Mit der Principia-Linie wagt sich der italienische Nobelhersteller Sonus Faber weiter als bisher in unbekannte Preisregionen. Anhand des Standlautsprechers Principia 7 stellen wir uns der Frage: Wieviel von den Sonus-Faber-Werten ist in der günstigsten Modellreihe noch zu spüren?
Die silber umrahmten Chassis im Alu-Look kommen auf dem matten Gehäuse besonders gut zur Geltung. Für eine unauffälligere Erscheinung lassen sich magnetisch haftende Frontabdeckungen anbringen.

Der Erfolg von Sonus Faber fußt auf vier Säulen: extraordinäres Design, edle Materialien, makelloses Handwerk, besondere Klangqualität. Diese Vierfaltigkeit hatte naturgemäß stets ihren Preis. Doch zuerst mit der Chamäleon-Serie und jetzt mit der Principia-Baureihe versuchen die Italiener das Kunststück, neue Kundenkreise mit weniger reich gefülltem Konto zu bedienen und dabei möglichst viel von der Firmen-DNA zu bewahren.

Beim Blick auf dieses größte Modell der Principia-Serie kann man gleich konstatieren, dass in puncto Design keine Kompromisse gemacht wurden. Die außergewöhnliche Gestaltung mit Softline-Kanten und nach hinten geneigter, trapezförmiger Säulenform unterscheidet sich positiv von den gängigen Erscheinungen schlanker Standlautsprecher dieses Preisgefüges. Außerdem verstehen es die Italiener, durch geschickt platzierte Elemente wie der abgesetzten Frontpartie oder den silbernen Alu-Ringen optische Akzente zu setzen. Im Land der »Bella Figura« hat man eben ein Händchen für gelungene Formsprache. Dass das Gehäuse nur schwarz-matt strukturfoliert wurde, ist einer der Kompromisse, mit denen der preisbewusste Kunde leben muss. Andererseits stellt die Principia 7 im derzeit bei Standboxen herrschenden Diktat von Hochglanzlack mit ihrem weniger plakativen Auftritt eine dezent-geschmackvolle Alternative dar.

Das Principia-Gehäuse entspricht in den Außenabmessungen exakt der Chamäleon T, jedoch ohne den aufwendigen Lederbezug und die wechselbaren, unterschiedlich farbigen Seitenteile. Durch den Verzicht auf eine Gehäuse-Neuentwicklung und daraus resultierend höhere Produktions-Stückzahlen konnte ein weiterer Kostenfaktor auf dem Weg zum optimalen Klangergebnis für das kleine Budget eliminiert werden. Zwangsläufig werden die Principia-Modelle nicht mehr in Italien handgefertigt – bei dem avisierten Paarpreis von 1.350 Euro eine folgerichtige Selbstverständlichkeit. Die Herstellung findet in Asien statt, wo sich Sonus Faber in guter Gesellschaft mit vielen Wettbewerbern befindet. Die grundsätzliche Konzeption der Lautsprecher jedoch hat man vollständig im Stammwerk im Vicenza durchgeführt. Das gilt auch für die hauseigenen Chassis.

Das Gehäuse der Principia 7 ruht auf einem soliden Sockel, der mit Hilfe von Spikes an den Boden gekoppelt ist.

Original Sonus-Faber-Niveau

Die bei der Principia 7 zweifach verwendeten 18-Zentimeter-Tieftöner und der 15-Zentimeter-Mitteltontreiber wurden eigens für diese neue Serie entwickelt – wobei der markante, auf dem matten Gehäuse besonders gut zur Wirkung gelangende Aluminium-Look täuscht. Alle Membranen bestehen aus Polypropylen und sind mit einer Spezialbeschichtung versehen. Ein starker Antrieb, ausladende Spinne und aerodynamisch optimierte Körbe versprechen hohe Hübe und geringe Kompressionseffekte für eine impulsstarke Performance. Als Hochtöner fungiert die bereits aus der teureren Chamäleon-Reihe bekannte, mit 29 Millimetern überdurchschnittlich große Kalotte, welche hier über einen in die Schallwand eingearbeiteten zweiteiligen Waveguide ihren hochfrequenten Charme versprüht.

Da i-fidelity.net-Chefredakteur Olaf Sturm in seinem Bericht über das kleinste Modell Principia 1 lobende Worte fand, war ich sehr gespannt, wie sich das Principia-Flaggschiff in meinem Hörraum bewähren würde. Hierfür paarte ich die – zuvor ausgiebig eingespielten – Lautsprecher mit der Vincent-Kombination SA 31 MK / SP 20. Diese hybrid-konzipierten Röhren/Transistor-Amps liegen preislich zwar mindestens eine Klasse über den relativ günstigen Sonus-Faber-Boxen, können andererseits deren Eigenschaften aber bis zum Maximum ausreizen. Zudem empfehlen die Prospektangaben der Principia sehr vollmundig, Verstärker im Bereich von 40 bis 300 Watt einzusetzen. Also nehmen wir die Italiener beim Wort.

Der schlanke Standlautsprecher wird mit Abstand von einem Meter zur Rückwand auf seinen mitgelieferten Spikes platziert und von einigen Tracks aus dem Hause Pole zum Schwingen angeregt. Diese mir während jüngst erfolgter iTunes-Archivierungsarbeiten wieder aufgefallenen Werke des Berliner Mastering-Meisters Stefan Bethke zeichnen sich durch knochentrockene Impulse, tiefreichende Räume und im zweiten Untergeschoss wohnhafte Bässe aus.

Das solide Anschlussterminal ermöglicht Bi-Wiring/Bi-Amping-Betrieb. Unser Tipp: bei Single-Wiring die nicht ganz standesgemäßen Metallbrücken durch kurze Kabel austauschen!

Bei »Silberfisch« vom 2000er-Opus »Pole 3« gibt die Principia die schwergewichtigen Tiefton-Verwerfungen mit angemessener Substanz und auffallender Präzision wieder. Da schmiert und wabert nichts – die Basstöne kommen gut austariert und vielschichtig auf den Punkt. Der Klang löst sich hervorragend von den Boxen, der Pole-typische weite Hallraum hat die gewünschte große Dimension, während die knuspernden Klickgeräusche ein gutes Maß an Zackigkeit erfahren. Selbst wenn der Pegel weit über sozial akzeptierte Maße ansteigt, verliert die Principia 7 nicht die Contenance und spielt unverzagt und unverzerrt weiter. Sie schlägt sich außerordentlich wacker, insbesondere da sie kaum für derartige elektronische Musik entworfen sein dürfte, die sich vorrangig an monströse Club-PA-Lautsprecher richtet. Einstecken kann diese Box auf jeden Fall.

Bestechende Harmonie

Stilistisch adäquater geht es beim folkigen Pop-Song »Misread« aus dem Debütalbum der Kings Of Convenience zu. Den Duettgesang der beiden Norweger stellen die Sonus-Faber-Speaker in einer angenehmen Balance dar, die Mischung aus Differenzierung und Einklang ist sehr gut gelungen. Das unterstützende Motiv auf der Geige bekommt den gewünschten zarten Schmelz, während der durchlaufende Kontrabass gut nachvollziehbar seiner Wege spielt. Das klingt sehr erfreulich und wie aus einem Guss, was die Principias ihrem auffallend bruchlosen Übergang zwischen Mitteltöner und Hochtonkalotte im kritischen Bereich von 2.500 Hertz verdanken. Hier hat der Entwickler Paolo Tezzon hervorragende Arbeit geleistet.

Aus der CD »Startime« des Yuri Honing Trios hat sich die inspirierte Cover-Version vom Police-Klassiker »Walking On The Moon« als beliebter Track bei HiFi-Vorführungen etabliert. Aber auch der Eröffnungstitel »Isobel« hat musikalisch und aufnahmetechnisch viel zu bieten. Das sehr dominant in den Vordergrund gemischte Saxophon kann auf minderbegabten Boxen leicht ins Anstrengende kippen; die Principia 7 hingegen schafft sehr gut den Spagat zwischen nüchterner Informationsübermittlung und wohlwollender Darstellung – und entscheidet sich im Zweifelsfall eher für das Angenehme als das Anstrengende. Das heißt aber nicht, dass wir dynamisch etwas verpassen. Die extrem explosiv gespielten Drum-Eskapaden von Schlagzeuger Joost Lijbaart stellt die schwarze Klangsäule zackig und agil dar. Hier wird das Versprechen der fokussiert auf Geschwindigkeit entwickelten hauseigenen Treiber hörbar eingelöst.

Die Principia 7 (rechts im Bild) ist der größere der beiden Standlautsprecher. Mit Hilfe des Centers und der kompakteren beiden Modelle kann ein stimmiges Mehrkanalsystem aufgebaut werden.

Natürlich war es interessant, wie sich der Lautsprecher an preisklassen-adäquaten Verstärkern verhält. Hier bot sich der Marantz HD-Amp1 an, der – wie schon die Vincent-Kombination zuvor – durch ein IsoTek EVO 3 Aquarius-Netzfilter bestens bereinigte Stromzufuhr erhielt.

Erstaunliche Auflösung

Die besonderen Qualitäten des digitalen Marantz-Verstärkers bildeten sich über die Sonus-Faber-Speaker sofort ab: Schlackenlos, kontrolliert und ungefärbt füllt »Sittin' Here« vom letzten St. Germain-Album den Hörraum. Diese mit Musikern aus Mali bis zum Senegal eingespielte CD stellt wegen den in benachbarten Frequenzbereichen beheimateten afrikanischen Perkussions- und Saiteninstrumenten erhöhte Anforderungen an das Differenzierungsvermögen eines Lautsprechers. Das vielschichtige Interagieren von Ngoni, Kora und Balafon konnte die Principia jedoch eindeutig, transparent und nachvollziehbar auffächern. Auch den zusätzlich am unteren Ende schiebenden Housebeat-Shuffle realisierte sie sehr anregend, wobei erneut Präzision vor Masse ging.

Die Größe der Box, ihre imposante Bassreflex-Öffnung an der Front und die zwei Achtzehner mögen etwas anderes suggerieren, aber die Principia 7 erwies sich in meinem Hörzimmer nicht als übertriebener Vertreter ausgeprägter Basstümelei. Sie profitierte durchaus von einer wandnäheren Aufstellung mit vielleicht 50 Zentimeter Abstand zur Rückwand, dankte dann durch etwas mehr Volumen, was aber nicht auf Kosten der Genauigkeit ging. So fuhr die Box am Ende des Tests noch Extrapluspunkte ein – für die praxisnahe Integrationsfähigkeit im Wohnraum.

Lautsprecher Sonus Faber Principia 7

Impedanzminimum:   3,6 Ohm @ 56 Hz

Nennimpedanz (± 20% Toleranz):   4 Ohm

Empfindlichkeit:   89,3 dB (2,83 V / 1m; 500-5.000 Hz)

 

 

Hersteller:   Sonus Faber, Italien

Vertrieb:
   Audio Reference GmbH, Hamburg

Modell:   Principia 7

Kategorie:   Standlautsprecher

Paarpreis:    1.350 Euro

Garantie:   2 Jahre/3 Jahre nach Registrierung

Konstruktionsprinzip:   Dreiwege, Bassreflex

Bestückung:
   1 x 29-mm-Gewebe-Kalottenhochtöner,   1 x 150-mm-Polypropylen-Mitteltöner,   2 x 180-mm-Polypropylen-Tieftöner

Übergangsfrequenzen:   250, 2.500 Hz

Terminal:   Bi-Wiring / Bi-Amping

Ausführungen:   Schwarz Struktur-Vinyl

Abmessungen (B x H x T):   27 x 106 x 35,5 Zentimeter

Gewicht:   19 kg

 

 

Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg

Tel. 040/53320359

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Mit der Principia 7 ist es Sonus Faber gelungen, Qualitäten der Marke in ein preiswerteres Terrain zu transportieren und damit mehr Musikliebhabern diese besondere Klangerfahrung zu ermöglichen. Das Design ist weiterhin eigenständig, und auch die tonale Ausrichtung entspricht dem, wofür die Lautsprecher aus Italien geschätzt werden. Akustische Erbsenzählerei oder unbotmäßige Aggressivität sind der Principia 7 wesensfremd, es geht mehr um das harmonische Ganze als das isolierte Detail. Sie zeichnet kein kleinteiliges Pixel-Mosaik, sondern ein wundervolles Gesamtbild.   André Schwerdt

Sonus Faber Principia 7
Paarpreis: 1.350 Euro
Garantie: 3 Jahre (Registrierung erforderlich)
sehr gut
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TEST

Lautsprecher:
Sonus Faber Principia 7
Autor:
André Schwerdt
Datum:
04.01.2017
Hersteller:
Sonus Faber