Wie sind sie denn nun wirklich, die Briten? Von Q Acoustics aus der Grafschaft Woking südlich von London hat die neue Soundbar M3 den Weg zu uns ins Heimkino gefunden. Die perfekte Gelegenheit für eine intensive Spurensuche: Very British, was genau bedeutet das eigentlich in der Unterhaltungselektronik?

Linksverkehr, rote Telefonzellen und die klassische Teezeit: Unsere Freunde aus Großbritannien müssen sich mit vielen Klischees herumschlagen. Dazu mögen die Briten nicht nur Pubs und Clubs. Auch Bars, genauer gesagt Soundbars, erfreuen sich auf der Insel immer größerer Beliebtheit. Damit stehen unsere Nachbarn nicht alleine da. Denn auch bei Heimkino-Besitzern auf dem europäischen Festland hält der Boom der Klangriegel an. 2016 konnten die Hersteller von Soundbars allein im deutschen Markt nach Angaben der gfu mit 244 Millionen Euro für eine Umsatzsteigerung in Höhe von knapp drei Prozent sorgen. Ein Stückchen von diesem Erfolgskuchen will sich auch Q Acoustics abschneiden. Der Lautsprecherhersteller blickt dabei auf eine recht junge Vergangenheit zurück, die Gründung erfolgte erst 2006 in England. Mit der M4 hatte das Unternehmen bislang eine Soundbar im Programm, das jetzt um das neue Modell M3 erweitert wird.

Während beide in der Breite auf einen Meter vertrauen, präsentiert sich die M3 mit 7 Zentimetern in der Höhe und einer Tiefe von 12,5 Zentimetern etwas abgespeckter auf den Rippen als ihr Vorgänger, zudem wiegt sie mit vier Kilo immerhin 900 Gramm weniger. Speziell bei der Wandmontage freut man sich über jedes Pfund, das der Hersteller einspart. Die wichtigste Neuerung ist aber die HDMI-Buchse, mit der die M3 gegenüber der M4 aufwartet. Während der Soundbar-Korpus aus schwarzem Kunststoff besteht, wird die Front von einem schwarzen Lochgitter aus Metall verkleidet. Insgesamt wirkt der Lautsprecher sehr stabil und verwindungssteif. Besonderes Merkmal ist der schwere silberne Aluminium-Standfuß, der die M3 sicher auf einem Sideboard oder vor dem Fernseher thronen lässt. Der kleine luftige Abstand zwischen der Soundbar-Unterseite zur nächsten Fläche ist bewusst von den Ingenieuren einkalkuliert: So kann der integrierte Downfire-Subwoofer sein volles Leistungsvermögen entfalten und frei aufspielen.

Tiefe Töne brauchen schließlich etwas Platz, um maximal wirken zu können. Als besonderen Clou hat Q Acoustics dem Standfuß eine Doppel-Funktion spendiert: Dieser dient gleichzeitig als Wandhalter. Dadurch kann die Soundbar mit größtmöglicher Variabilität im Wohnzimmer platziert werden. Ausgeliefert wird die M3 bereits mit Schlüssellochaufhängung im Wandhalter – so genügen lediglich zwei Dübel mit Schrauben in der Wand, um die Soundbar aufzuhängen. Je nach Aufstellort lässt sich über die mitgelieferte Fernbedienung ein vorprogrammierter Equalizer für bestmögliche Sound-Charakteristik einstellen – die M3 kann auf einem Schrank, in einem Sideboard oder an der Wand montiert werden. Auf die Klangeigenschaften hat die Art der Installation so gut wie keinen Einfluss, da die Lautsprecher nach vorne und nach oben abstrahlen. Im Zusammenspiel mit den zwei Breitbandlautsprechern und dem Subwoofer handelt es sich bei der Soundbar um ein klassisches 2.1-System. Sollte der Klangriegel auf einem empfindlichen Glas- oder Holztisch Platz finden, so muss man sich vor Kratzern keine Sorgen machen: Der massive Metallfuß wird durch dezente Gummifüße abgefedert.

Anschlussseitig ist die M3 gut bestückt: Neben einer Stereo-Cinch-Buchse besitzt die M3 auch einen optischen Digital- sowie einen analogen Aux-Eingang. Die HDMI-Buchse zum Andocken an den Flachbildfernseher ist ARC-fähig. Der USB-Port an der Soundbar dient lediglich für Service-Zwecke, um später etwaige Software-Updates einzuspielen. Die Bedienung erfolgt wahlweise über vier Tasten am Gerät oder über eine kleine Fernbedienung.

Anschlussseitig ist der Schallwandler gut bestückt. Neben einer Stereo-Cinch-Buchse besitzt die M3 auch einen optischen Digital- sowie einen analogen Aux-Eingang. Die HDMI-Buchse zum Andocken an den Flachbildfernseher ist ARC-fähig. ARC steht als Abkürzung für Audio Return Channel und wird im Deutschen als Audio-Rückkanal bezeichnet. Ein entsprechender HDMI-Port am Flat-TV vorausgesetzt, kann der Apparat auf diese Weise über nur ein Kabel sowohl Audio-Signale empfangen als auch senden. Man erspart sich dadurch eine zweite Strippe. Der USB-Port an der Soundbar dient lediglich für Service-Zwecke, um später etwaige Software-Updates einzuspielen. Mit Musik vom USB-Stick lässt sich der Lautsprecher hingegen nicht füttern. Die Bedienung erfolgt wahlweise über vier Tasten am Gerät oder über eine kleine Fernbedienung. An der Oberseite wird die M3 ein- beziehungsweise ausgeschaltet, zudem kann hier die Lautstärke verändert werden. Über einen Taster an der Unterseite wird die Bluetooth-Funktion aktiviert. Die Briten setzen auf den aktuellen Standard 4.0 sowie auf den apt-X-Codec, der drahtloses Musikstreaming in CD-Qualität gewährleistet.

Maximale Funktionalität

Bis zu acht Zuspieler wie Smartphones, Tablets und PCs merkt sich die Soundbar und erkennt diese automatisch wieder, sobald diese einmal gekoppelt waren. Bringt man ein neuntes Gerät in die Umlaufbahn, so werden die Informationen des ersten Geräts gelöscht. Bei bestehender Verbindung sucht die M3 keine neuen Bluetooth-fähigen Geräte. Der Suchvorgang wird angestoßen, indem die aktuelle Verbindung getrennt oder die Bluetooth-Pairing-Taste gedrückt wird. Besonders komfortabel gelingt der Bluetooth-Aufbau über NFC (Near Field Communication) – dazu wird ein kompatibles Smartphone lediglich kurz an die Oberseite gehalten, mehr ist nicht zu tun. Kein Schöngeist, sondern auf maximale Funktionalität getrimmt ist der Mini-Signalgeber aus Kunststoff. Da hier lediglich sechs Tasten übereinander angeordnet sind, ergibt sich die Bedienung quasi von alleine. Das ist gut so. Per Fingerdruck kann man die unterschiedlichen Quellen auswählen, den Equalizer aktivieren, die Lautstärke anpassen und natürlich die Soundbar ein- oder ausschalten.

Auf ein Display haben die Ingenieure von Q Acoustics verzichtet. Das ist kein Drama, da in der Regel die Art der Zuspielung nur selten geändert wird. Die Farblösung der Techniker bedarf jedoch einer gewissen Eingewöhnungszeit, um sich zu merken, welche Farbe welcher Quelle entspricht. Ein leuchtender Ring am Ein-/Ausschalter signalisiert, dass aktuell HDMI (Violett), der optische Digitaleingang (Weiß), Bluetooth (Blau) oder ein analoger Übertragungsweg (Grün) aktiviert ist. Dazu kommen Rot (Standby), Gelb (Equalizer) und ein schnelles Blinken (Blau) im Pairing-Modus. Das sind viele Varianten – wer davon tatsächlich regen Gebrauch machen möchte, notiert sich Farben und Funktionen am besten auf einem Zettel. Nach wenigen Tagen dürfte man die entsprechenden Quellen intuitiv zuordnen können. Q Acoustics hat jeder Audio-Quelle eine andere Priorität zugeteilt. Auf Platz eins liegt HDMI vor dem optischen Digitaleingang, es folgen Bluetooth und die analogen Zuspiel-Optionen. Sind also mehrere Geräte angeschlossen, dann greift die M3 automatisch auf das mit dem entsprechend höchsten Quellen-Ranking zu. Sollte einem das nicht gefallen, kann man die Quelle natürlich über die Fernbedienung ändern.

»Q Acoustics hat die M3 klug konzipiert. Es ging eben nicht darum, dem ausschließlich preisorientierten Votum einer Excel-Tabelle zu folgen, sondern tatsächlich Fernsehgeräten auch klangliche Qualität zu verleihen.«, sagt IDC-Geschäftsführer Martin Klaassen.

Konzipiert ist die Soundbar für kompromisslose Stereo-Wiedergabe. Decoder wie Dolby Digital oder DTS für virtuellen Surround-Sound werden nicht unterstützt. Die M3 akzeptiert Audio-Dateien bis maximal 24 Bit und 48 Kilohertz. In ihrem Inneren werkeln ein 58 mal 58 Millimeter großer Mitteltöner sowie ein Tieftöner mit den Maßen 100 mal 150 Millimeter. Vor der ersten Klangprobe sollte man lediglich noch einen Blick auf die beiden Schiebeschalter auf der Rückseite werfen. Der eine dient dazu, um je nach Aufstellort den optimalen Equalizer auszuwählen. Bei zu schwachem Eingangspegel kann der zweite Regler auf die Position »2« verstellt werden. Dies hat eine beachtliche Pegelerhöhung um 6 Dezibel zur Folge. Unsere Empfehlung: Die sogenannte »Low Source Gain«-Einstellung können Sie im Regelfall ignorieren. Sollte Ihre Musik allerdings wirklich mal bezüglich der Lautstärke nicht in die Puschen kommen, so haben Sie hier immer noch einen Joker in der Hinterhand.

Und damit ist die M3 auch schon einsatzbereit. Praktisch: Ein zwei Meter langes HDMI-Kabel gehört zum Lieferumfang. Diese Verbindungsart dürfte fast immer die erste Wahl darstellen, sodass Sie Ihre neue Soundbar sofort ausprobieren können. Los geht es im alltäglichen TV-Betrieb. Nachrichten, eine Talkshow – hoppla, so dynamisch und kraftvoll kannte man seinen Flachbildfernseher – zumindest akustisch – ja gar nicht. Auf einmal ist da deutlich mehr Druck auf dem Kessel, mehr Volumen. Aus Stimmchen werden Stimmen, den Pegel muss man nicht mehr so hochdrehen, da die Verständlichkeit hörbar zunimmt. Szenario Nummer 2: die samstägliche »Sportschau« im Ersten mit Besuchen in diversen Arenen der Bundesliga. Interessant, die deutschen Fans sind lebendiger als angenommen. Der Fernseher hat sie bislang nur verschluckt.

Mit der M3 können sich Gesang und Torjubel endlich gegen den Reporter durchsetzen. Plötzlich ist die Kulisse da, in der Bude ist Leben. Das Mehr an Emotion bringt auch deutlich mehr Spaß beim Zuschauen. Ums Zigfache erhöht sich der Filmgenuss, wenn es auf dem Bildschirm auch noch rasant zugeht. Etwa wie beim Katastrophenfilm »Armageddon«. Die über der Landebahn surrenden Hubschrauber zerschneiden mit ihren Rotorblättern die Luft. Mit einem ohrenbetäubenden Knall tauchen die Kampfjets aus dem Nichts auf. Ihre enorme Geschwindigkeit, die grenzenlose Power, die Soundbar transportiert beide Charakteristika, die man bisher höchstens als Randnotiz wahrgenommen hatte. Dann sind da natürlich noch die Explosionen. Der berstende Asteroid ist für die M3 ein gefundenes Fressen. Erstaunlich, wie der Klangriegel selbst ohne externen Subwoofer ein mächtiges Tieftonfundament aufbaut. Mit hoher Detailgenauigkeit zeichnet der Lautsprecher die einzelnen Phasen der Eruption nach. Bild und Ton bilden jetzt die perfekte Symbiose für eine zentimeterdicke Gänsehaut. Der »Armageddon«-Soundtrack tut sein Übriges – wer beim Empfang der Crew zurück auf dem Boden nach der riskanten Mission nicht mit feuchten Augen zu kämpfen hat, ist ein Eisblock.

Akzentuierte Klangkulisse

Auch beim Bluetooth-Streaming zeigt der Briten-Block eindrucksvoll, was in ihm steckt. Die instrumentale Untermalung und speziell die Geiger im Mittelteil von Purs »Ich denk an dich« werden kristallklar herausgestellt und sind weit aufgefächert. Die Stereobühne ist ausreichend breit, das Frequenzspektrum überraschend groß. Auch hier sind die Bässe erstaunlich präsent, obwohl der integrierte Subwoofer nicht zu den größten seiner Art gehört. Ebenfalls mittlerweile ein Klassiker, deren Eingangssequenz wunderbar die Detailverliebtheit einer Soundbar auf die Probe stellen kann, ist die Ballade »So lang’ man Träume noch leben kann« von der Münchner Freiheit. Der eröffnende Streicherreigen des London Symphony Orchestra erinnert an feinsten Goldregen, an herabrieselnden Kometenstaub – zumindest dargeboten über die M3, die exakt auflöst, sauber differenziert und selbst bei geringer Lautstärke eine präzise akzentuierte Klangkulisse zaubert. Spielfreude gepaart mit unheimlicher Leichtigkeit und schönen Bässen liefert auch »Calm After The Storm« von The Common Linnets. Im Zusammenhang mit der M3 übersetzt man »calm« am besten mit »gelassen« – denn die Soundbar bringt so schnell nichts aus der Ruhe.

Hersteller:   Q Acoustics

Vertrieb:   IDC Klaassen, Lünen

Konstruktion:   2.1-Soundbar

Preis:   399 Euro

Garantie:   2 Jahre

Systemleistung:   80 Watt

Mitteltöner:   58 x 58 mm

Tieftöner:   100 x 150 mm

Anschlüsse:

  • 1 x HDMI (mit ARC)
  • 1 x optischer Digitaleingang
  • 1 x analoger Cinch-Eingang
  • 1 x 3,5-mm-Audioeingang
  • USB (nur für Service-Zwecke)
  • Bluetooth 4.0
  • NFC


Ausstattung:   Fernbedienung, Wandhalterung, 3 Presets für unterschiedliche Aufstell-Möglichkeiten

Abmessungen (B x H x T):   100 x 7 x 12,5 Zentimeter

Gewicht:   4 Kilogramm

IDC Klaassen
International Distribution & Consulting oHG
Am Brambusch 22
44536 Lünen

Internet:   www.idc-klaassen.com

E-Mail:   info@mkidc.eu

Telefon:   02 31 / 98 60 - 285

Klangstark, flexibel in der Art ihrer Aufstellung und mit knapp 400 Euro auch noch preiswert – das ist ja echt mal very British von seiner schönsten Seite! Die M3 von Q Acoustics erfüllt alle Wünsche. Sie spielt zuverlässig groß auf, lässt sich durch nichts beirren und bietet mit Bluetooth, HDMI und optischem Digitaleingang eine sehr ordentliche Ausstattung. So sieht ein Siegertyp aus. Na dann: Great Britain, 12 points!   Jochen Wieloch

Q Acoustics M3
Preis: 399 Euro
Garantie: 2 Jahre
sehr gut
sehr gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Lautsprecher:
Q Acoustics M3
Autor:
Jochen Wieloch
Datum:
10.07.2017
Hersteller:
Q Acoustics