Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Oder doch? Hier kommen die erstaunlich günstigen Kompakt-Lautsprecher Spektor 1 von Dali.

Haben die den Verstand verloren? Wahrscheinlich ist doch etwas faul im Staate Dänemark. Da fertigt man im Norden des Landes bei Dali seit Jahren eine Lautsprecherserie namens Zensor, deren Preis-Gegenwert kaum zu übertreffen sein dürfte. Alles ist gut, jeder könnte sich entspannt zurücklehnen. Und auf die Frage, ob sich preislich nicht noch etwas unterhalb der Zensor-Modelle etablieren lässt, müsste die Entwicklungsabteilung eigentlich mit schallendem Gelächter geantwortet haben. Doch das Lachen ist verstummt – und die vier Modelle der neuen Spektor-Serie sind auf dem Markt. Dazu gehören ein Center-, zwei Kompakt- sowie ein Pärchen Standlautsprecher. Mehrkanal- und Stereoanwendungen können folglich in unterschiedlichen Konfigurationen zusammengestellt werden.

Für die Ermittlung des Gewichts der kleinen Dali Spektor 1 muss dieses Mal nicht die Paket-, sondern die Küchenwaage herhalten: 2.664 Gramm. Und sie ist ausgesprochen kompakt mit 24 Zentimetern Höhe bei 14 Zentimetern Breite, das ist unübersehbar. Dieses »Bisschen« soll tatsächlich Musik machen? Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Dali-Konstrukteure eine Menge getan, beispielsweise bei der Bestückung mit hausgemachten Chassis. Das 11,5-Zentimeter-Tieftonchassis verfügt über einen ordentlichen Antrieb und die typische rote, holzfaserverstärkte Papiermembran. Die kennen wir in dieser Form auch aus den anderen Dali-Serien. Wie geht das für 200 Euro Paarpreis? Die Antwort ist simpel: Dali hat vor Jahren im dänischen Hauptwerk damit begonnen, eigene Chassis zu fertigen. Das senkt nicht nur die Herstellungskosten, sondern ermöglicht es natürlich auch, zu experimentieren.

Oberhalb von 2.100 Hertz übernimmt eine mit 21 Millimetern Durchmesser eher klein geratene Gewebe-Kalotte die Übertragung. Ihr vorgeschaltet ist ein definierter Schalltrichter, der das Abstrahlverhalten begünstigen soll. Angesteuert von einer kompakten, mit ordentlichen Bauteilen bestückten Frequenzweiche können beide Treiber optimal arbeiten. Die Frage ist nur, auf welchem Niveau sie ihre Arbeit erledigen werden. Dali spendiert der Spektor 1 einen kleinen Bügel, mit dessen Hilfe die Wandmontage möglich ist. Das hilft natürlich auch, wenn sie in Mehrkanal-Konfigurationen die rückwärtigen Kanäle übernehmen soll. Doch dafür ist sie eigentlich zu schade, wie sich im Hörtest herausstellte.

Mit beiliegender Halterung kann die Spektor 1 an der Wand montiert werden. Das klanglich beste Ergebnis wird erzielt, wenn sich der Hochtöner auf Ohrhöhe befindet.
Unter dreißig Grad ist das Abstrahlverhalten der Spektor 1 optimal, deshalb sollte sie nicht zum Hörplatz hin eingewinkelt werden.

Es ist naheliegend, sich bei diesem Winzling keine allzu großen Klang-Hoffnungen zu machen. Wie soll denn bei dem geringen Volumen auch echter Bass zustande kommen? Um uns diese Erwartungen möglichst in den ersten Stunden bestätigen zu lassen, stellten wir die Spektor 1 auf circa 70 Zentimeter hohen Standfüßen frei im Raum auf. Das ist ganz schön gemein, denn damit musste sie ohne unterstützende Wirkung einer Wand auskommen. Was dann allerdings passierte, ist noch harmlos mit »Shocking Blues« beschrieben. Zunächst haben kleine Schallwände mit eng beieinander montierten Chassis ja den Vorteil, dass sie räumlich gut abbilden können. Und das macht die Spektor 1 auch. Sie löst das musikalische Geschehen wunderbar auf, bildet Stimmen genau in der Mitte der Basis ab und spielt dabei auch noch präzise.

Im Grund- und Tieftonbereich fehlt es ihr naturgemäß etwas an Volumen, aber die Dali-Entwickler haben nicht den Fehler begangen, dem Chassis Dinge zuzumuten, die es nicht kann. Aber das, was es kann, macht es tadellos – bravo. Den nächsten Pluspunkt ergattert die kompakte Dali dank ihrer kaum verfärbenden Klangeigenschaften. So kann man sich Klaus Doldingers Saxophonspiel als solches gut anhören, ohne dass es den kleinsten Hang zu einem »Mickey-Mouse-Sound« gibt. Für diese Preisklasse ist das einfach zu gut. Also kleben wir die beiliegenden Gummifüße unter die zierliche Dali und platzieren sie im Regal. Hierbei ist darauf zu achten, dass sich beide Lautsprecher etwa auf Ohrhöhe befinden, sonst fällt das Klangbild auseinander.

Kein Eigentor

Was wir vermutet hatten, bestätigte sich nun. Im Grundton legte die Spektor 1 in angenehmem Maße zu, die Wandunterstützung ist also doch ratsam. Auch hier musiziert sie neutral und löst vor allem kleinere Jazz-Besetzungen hervorragend auf. Es ist schon erfreulich, was aus diesen Winzlingen an Schallereignissen herauskommt. Wenn es normalerweise immer heißt, für mehr Bass können Sie einen Subwoofer parallel schalten, sagen wir deutlich, Finger weg davon. Sicher würde ein Aktivbass das Spektrum nach unten erweitern, aber gleichzeitig würde er das vorhandene Klangbild sowohl seiner Durchzeichnung als auch seiner Präzision berauben. Alternativ gibt es ja auch noch die beiden größeren Spektor-Modelle. Für uns ist sie kein Lautsprecher für den Nebenschauplatz, die 1er gehört auf die Hauptbühne – und das zu diesem Kurs!

Dass eine Serie à la Spektor überhaupt realisierbar ist, hat mit den weitreichenden Fertigungsmöglichkeiten im dänischen Werk zu tun. Dort werden die Chassis mittlerweile nicht mehr nur entwickelt, sondern auch gefertigt.

Lautsprecher Dali Spektor 1

Impedanzminimum:   5,0 Ohm @ 217 Hz

Nennimpedanz (± 20% Toleranz):
   6 Ohm

Empfindlichkeit:   82 dB (2,83 V / 1m; 500-5.000 Hz)

 

 

Die Dali-Spektor-Familie besteht aus den Kompaktlautsprechern 1 und 2, dem Standlautsprecher 6 und dem Center-Wandler Vokal.

Hersteller:   Dali, Dänemark

Vertrieb:   Dali Deutschland GmbH, Bensheim

Modell:   Spektor 1

Kategorie:   Kompaktlautsprecher

Paarpreis:   198 Euro

Garantie:   5 Jahre

Konstruktionsprinzip:   Zwei-Wege-Bassreflex

Bestückung:   1 x 11,5-Zentimeter-Tief-Mitteltöner, 1 x 21-mm-Gewebekalotte

Übergangsfrequenz:   2.100 Hertz

Terminal:   Single-Wiring

Lieferumfang:   Bedienungsanleitung, Wandhalter, Gummifüße

Ausführungen:   Schwarz, Walnuss

Abmessungen (B x H x T):   14 x 24 x 20 cm

Gewicht:   2,6 kg

 

 

Dali GmbH
Berliner Ring 89
64625 Bensheim

Tel:   0 62 51 / 9 44 80 77
Fax:   0 62 51 / 9 44 80 75

Internet:   www.dali-deutschland.de

Facebook: https://www.facebook.com/DaliLautsprecherDeutschland

Mit der Spektor 1 hat Dali alles andere als ein Eigentor geschossen. Im Gegenteil, mit diesem Kompakt-Lautsprecher ist auf die beste Weise bereits gutes Musikhören möglich. Die Einsatzmöglichkeiten sind breitbandig: Ob mit der Halterung an der Wand montiert, auf einem Regalboden oder selbst freistehend funktioniert die Dali einwandfrei. Mit diesen Tugenden wird die Spektor 1 mit Sicherheit sehr erfolgreich werden.   Olaf Sturm

Dali Spektor 1
Paarpreis: 198 Euro
Garantie: 5 Jahre
sehr gut
gut
sehr gut
sehr gut

TEST

Lautsprecher:
Dali Spektor 1
Autor:
Olaf Sturm
Datum:
20.03.2017
Hersteller:
Dali