Die LS 50 von KEF ist zweifellos eine Box mit Legenden-Status. Dem Markttrend entsprechend erscheint jetzt die aktive Ausführung, die zusätzlich noch kabellosen Musikgenuss unterstützt: KEF LS 50 Wireless. Kann diese modernisierte Version den Klassiker noch übertrumpfen?

Die ursprünglich zum 50-jährigen Jubiläum von KEF als Verbeugung gegenüber der Mini-Monitor-Historie des Hauses aufgelegte Kompaktbox hat sich eine treue Fan-Gemeinde erarbeitet. Aus guten Grund: Eine LS 50 bietet deutlich mehr an natürlicher Klangqualität, als in dieser Preisklasse zu erwarten ist. Andererseits ist der auch optisch inspiriert gestaltete Lautsprecher erwiesenermaßen höchst anspruchsvoll bezüglich zu kombinierender Elektronik. Dieser limitierende Faktor dürfte sich mit der jetzt vorliegenden aktiven Variante erledigt haben. Doch der Reihe nach: Was macht diese kleine Box eigentlich so besonders?

Es ist das extrem gelungene Zusammenspiel aus den zwei Kern-Elementen: Lautsprechertreiber und Gehäusekonstruktion. Kaum ein anderer Hersteller hat sich über die Jahrzehnte hinweg eine solche Expertise bei koaxial angeordneten Lautsprechertreibern erarbeitet wie KEF. Die extrem komplexen Uni-Q-Chassis der Engländer wurden immer weiter perfektioniert und befinden sich jetzt in der 11. Generation! Das Uni-Q-Chassis einer LS 50 setzt sich aus zwei kombinierten Treibern zusammen: dem 13 Zentimeter durchmessenden Tiefmitteltöner aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung und einem innerhalb dessen Schwingspule zentral platzierten Hochtöner. Dank durchdachter Kombination von Waveguide und kronenförmiger Schalllinse beeinflussen sie sich nicht nachteilig. Stattdessen demonstrieren sie konsequent die Vorzüge einer Punktschallquelle, bei der Musik wie aus einem Guss wirkten kann. Weil sie einem gemeinsamen akustischen Zentrum entspringt.

Für diesen ausnehmend hochwertigen Koaxial-Treiber hat KEF der passiven Jubiläums-LS 50 damals ein perfektioniertes Gehäuse maßgeschneidert, welches für die aktive LS 50 Wireless beibehalten wurde. Lediglich die zusätzliche Elektronik ist jetzt an der Rückseite angedockt, weswegen die aktive Version insgesamt etwa 5,5 Zentimeter tiefer baut. Aus gutem Grund blieb sonst alles wie bewährt, da dieses spezielle Gehäuse eine ideale Umgebung für das Chassis darstellt. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen: Die charakteristische geschwungene Frontpartie vermeidet einerseits klangverfälschende Kantendispersionen und unterstützt das ohnehin schon breit gefächerte, gleichmäßige Abstrahlverhalten des Uni-Q-Treibers. Das soll für überzeugende Hörerlebnisse auch außerhalb einer einzigen optimalen Sitzposition sorgen.

Die zentrale Lage des Uni-Q auf der Schallwand trägt dazu bei, stehende Wellen innerhalb der Box zu verhindern. Intern sorgen auf der Basis von Computerberechnungen platzierte Verstrebungen und exakt positionierte Dämpfungen dafür, dass das symmetrisch aufgebaute Gehäuse sich in keiner Weise akustisch störend einbringt. Es ist nur noch Hülle, aber kein klangbeeinflussender Faktor mehr. Zu guter Letzt minimiert das sich an den Enden elliptisch ausformende Bassreflex-Rohr etwaige Strömungsgeräusche und Tieftonkompressionen. Dieser hohe Aufwand führt in aller Konsequenz zu einem sehr ausbalancierten, neutralen, langzeitstabilen Lautsprecher, der in der Klasse irdisch ausgepreister Kompakt-Speaker das Maß aller Dinge darstellt. Deswegen dient mir die passive LS 50 seit Jahren als Arbeitsgerät für Produkt-Evaluierungen und gleichzeitig als bevorzugter Schallwandler, wenn ich einfach nur entspannt Musik höre. Insofern ist die Frage virulent: Was kann eine aktive Version bei dieser so guten Vorgabe noch besser machen?

Die Amp-Antwort

Zum Beispiel die bestmögliche Verstärkung passgenau sicherstellen. Die einschlägigen Internet-Foren sind voll von Beiträgen zum Thema »Welches ist der beste Amp für meine LS 50«? Am Ende steht die Erkenntnis: Die LS 50 schätzt Leistung – und davon viel, möglichst in bester Qualität, und stromstabil muss der Verstärker auch sein. Das Wort »Diva« soll im Zusammenhang mit der aparten Box mehr als einmal gefallen sein. Der Haken: So ein adäquater Verstärker kostet eine erhebliche Summe, das Finden ist aufwendig, und ein Trial- und Error-Prinzip verbietet sich aufgrund dessen eigentlich erst recht. Warum also die Problemlösung nicht demjenigen übergeben, der es aufgeworfen hat? Nämlich dem Hersteller. Bei KEF weiß man naturgemäß am besten, was notwendig ist, um eine LS 50 optimal zu betreiben.

Die zentrale Leistungsfrage wird bei der aktiven Version sehr reichhaltig beantwortet, denn KEF hat die Box mit einer 200-Watt-Endstufe ausgestattet. Und zwar pro Kanal. Nur für den Bass-Bereich. Der Mittelhochton wird zusätzlich mit einer eigenen 30-Watt-Endstufe versorgt. Wieder pro Kanal. 200 + 200 + 30 + 30 = 460 Watt in toto! Wie ernsthaft das Team um Chefentwickler Jack Ocklee-Brown bemüht war, die aktive Variante der LS 50 so perfekt wie möglich zu konzipieren, zeigt sich auch daran, dass unterschiedliche Verstärker-Technologien um Einsatz kommen. Die Sektion für den Hochtöner basiert auf einer Mosfet-Schaltung, der besonders harmonische Wiedergabe zugesprochen wird.

Im Tiefmitteltonbereich hingegen agiert ein Class-D-Verstärker, der gerade bei der fordernden Bass-Arbeit seine Stärken hat – und praktischerweise wenig Raum für viel Leistung beansprucht. Durch die individuelle Anpassung der internen Verstärkermodule an die typischen Eigenschaften des Chassis – zum Beispiel an dessen spezifischen Impedanzverlauf – wird schon auf dieser Ebene ein Optimierungsniveau etabliert, welches ein externer Amp eines beliebigen Herstellers per se nicht erreichen kann.

DSP-Steuerung

Die Verwendung von vier Endstufen für die zwei Lautsprecher macht deutlich, dass wir es hier mit echtem Bi-Amping zu tun haben. Diese optimale Verstärker-Konstellation wird intern über jeweils eine digitale Frequenzweiche angesteuert. Hier liegt der nächste Vorteil der LS 50 Wireless. Herkömmliche analoge Frequenzweichen leiden unter zwei potentiellen Störfeldern: Im Zusammenspiel mit dem Treiber können sich Zeitverzögerungen ergeben und Phasen-Verzerrungen entstehen. Bei einer von digitalen Signalprozessoren gesteuerten Aktiv-Weiche hingegen entfallen diese potentiell qualitätsmindernden Aspekte, die durch das Arsenal von Kondensatoren, Spulen und Widerständen verursacht werden. Alle einkommenden Signale werden intern auf 24 Bit/192 Kilohertz hochgerechnet, um eine verlustfreie optimale Verarbeitung zu gewährleisten und Rundungsfehler zu vermeiden. In diesem Setting gelingt es KEF, das Potential des Uni-Q-Lautsprecherchassis in jeder Hinsicht vollends auszuschöpfen. Mehr geht nicht.

Beide Lautsprecher sind einerseits streng identisch aufgebaut –jeweils mit zwei Endstufen, zwei D/A-Wandlern (einer pro Töner!), zwei Stromversorgungslinien (analog und digital) und eigenen DSP-Weichen. Andererseits herrscht aber auch das Master/Slave-Prinzip vor, bei dem ein Hauptlautsprecher als Ansprechpartner für die zu erwartenden Zuspielgeräte fungiert. Dieser Master-Speaker enthält eine vollwertige Vorverstärker-Sektion mit Eingängen für kabel-basierte Verbindungen; es stehen ein asynchroner USB-Anschluss für den Computer, ein optischer Digitaleingang und ein Analog-Input bereit. Diese sind direkt über das Bedienfeld auf der Oberseite des Master-Speakers anzuwählen. Oder über die mitgelieferte, gut in der Hand liegende Fernbedienung in klassischer Anmutung, deren Farbgestaltung jeweils an die Ausführungskompositionen der LS 50 Wireless angepasst ist: KEF bietet nämlich die drei Farb-Kombinationen Grau/Rot, Weiß/Kupfer oder Schwarz/Blau an.

Plus Wireless

Die LS 50 nur zu aktivieren, war KEF nicht genug. Man hat ihr zusätzlich einen Streaming-Client implementiert, der aus dem Paar Aktiv-Lautsprecher eine moderne Musikanlage für kabellosen Musikgenuss macht. Genau genommen hundertprozentig kabelfrei funktionieren die LS 50 Wireless jedoch nicht, denn Master- und Slave-Box werden via Ethernet-Kabel miteinander verbunden. Eine Integration der Zuspielgeräte können andere Anbieter via Sendemodul auch ohne Verbindungskabel zum Lautsprecher bewerkstelligen, wie zum Beispiel Dynaudio in der XEO-Serie zeigt. Im Falle der KEF LS 50 Wireless müssen externe Komponenten für die Eingänge USB, Digital-In und Analog-In immer in der Nähe der Masterbox platziert sein. Aber dank der entscheidenden zentralen Fähigkeit – Abspielen von Musikdateien aus dem Netzwerk über das WLAN – tragen die KEF LS 50 Wireless ihren Titel nicht zu Unrecht. Ob es sich die Marketing-Abteilung mit der Wahl des Trendbegriffs Wireless aber vielleicht doch etwas zu leicht gemacht hat, ist eine andere Frage.

Die Organisation dieser Musikbibliothek und die Steuerung des Abspielvorgangs erfolgt über eine hauseigene App, die von KEF zum kostenlosen Download im App-Store (iOS) oder bei Google Play (Android) bereitgestellt wird. Das Aufspielen der Software auf mein iPad war der erste Vorgang, der direkt nach dem Auspacken und dem Platzieren der Boxen auf dem bewährten Target-Standfuß erfolgt ist. Die App leitet sicher durch diese notwendige Routine zur Inbetriebnahme, bis nach kurzer Zeit der erste Song ertönen kann.

Mehrwert-App

Die KEF-App vermag aber weit mehr als nur die Lautsprecher im Netzwerk einzubinden und die Wiedergabe von Musikdateien zu arrangieren. Sie ist auch für klangliches Feintuning inklusive Ausrichtung an die räumlichen Gegebenheiten und persönlichen Klangvorlieben verwendbar. Zwar finden sich bereits auf der Rückseite des Master-Lautsprechers zwei kleine Regler zur schnellen Anpassung an die Position der Box, aber die App geht viel weiter. Je nach Beschaffenheit des Zimmers (von modern & klar bis traditionell & gemütlich) oder der Aufstellung (Standfuß oder Regal sowie Wandabstand) kann der Lautsprecher via Schieberegler optimal eingestellt und/oder Bassanteile nach Situation und Geschmack dosiert werden. Der integrierte DSP sorgt für die notwendigen Frequenzgang- und Phasenkorrekturen – ohne das Klangbild dadurch negativ zu beeinflussen. Damit eignet sich die KEF LS 50 Wireless hervorragend für diejenigen anspruchsvollen Musikliebhaber, die keinen dezidierten akustisch optimierten Hörraum zur Verfügung haben, sondern in einem normalen Wohnumfeld das beste Klangergebnis erreichen möchten. Hier passt sich die Box via App in klar verständlicher Sprache den Bedürfnissen von Raum und Nutzer an – und nicht umgekehrt.

Im weitergehenden »Expert Modus« lassen sich die Bass- und Höhenanteile feiner justieren sowie die Phasen-Korrektur an/ausschalten. Sehr detailliert wird hier auch die Integration eines Subwoofers geregelt, der mittels Anschluss am Master-Lautsprecher eingebunden werden kann. Für den ausgiebigen Hörtest habe ich die Einstellungen entsprechend dem auch auf der Geräterückseite einzustellenden Standard-Setting gewählt, das in jeder Betriebsart aktiv ist: Platzierung frei im Raum und auf einem Standfuß.

Basic Bluetooth

Weil die Spannung und somit Ungeduld doch sehr groß war, kam erst einmal die praktische Bluetooth-Fähigkeit ins Spiel – die schnellste Methode, um die Boxen zum Spielen zu bringen. Ungeduldig wird das iPhone gezückt, der im Einstellungen-Menü aufpoppende KEF LS 50 Wireless ausgewählt und iTunes angeschoben. Der Vorgang geht leicht vonstatten und signalisiert sogleich: Gerät funktioniert. Das klingt ganz ordentlich und ist für viele gelegentliche Musikhörer oder für die Nebenbei-Beschallung sicher eine praktische Lösung. Nutzer von Android-Smartphones können hier zudem vom höherwertigen aptX-Standard profitieren, welchen die KEF-Box zusätzlich unterstützt. Aber als HiFi-Snob weiß man: Ernsthaftes Hören mit den LS 50 Wireless geht auf anderen Wegen. Also weiter ab ins Netzwerk.

Unter »Media Server« werden die von DLNA-kompatiblen Speichern wie zum Beispiel einer NAS bereitgestellten Dateien sichtbar und über die App angewählt. Das Finden geht erstaunlich schnell vonstatten, und alsbald hat man Zugriff auf alle seine Musikdateien, die sich innerhalb der App zu Playlisten zusammenfügen lassen. Fast alle gängigen Formate sind vertreten, nur ALAC sowie DSD sucht man leider vergebens. Hinweis: Derartige Einschränkungen gelten natürlich nicht, wenn externe Geräte mit dem KEF-Lautsprecher verbunden werden, die diese Formate unterstützen.

Media-Player inklusive

Der integrierte Media-Player der App konzentriert sich auf die Basis-Funktionen einer Abspiel-Software, dezidierte Streaming-Produkte bieten da in der Regel mehr – zum Beispiel eine übergreifende Suche. Sehr schön geraten ist die grafische Gestaltung des zentralen Abspielfensters einer Datei – mit großem Volumen-Schieberegler, der in meinem WLAN allerdings etwas zeitverzögert ansprach. Auch punktete die App nicht immer durch Stabilität. Hier hat KEF noch Luft nach oben. Aber bei Software kann dieser Weg zur Optimierung erfahrungsgemäß ja ein ganz kurzer sein, weswegen wir den mahnenden Finger nicht zu hoch heben wollen. Insbesondere da KEF mit dem Update von Ende Mai bewiesen hat, dass man das Feintuning ernst nimmt. Diese App-Version 1.2 läuft merklich sicherer und erfreut durch die direkte Integration des Musik-Services Tidal, dessen Abonnement-Modell »HiFi« in CD-Qualität streamt. Andere Streaming-Dienste wie Spotify oder Qobuz sind derzeit über Bluetooth von einem Smartphone oder Tablet oder via USB vom Rechner einzuspeisen. Die KEF-App selbst unterstützt diesen direkten Zugriff (noch) nicht. Zumindest der Draht zu Spotify ist jedoch von KEF für ein kommendes Update bereits angekündigt. Bis dahin kann man sich einfach behelfen, indem man die App des bevorzugten Anbieters auf dem jeweiligen Quell-Gerät nutzt.

Neues Qualitätsniveau

Als ersten ernsthaften audiophilen Track wähle ich über die installierte WLAN-Verbindung meinen CD-Rip von Arto Lindsays »Erotic City« – und muss mich umgehend bemühen, die Kinnlade aufzufangen, die soeben heruntergeklappt ist. Auf dieser wunderbaren Cover-Version des Prince-Songs drückt von Anfang an ein ausnehmend satter synthetischer Bass durch das ganze Stück – und die aktive KEF LS 50 überträgt ihn mit einer Tiefe, Präzision und Selbstverständlichkeit, die für einen Speaker dieser Größe bisher unmöglich schienen. Ein solches Maß an raumfüllender Wucht konnte in meinem Hörraum bisher kein Kompaktlautsprecher erreichen; auch das Mitschwingen von Gläsern auf dem Regal war mir bei so kleinen Boxen mit 13er-Treiber bisher nicht aufgefallen.

Aber damit nicht genug: Auf diesem Musiktitel leitet ein Timbales-Break die Verwendung von allerhand südamerikanischen Perkussions-Geklöppel ein, das die KEF jetzt mit bewundernswerter Trennschärfe und Zackigkeit darbietet. Selbst wenn sich eine tonal ähnlich gelagerte Akustikgitarre über einige angerissene metallische Saiten, ein quietschender Synthesizer oder ein ganz anders gelagerter E-Piano-Einwurf dazu gesellen, bleibt das Klangbild absolut stabil und extrem aufgeräumt, ohne auch nur ansatzweise erbsenzählend zu wirken. Die bekannte LS 50-Qualität der ausnehmend ganzheitlichen, in sich stringenten Hör-Erfahrung wird hier nicht nur mühelos beibehalten, sondern auf ein neues Niveau gehoben. Der Vorteil einer DSP-gesteuerten Zeitrichtigkeit/Phasenkorrektur lässt sich nicht mehr wegdiskutieren, sondern eindeutig nachzuvollziehen. Der klangliche Zugewinn ist sehr real.

USB Asynchron

Um dieses Potential weiter auszureizen, kommt mir ein HiRes-File von Leonard Cohens Opus »You Want It Darker« gerade recht. Da die kabellose Übermittlung hochaufgelöster Dateien zur KEF LS 50 Wireless in extremer Abhängigkeit von der Leistungsfähigkeit des vorhandenen Routers steht, führt der Weg jetzt sicherheitshalber zu einer unmittelbaren Verkabelung: vom Mac Mini mit Amarra-Player-Software in den USB-Port der Master-Box.

Dieser Titel-Track des letzten Cohen-Albums wird von einem dominanten Motiv angetrieben, welches sich hier zweifelsfrei als handgespielter E-Bass darstellt, bei dem kundige Bassisten wahrscheinlich sogar Marke, Saitenwahl und Baujahr raushören können. Dieses Differenzierungsvermögen der LS 50 Wireless auch im Bereich tieferer Frequenzen setzt sich bei der Stimme von Leonard Cohen fort: Man nimmt eindeutig wahr, dass neben der »Kopfstimme« noch ein vibrierender Körper mitschwingt, der für den tonalen Unterbau und somit die charakteristische Ausprägung der Stimme sorgt. Dass man dem Meister so näher denn je kommt, ist nur folgerichtig und eine faszinierende Erfahrung. Letztlich genau das, was wir anstreben: Verbindung zum Künstler aufnehmen.

Für diese besonders intensive Begegnung zeichnet auch das überragende Rundstrahlverhalten der LS 50 Wireless verantwortlich. Der Klang breitet sich frei im Raum aus; der »Sweet Spot« wird obsolet, auch außerhalb der optimalen Position bleibt der Eindruck hochgradig naturnah. Denn: Einen Menschen erlebt man ja auch nicht nur von einem einzigen perfekten Sitzplatz heraus. Diesen realen Vorteil bietet die KEF-Box durch ihr außergewöhnliches koaxiales Chassis in optimierten Gehäuse mit zusätzlichem DSP-Feintuning.

Aktiv versus Passiv

Nach dieser überragenden Vorstellung war mir etwas mulmig bei dem Gedanken, meine über die Jahre liebevoll zusammengestellte, auf die passive LS 50 optimierte Anlagen-Konstellation gegen den aktiven Newcomer antreten zu lassen. Immerhin handelt es sich hier um eine Kombination aus Hybrid-Endstufe mit 2 x 300 Watt, passendem Vorverstärker plus externem D/A-Wandler, die mit aufwendiger Verkabelung etwa dreimal so teuer ist wie die neue LS 50 Wireless.

Die etwas zerknirschte Erkenntnis: Die Aktiv-Version der LS 50 hat eindeutig zu benennende Vorteile. Deren Klangbild ist extrem »auf den Punkt«. Das ist nicht ein Promille ungenau – da sitzt jeder Impuls, jeder Anstrich absolut akkurat und zackig. Kontrolle und Feindynamik sind superb. Und zwar über den gesamten Frequenzbereich. Die passive LS 50 ist in meinem spezifischen Setting den eigenen Vorlieben entsprechend minimal runder und »freundlicher«, wirkt dabei aber auch langsamer – die LS 50 Wireless hingegen ist rasant, gnadenlos präzise und im Zweifel der klanglichen Wirklichkeit näher. Zumindest wer eine LS 50 im Studio benutzt, kommt nicht umhin – er muss zwangsläufig upgraden auf die aktive Version.

Die passive LS 50 erlaubt – mit erheblichem Aufwand – zwar ein wenig Zurechtschneidern nach dem persönlichen Geschmack. Die aktive hingegen ist aber zweifellos diejenige, die dem reinen High-Fidelity-Gedanken näherkommt. Zu einem Bruchteil des Preises. Und zwar direkt aus dem Pappkarton genommen, ohne aufwendiges Anlagen-Feintuning, Voodoo oder »Gedöns«. Die KEF LS 50 Wireless bietet stattdessen den absolut niedrigschwelligsten Zugang zu einem unglaublichen Klangerlebnis. Auspacken. Anschließen. High End. Fertig.

Upgrade-Potential

Mit der KEF LS 50 Wireless endet für den engagierten Audio-Bastler aber auch ein gewisser Spaßfaktor, denn die Suche nach Amp, Vorverstärker, DAC etc. ist obsolet geworden. Verheißungsvolle Möglichkeiten zum Feintuning ergeben sich allenfalls im Rahmen von Zuspieler, Ständer oder Kabel. Diese Gelegenheit wollte ich dann doch nicht vorbeiziehen lassen. Kurzerhand ersetzte ich ein handelsübliches USB-Kabel durch das USB Ultra III 5N von der Firma Habst. Ein i-fidelity.net-Leser hatte uns gebeten, diese Kabel der bisher vor allem im Studio-Bereich tätigen Berliner Manufaktur einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Und tatsächlich: Deren Ruf als Geheimtipp kommt nicht von ungefähr.

Über das aus feinstem Reinsilber gefertigte, kryogenisierte Habst-Kabel wirkt die Musik, als wäre sie durch einen zusätzlichen Zoom scharfgestellt. Es ist wie der Besuch beim Augenarzt: Gerade noch konnte man die Buchstabenreihe an der Wand gut lesen, eine neue Stärke kommt hinzu – und plötzlich ist es gestochen scharf. Die räumliche Tiefe über das Habst nimmt dramatisch zu, ebenso die Luft zwischen den einzelnen Instrumenten, die wie separat freigestellt wirken. Die besondere Fähigkeit der aktiven LS 50 zur Darstellung feinster Dynamik-Abstufungen kommt hier in voller Glorie zum Vorschein.

Bei der Live-Aufnahme »Mistake« von den Berliner Jazztagen aus der »Zombie«-CD-Wiederveröffentlichung von Fela Kuti & Africa 70 wird schon während des einsetzenden Applaus deutlich, dass dieser sich aus einzelnen Elementen zusammensetzt und nicht einfach bloß ein amorpher Schwall Geklatsche und Gejohle ist. Auch dass der nigerianische Ausnahmekünstler anfangs auf dem E-Piano ganz schön rumeiert, bis er den Beat gefunden hat, wurde mir noch nie so deutlich vor Augen geführt. Und als dann der mächtige Groove mit vollem Band-Einsatz losfegt, führt das zu begeistertem Luftschlagzeugspielen meinerseits. Diese Kombination KEF & Habst macht große Freude.

Mit 899 Euro in der 1.0-Meter-Länge ist das Habst zweifelsohne ein Upgrade für den besonders ambitionierten Hörer, der auch die letzte kleine Hallfahne auf dem Gesang erhören möchte. Aber der über die KEF LS 50 Wireless genossene klangliche Mehrwert mit dem Ultra III 5N ist absolut frappierend. Es geht in Sachen Perfektionierung jedoch auch eine Nummer kleiner – schon ein QED USB Reference AB verspricht akustischen Zugewinn, und zumindest die mitgelieferten Standard-Netzkabel könnten durch zwei IsoTek EVO 3 Initium oder Premier ausgetauscht werden. Diese beiden Maßnahmen sind mit deutlich überschaubarerem finanziellen Einsatz realisierbar. Das ganze Upgrade-Thema läuft aber immer unter der Kategorie »Alles kann, nichts muss«. Schon direkt aus dem Karton spielt die aktive KEF LS 50 wundervoll auf.

Die KEF LS 50 Wireless ist endgültig die kleine, schicke, nahezu unsichtbare HiFi-Anlage, die das Leistungsvermögen einer größeren, teueren, deutlich umfassenden klassischen High-End-Lösung erreicht. Was seit Jahrzehnten versprochen wurde, aber geschulten Ohren selten standhielt, ist hier Wirklichkeit geworden.

Hersteller:   KEF, Maidstone, England

Vertrieb:   GP Acoustics, Essen

Modell:   LS50 Wireless

Kategorie:    Aktiv-Lautsprecher Wireless

Paarpreis:   2.299 Euro

Garantie:   2 Jahre

Konstruktion:   Zwei-Wege-Bassreflex

Bestückung:   1 x 25-mm-Kalotten-Hochtöner (Aluminium), 1 x 130-mm-Mittel-/Tieftöner (Magnesium/Aluminium)

Terminal:   Master: S/PDIF Optisch, Stereo-Analog In Cinch, USB asynchron, Ethernet (2x), Subwoofer Out, Bluetooth aptX

Slave:    Ethernet

Ausführungen:

  • Titan-Grau/Rot
  • Hochglanz-Schwarz/Blau
  • Hochglanz-Weiß/Kupfer


Abmessungen (B x H x T):   20 x 30 x 31 cm

Gewicht:
   10,2 kg (Master), 10,0 kg (Slave)

GP Acoustics GmbH
Kruppstr. 82 – 100
45145 Essen

Internet:   https://de.kef.com/
E-Mail:   sales(at)gpaeu.com

Facebook:   https://www.facebook.com/KEFDeutschland

Telefon:   0201 / 1 70 39 - 0
Telefax:   0201 / 1 70 39 - 100

KEF macht mit der Aktiv-Version des LS 50 aus einem Kult-Lautsprecher eine quasi unbezwingbare moderne Stereo-Anlage. Für 2.300 Euro erhält der Kunde unfassbar gute Klangqualität, ikonisches Design und zeitgemäßen Komfort. Ich vermag mir zu diesem Preis kein aktuelles Stereo-Set vorzustellen, welches – egal in welcher Zusammensetzung – eine Wiedergabequalität ermöglicht, die mit den KEF LS 50 Wireless konkurrieren kann. Wer dieses Budget zur Verfügung hat, sich komplett neu aufstellen und den maximalen Klangertrag erzielen möchte, hat keine Wahl mehr. Es kann nur eine Entscheidung geben: KEF LS 50 Wireless. Selten war es so leicht und nachgerade zwingend, einem Produkt das begehrte i-fidelity.net-Qualitätssiegel »Referenz« zuzuweisen wie im Fall der KEF LS 50 Wireless.   André Schwerdt

KEF LS50 Wireless
Paarpreis: 2.299 Euro
Garantie: 2 Jahre
überragend
gut - sehr gut
sehr gut
überragend
überragend

TEST

Lautsprecher:
KEF LS50 Wireless
Autor:
André Schwerdt
Datum:
12.06.2017
Hersteller:
KEF