitarbeiter übergegangene Manufaktur die Fertigung am eigenen Standort hoch. In Quebec werden daher nicht nur die Platinen von Hand bestückt, sondern sogar sämtliche Gehäuseteile selbst hergestellt.
Das Design der Neo-Serie zeichnet sich durch eine gelungene Mischung aus klassisch-geradliniger und organisch-aufgelockerter Formensprache aus, die mit unterschiedlichen Einrichtungsstilen kompatibel ist. Leicht geschwungene Elemente an den Seiten der Aluminium-Paneele setzen dezente Akzente, die bei der zweifarbigen Ausführung in Silber mit der schwarzen Front kontrastieren. Metallene Mikrotaster gestatten die Bedienung aller Basisfunktionen am Gerät, eine übersichtlich gestaltete Fernbedienung gehört dennoch zum Lieferumfang. Mittig auf dem Frontpaneel des ACE positioniert, findet sich eine gestochen scharfe, auch aus einiger Distanz hervorragend lesbare OLED-Anzeige. Sie zeigt im Musikbetrieb alle Informationen zum aktuellen Titel an und erlaubt darüber hinaus die Navigation durch das logisch strukturierte Menü. Nachdem dort die Verbindung der integrierten Streaming-Software mit dem Gerät vorgenommen wurde, dient eine kostenfrei für iOS und Android erhältliche App der Steuerung der Musikwiedergabe.
Diese »MiND« alias »Moon intelligent Network Device« genannte Plattform greift auf Musik in sämtlichen gängigen Dateiformaten von UPnP- und DLNA-kompatiblen Servern zu, wobei sie sehr performant arbeitet. Das integrierte, mit einem Sabre-9010-DAC von ESS bestückte Konverterteil des ACE unterstützt PCM-Datenströme mit einer Auflösung von bis zu 32 Bit und 384 Kilohertz und nimmt DSD-Datenströme bis zur vierfachen SACD-Sample-Rate (DSD256) an. Außerdem ermöglicht die sehr ansprechend gestaltete, in allen Bereichen übersichtlich geratene App den Zugriff auf den Streaming-Dienst Tidal sowie die Webradio-Dienste vTuner und TuneIn.
Zusätzlich zu Netzwerk-Musikquellen und dem Streaming-Angebot bietet der ACE insgesamt acht Geräten kabelgebundenen Anschluss. Dazu stehen zwei analoge, mit hochwertigen RCA-Buchsen ausgestattete Eingänge bereit, die sich zwecks problemloser Einbindung in Home-Cinema-Systeme direkt durchschleifen lassen und so die Lautstärkeregelung am AV-Prozessor erlauben. Ein weiterer, an der Vorderseite platzierter Hochpegeleingang ist als Mini-Klinke ausgeführt und extra für mobile Player vorgesehen. Gleich daneben befindet sich eine Kopfhörerbuchse im 6,3-Millimeter-Klinkenformat, und selbst eine Phono-MM-Vorstufe wurde bei aller »smarten« Konzeption nicht vergessen. Für digitale Tonquellen verfügt der ACE über zwei koaxiale S/PDIF-Eingänge und zwei optische TosLink-Schnittstellen. Ein USB-Audio-2.0-Port im Format Typ-A gestattet es, Computer und Speichermedien zu nutzen. Darüber hinaus können ihm Bluetooth-fähige Geräte Musik zuspielen – selbstverständlich mit dem für eine genussfähige Bandbreite erforderlichen aptX-Codec.
Obgleich der ACE natürlich primär als Stand-Alone-Komponente einer schlanken Anlage gedacht ist, eignet er sich auch als Knotenpunkt in aufwendigen Stereo-Systemen und komplexen Mehrkanal-Konfigurationen: Ein Subwoofer- und ein Vorstufenausgang eröffnen weitere Möglichkeiten der Integration in vorhandene Anlagen oder der Erweiterung eines neuen Systems mit dem ACE als Schaltzentrale im Zentrum. Besonders der Vorstufenausgang dürfte ambitionierte Hörer insofern interessieren, als mit Hilfe einer passenden Endstufe, wie beispielsweise der hauseigenen 330 A, das Zusammenspiel mit großen Lautsprechern noch reibungsloser gestaltet werden kann. Allerdings sollte man angesichts der überschaubaren nominellen Ausgangsleistung des ACE dessen Fähigkeit, auch Dreiwege-Standlautsprecher angemessen anzutreiben, nicht unterschätzen. Die für den Hörtest verwendeten Dali Epicon 6 sind an seinen soliden Polklemmen beileibe nicht zu kurz gekommen, der ACE bringt genug Laststabilität auf, um die Dänin auch bei lauten Passagen präzise zu kontrollieren.
Wer deshalb sofort an eine effiziente Schaltendstufe denkt, liegt falsch, denn die Ingenieure gehen mit Blick auf klangliche Vorzüge ganz »wertkonservativ« an die Sache – schließlich ist Verstärkerbau die Domäne von Moon. Daher brachten sie eine Endverstärkung im kompakten Gehäuse unter, die im Class-A/B-Betrieb arbeitet. Hinsichtlich deren Topologie und Bestückung sind gewisse Zugeständnisse aus Platzgründen unvermeidlich, deshalb finden sich in dieser Sektion keine ausladenden Kondensatorbänke mit rekordverdächtigen Siebkapazitäten. Die Leistung der Endstufen generieren vier IC-Operationsverstärker des Typs LM3886TF von Texas Instruments, die direkt mit einer großen Aluminium-Kühlrippe verbunden sind. Dank des Verzichts auf eine diskret aufgebaute Schaltung blieb genug Raum für ein aufwendig geregeltes, konventionelles Linearnetzteil, das die Entwickler gegenüber den häufig für All-In-One-Geräte verwendeten Schaltnetzteilen bevorzugen. Die Spannungsumwandlung übernimmt ein Ringkern-Transformator mit respektablen 250 Voltampere Kapazität, der sowohl die Vorverstärkungsstufe als auch die Endstufe speist. Nun drängt aber die Frage, wie viel Klangpotential das Konzept des ACE bereithält.
Der ehemalige Profi-Surfer Jack Johnson gibt auf seinem siebten Studioalbum »All The Light Above It Too« wie gewohnt entspannten Folk-Rock und stimmt, von eingängigen Arrangements kaschiert, unter anderem mahnende Töne über die Verschmutzung der Meere an. Während der konsumkritische Titel »Is One Moon Enough?« mit typisch hawaiianischen Melodiebögen sanft dahinschaukelt, vergisst der ACE nicht, akkurat und beflissen den Korpus der Gitarre und das Schwingen ihrer Saiten minutiös abzubilden. Dabei geht er keineswegs seziererisch zu Werke, sondern stellt sich mit agil-luftiger Spielweise ganz auf die lockere Stimmungslage dieses Songs ein. So sehr diese galant dargebotenen Klänge auch dazu verführen, weiterhin in eher seichten Gefilden zu stöbern, hat der ACE binnen Sekunden demonstriert, dass die keinerlei Herausforderung an seine Differenzierungsfähigkeit oder sein Integrationsvermögen darstellen. Deshalb kommt anschließend das aktuelle Album »She Moves On« von Youn Sun Nah in die MiND-Queue, denn es ist wie immer hervorragend produziert und steckt voller sehr subtiler Details. Bei »A Sailor’s Life« steht die Gesangstimme ganz im Vordergrund der traditionellen Komposition, Schlagzeug und Gitarre flankieren die südkoreanische Sängerin nur andeutungsweise, sodass diese Interpretation ihre Virtuosität perfekt inszeniert. Der ACE gewährt hierbei einen intensiven Einblick in tonale Schattierungen und feindynamische Nuancen, vermag selbst winzigste Abstufungen klar zu akzentuieren und kleinste Impulse mit Energie aufzuladen.
Der israelische DJ und Produzent Guy Gerber hat mit »Secret Encounters« aus der gleichnamigen EP einen außergewöhnlich facettenreichen House-Track geschaffen, dessen Vokalsamples über runden, federnden Bassläufen schweben. Der Moon steigt mit ihnen problemlos tief in den Frequenzkeller hinab und stellt eindrucksvoll seine Reserven unter Beweis: Die weitläufige, exakt gestaffelte Raumabbildung bleibt auch bei gehobener Lautstärke völlig stabil. »Blue In Green« aus dem neuen Album »Tangents« vom Gary Peacock Trio ist einer von zwei Klassikern, die nicht von einem der Bandmitglieder komponiert wurden, aber deswegen nicht weniger von persönlicher Hingabe geprägt sind. Die darf man bildlich gesprochen auch dem ACE attestieren, der mit dieser exzellenten Einspielung erst seinen ganzes atmosphärisches Können nachdrücklich zur Geltung bringen kann. Er eröffnet ein faszinierend weites Klangfarbenspektrum und vollbringt eine selbstverständliche, musikalisch flüssige Darbietung, die den essentiellen Kleinigkeiten des künstlerischen Ausdrucks größte Aufmerksamkeit zuteil werden lässt.
Messwerte Vollverstärker Moon ACE
Leistung:
Nennleistung @ 4 Ohm (1% THD): 111 W
Nennleistung @ 8 Ohm (1% THD): 64 W
Verzerrungen:
Klirrfaktor (THD+N, 10 Watt @ 4 Ohm): 0,0031 %
IM-Verzerrungen SMPTE (5 Watt @ 4 Ohm): 0,019 %
IM-Verzerrungen CCIF (5 Watt @ 4 Ohm): 0,0038%
Störabstände:
Fremdspannung (- 20 kHz): -94,3 dB
Geräuschspannung (A-bewertet): -99,4 dB
Sonstige:
Obere Grenzfrequenz (-3dB / 10 W @ 4 Ohm): 185 kHz
Kanaldifferenz: 0,17 dB
Eingangswiderstand: 21,5 kOhm
Stromverbrauch:
Stand-by: 11,7 W
Leerlauf: 39,3 W
Hersteller: Simaudio Ltd., Quebec / Kanada
Vertrieb: Audio Components Vertriebs GmbH, Hamburg
Modell: Neo ACE
Kategorie: Vollverstärker mit Streamer und DAC
Preis: 2.990 Euro
Garantie: 3 Jahre
Analoge Eingänge: 2 x RCA, 1 x 3,5-Millimeter-Mini-Klinke
Analoge Ausgänge: 1 x Kopfhörer 6,3-Millimeter-Klinke, 1 x Pre Out RCA, 1 x Subwoofer Out RCA
Digitale Eingänge: 2 x koaxial S/PDIF, 2 x optisch TosLink, 1 x USB-Audio 2.0 Typ A, Bluetooth aptX, WLAN, Ethernet
Besonderheiten: SimLink für automatisches Ein-/Ausschalten, Infrarot-Eingang
Lieferumfang: Fernbedienung, Netzkabel, Bedienungsanleitung, Garantieanforderungskarte
Ausführungen: Schwarz, Schwarz-Silber
Abmessungen (B x H x T): 42,9 x 8,9 x 36,6 cm
Gewicht: 11 kg
Moon-Vertrieb:
Dynaudio Germany GmbH
Ohepark 2
21224 Rosengarten
Internet: www.dynaudio.de
Facebook-Auftritt: www.facebook.com/DynaudioGroup
Phone: 04108 / 4180 - 0
Fax: 04108 / 4180 - 10
Der Neo ACE ist tadellos verarbeitet und dank reichhaltiger Ausstattung äußerst vielseitig nutzbar: Fünf digitale Eingänge, zwei analoge RCA-Buchsenpaare und ein Mini-Klinken-Eingang bieten kabelgebunden praktisch jeder Art Tonquelle Anschluss. Darüber hinaus kann der ACE per Ethernet und WiFi Musik von DLNA-kompatiblen Servern abspielen sowie von Bluetooth-fähigen Geräten streamen. Zudem stehen als externe Musikquellen Tidal und Webradio zur Verfügung. Die zugehörige App MiND weiß durch ihre ansprechende, übersichtliche Gestaltung und schnelle, stabile Funktion zu überzeugen. Klanglich hinterlässt der Alleskönner mit seiner sehr transparenten, flüssigen und ausgewogenen Spielweise ebenfalls einen hervorragenden, tiefen Eindruck. Mit ihm geht man keinerlei Kompromisse zugunsten der Vielseitigkeit ein, denn der ACE kann seine ausgezeichneten Differenzierungsfähigkeiten sogar an größeren Lautsprechern entfalten. Ein großes Kompliment an Moon: Eine so gelungene Synthese aus Komfort und Klangqualität findet man nicht alle Tage – erst recht nicht zu einem vergleichbaren Preis. Marius Donadello
| Moon Neo ACE |
| Preis: 2.990 Euro |
| Garantie: 3 Jahre |