Mit dem RAS-5000 springt der alteingesessene Hersteller Rotel spät auf den Zug ins Streaming-Schlaraffenland auf. Wie angenehm sich die Reise mit dem wuchtigen japanischen »All-In-One«-Verstärker gestaltet, klären wir in diesem Testbericht.

Eine der Definitionen, was denn High End ist, lautet: »Weniger ist mehr.« Gemeint sind damit gemeinhin etwa Verstärker, die ohne Klangregelung auskommen und puristische Schaltungen mit besten Bauteilen besitzen; CD-Player, die über ganz wenige Bedientaster verfügen, und Lautsprecher, deren klangliche Eigenschaften weit über dem liegen, was ihre kleinen Gehäuse vermuten lassen. So weit so gut. Inzwischen wird der Satz aber gerne auch mal dazu missbraucht, Geräte in die nächste Generation zu bringen und sie dabei ein wenig in der Ausstattung zu beschneiden, ein paar teure Bauteile einzusparen und die wie selbstverständlich einhergehende Preiserhöhung mit plumpem Marketing-Geplapper wettzumachen. Da besteht dann die größte Neuerung tatsächlich in der Veränderung der Typenbezeichnung oder im Anhängsel Mk-irgendwas. Unternehmen, die es anders machen, müssen eigentlich schön blöd sein, oder?

Doch wer wollte allen Ernstes das Team von Audionet rund um Geschäftsführer Thomas Gessler, Technikchef Bernd Sander und das »heimliche« High-End-Rückgrat des Unternehmens, Andreas Sehlhorst, als nicht clever bezeichnen? Da muss man bei der Motivation, den genialen Player VIP G2 zu überarbeiten, schon mal genau hinhören. Der Vorgänger des hier zum Test bereit stehenden G3-Modells, das für 7.900 Euro den Besitzer wechselt, hat sich schließlich weltweit ordentlich Lorbeeren verdient. Ohne jede Schwierigkeit hätte er weiter im Programm bleiben können.

Der Grund für die vollständige Überarbeitung ist ganz einfach: Die Herren von Audionet freuen sich darüber, wenn sie mit ihren Produkten erste Plätze besetzen, und sie freuen sich noch mehr darüber, wenn sie ihren Vorsprung halten beziehungsweise ausbauen können. Ob das im Falle des VIP möglich sein würde, wagten wir vor den Testläufen erst einmal zu bezweifeln. Denn was soll man an dieser Maschine noch verbessern können? Bernd Sander huscht ein Lächeln übers Gesicht, als wir ihm diese Frage stellen: »Da hat noch so einiges geschlummert, was wir für die G3-Version jetzt geweckt haben. Wir haben die guten Dinge beibehalten und ein paar Stellen sehr akribisch überarbeitet.« Dieser Satz des Chefentwicklers verstärkt unsere ohnehin große Testbereitschaft.

Graziles Schwergewicht

Was wiegt ein ordentlicher DVD-Spieler? Wenn er gut gemacht ist, sprich ein solides Gehäuse und ein vernünftiges Netzteil besitzt, kommt man schon auf fünf bis sieben Kilogramm. Der Audionet VIP G3 bringt satte 18 Kilo auf die Waage. Dafür ist hauptsächlich die schwere Granitplatte verantwortlich, die quasi das Fundament des Players darstellt. Nach wie vor ungewöhnlich ist der aus MDF konstruierte Gehäusedeckel, welcher aus klanglichen Gründen auch im Audionet CD-Player ART G2 eingesetzt wird. In der Mitte des Gehäusedeckels befindet sich der Ausschnitt, der den Zugang zum Laufwerk ermöglicht. Verschlossen wird das Ganze mit einer massiven Aluminiumplatte, die in seitlichen Führungsschienen präzise läuft.

Beim Blick ins Innere ist schon die erste Neuheit zu bewundern, denn der Fixierungspuck für die Discs fällt deutlich kleiner aus als im Vorgängermodell. Zudem scheint der Druck auf die Spindel durch einen stärkeren Magneten größer geworden zu sein. Durch die Reduzierung der Masse ist die Energie, die beim Drehen als Torsionsschwingung auf die Achse wirkt, geringer. Messungen bei Audionet haben gezeigt, dass Discs ruhiger laufen. Auch die Laufwerksplatte ist neu, sie ist um zwei auf jetzt sechs Millimeter Durchmesser angewachsen. Beibehalten wurde natürlich die Entkopplung des Laufwerks vom Chassis mit zwei Gurten. Nicht nur an dieser Stelle wird deutlich, dass die Entwickler größte Sorgfalt darauf verwendet haben, dass der Auslesevorgang aus dem von Pioneer beigesteuerten Laufwerk enorm stabil vonstatten geht.

Die jetzt lüfterlose Konstruktion weist auch im Eingangsbereich zahlreiche technische Finessen auf. So hat sich Bernd Sander das Netzfilter vorgenommen und es optimiert, durch eine CLC-Siebung findet jetzt eine Vorreinigung des ankommenden Stroms statt. Die Präzision ist am größten bei den Spannungsstabilisierungen, die kanalgetrennten Wandler beispielsweise werden mit einer exakten 5-Volt-Referenzspannung versorgt. In den Hauptkanälen sitzen nach wie vor 192 Kilohertz/24 Bit-Wandler, während die Surroundkanäle mit halber Taktfrequenz arbeiten. In der Videosektion sind sechs 14-Bitler am Werke.

Seit der Einführung des ersten Quellgeräts hat man bei Audionet besonderes Augenmerk auf das klangschädliche Phänomen »Jitter« gelegt. Als logische Konsequenz ist beim VIP G3 der Taktreiniger für SACD noch einmal verbessert worden. Unabhängig vom eingelegten Datenträger reklamiert Audionet sensationell niedrige Jitter-Werte. Im Zuge der Überarbeitung des Players zur G3-Version haben die Ingenieure außerdem jeden Schaltkreis mehrfach gemessen und sich überlegt, wo weitere Verbesserungsmöglichkeiten liegen könnten. Die sind denn auch, wie uns Bernd Sander berichtet, eher zahlreich ausgefallen – von homöopathischer Dosierung keine Spur. Von diesen »Überprüfungen« haben im Einzelnen Oszillator, Ausgangsstufe, Fernbedienung und nach Überarbeitung diverser Schaltungen vor allem die Messwerte profitiert, die beim VIP G3 noch besser als bei seinem Vorgänger ausfallen sollen.


So wird die Gattung beherrscht

Sein Äußeres lässt eine Ahnung von der Vielzahl seiner Möglichkeiten nicht unbedingt zu. Der VIP G3 kommt auf der Front mit ganzen vier Tasten aus, was dem puristischen High-End-Gedanken natürlich zuträglich ist. Per Fernbedienung – sogar die ist neu – wird der Rest erledigt. Der neue Infrarot-Commander »Harmony« stammt aus dem Hause Logitech, er ermöglicht die zuverlässige und einfache Steuerung des G3. Im Vergleich zur SRC-Fernbedienung des G3-Vorgängers sind die Anwendungs- und Steuermöglichkeiten vielfältiger geworden. Für Komfort sorgt der kleine Bildschirm ebenso wie die hinterleuchteten Tasten. Die Fernbedienung ist von Audionet für Audionet programmiert, so dass sich nicht nur der VIP G3 steuern lässt, sondern auch andere Komponenten des Herstellers. Betrieben wird die »Harmony« mit Akkus, für die Audionet auch eine Ladeschale mitliefert.

Ist ein TV-Bildschirm an den Player angeschlossen, nimmt man die Einstellungen bequem über das Menü vor. Das wird natürlich vor allem dann der Fall sein, wenn der VIP in einer Mehrkanal-Heimkino-Anlage zum Einsatz kommen soll. Aber High Ender haben keinen Grund, bange zu sein. Sie schalten auf der Rückseite des Players einfach die Videosektion per Kippschalter aus, verkabeln den Player dann wie einen klassischen CD-Spieler und bedienen ihn auch so.

Analoge Musiksignale werden für die Hauptkanäle (left/right) über XLR- und Cinchbuchsen ausgegeben. Für die Surroundkanäle – um beispielsweise mehrkanalig aufgenommene SACDs korrekt abzuspielen – bietet der VIP G3 ausschließlich Cinchbuchsen. Für die Bildausgabe stehen in analoger Form FBAS, S-Video und YUV/RGB zur Verfügung. In der Praxis haben wir allerdings fast ausschließlich den digitalen HDMI-Ausgang verwendet. Bei den Digitalausgängen stehen zwei koaxiale und eine 110 Ohm AES/EBU-Version bereit. Hinzu kommt ein weiterer SP/DIF in Toslink-Ausführung. Die Digitalausgänge können per Kipphebel komplett ausgeschaltet werden. Zusätzlich besteht die Wahlmöglichkeit »High Bit«, dann gibt der Player die Daten im Zweikanal-Betrieb mit bis zu 192 Kilohertz/24 Bit aus. Im alternativ wählbaren »Low Bit«-Modus werden die Daten mit 96 Kilohertz/24 Bit gesendet. Bei den Eingängen fällt nach wie vor die mit USB/SPDIF gekennzeichnete Buchse auf, hier kann ein Rechner seine Daten zur exakten Wandlung abliefern.

Eine Frage der Umgebung

Der VIP G3 ist in punkto Ketteneinbindung keine Diva, was aber nicht bedeutet, dass ihm seine Umgebung egal ist. Nachgeschaltete Verstärker und Lautsprecher müssen der Energie, Geschwindigkeit und Präzision schon gewachsen sein, die er zur Verfügung stellt. Das schränkt die Auswahl dann deutlich ein. Wer es sich einfach machen möchte, bleibt bei der Elektronik gleich in der Audionet-Welt. So verwendeten wir die kürzlich getestete Kombination aus PRE I G3 (inklusive externem Netzteil Audionet EPS) und AMP als Verstärker. Die Verbindungs-, Lautsprecher- und Netzkabel kamen abwechselnd von Cardas, HMS und Audionet. Bei den Lautsprechern standen neben der Dynaudio Focus 360 und den Revel F52 auch die als Geheimtipp geltenden Rhaido Ayra 2 zur Verfügung. Bevor wir mit den eigentlichen Tests begonnen haben, waren alle Elektronik-Komponenten über zehn Tage am Netz. Mittlerweile dürfte sich herumgesprochen haben, dass Audionet-Elektronik nicht »kalt« gehört werden sollte. Wer sich einen VIP G3 demonstrieren lassen möchte, sollte vorab stets nachfragen, wie lange die Maschine schon unter Spannung steht. Sind es weniger als 72 Stunden, kann allenfalls ein Funktions-, aber kein aussagekräftiger Hörtest stattfinden.


Musik von CD

Während eines Tests hangelt man sich in aller Regel durch einen festgelegten Parcours, der Aufschluss über die Qualitäten des Kandidaten geben soll. Das ist bisweilen stinklangweilig. Da sitzt der Redakteur dann in seinem Sessel und wünscht sich, dass es möglich schnell vorbei ist. Hier macht es »pling«, da macht es »plong«, und das mit jedem Player ein wenig anders. Ausnahmen bestätigen die Regel, und der Audionet VIP G3 gehört ganz klar zu den Ausnahmen. Bevor es mit anspruchsvoller musikalischer Kost ins Detail ging, landete »Thriller« von Michael Jackson im Laufwerksschacht. Wer die Kaufentscheidung für diesen Player abkürzen möchte, hört sich einfach die ersten 30 Sekunden von »Billie Jean« an. Unverschämt, wie der VIP G3 diese über 20 Jahre alte Pop-Produktion mit Leben erfüllt. Im Kleinen sind es die Energie in der Basslinie, die Präzision des Schlagzeugs und die etwas merkwürdigen Synthie-Geigen, im Großen ist es das Zusammenfügen dieser Teile zu einem wirklich eindrucksvollen Klangerlebnis, die begeisterten. Dass der Videopart während der Tontests abgeschaltet war, versteht sich von selbst. Zudem arbeiten bei Stereowiedergabe automatisch nur die D/A-Wandler der Hauptkanäle während die für die Surroundkanäle abgeschaltet sind.

Mit »Willow Weep For Me« von Muriel Zoe schöpft der VIP G3 aus dem Vollen. Die Tonfolgen verkommen nicht, wie so oft bei preiswerteren Playern, zur Langeweile, nein, der Audionet bringt Spannung in die Melodie und eine ordentliche Portion Gefühl in Zoes Stimme. Im Vergleich mit Audionets CD-Only-Player ART G2 überrascht, dass der VIP mit dem Kontrabass konsequenter umgeht und ihn deshalb realistischer wiedergibt. Kann das sein? George Benson & Al Jarreau Feat. Patti Austin liefern die Antwort mit »Let It Rain«: Der VIP G3 leuchtet einen wunderbar weiten Raum in Breite und Tiefe aus. Jeder Ton strotzt vor Kraft, ohne dabei lächerlich zu wirken. Der ART G2 geht mit den Passagen vorsichtiger um, sein Faible entwickelt er eher für das fein gesponnene Timing des Titels. Aber es steht außer Frage, dass der VIP mehr Klanggeschehen an die Oberfläche zieht.

Den letztendlich entscheidenden Titel steuerte das Hilliard Ensemble bei: Mit »Missa pro defunctis (Responsorium: Memento mei Deus)« deklassiert der Audionet VIP G3 nicht nur den kleinen Bruder aus eigenem Hause, sondern alles, was sich bis in die 5.000-Euro-Klasse zum Vergleich heranziehen lässt. Die Stimmen sind besser voneinander separiert, ohne dass es zum Verlust des Gesamteindrucks kommt. Eindringlich prägt sich die Musik beim Hören ein. Mit einem VIP G3 CDs zu hören, hinterlässt Spuren über den Genuss hinaus. So ist das mit eindrucksvollen Erlebnissen.

Wie MacBooks oder andere Rechner musizieren lernen

Dass sich auf der Rückseite des VIP G3 eine USB-Buchse befindet, ist kein schlechter Scherz der Entwickler, sondern vielmehr das ernstgemeinte Angebot, Musik vom Rechner im Audionet wandeln zu lassen. Dazu wird für die Tonausgabe über USB einfach der VIP G3 ausgewählt und los geht´s. Aber nicht erschrecken, das Ergebnis hängt sehr von der beim Speichern verwendeten Datenrate ab. »Skylark« von Friend'n Fellow aus der iTunes-Datenbank per USB in den VIP G3 gebracht, ist ein überraschend angenehmes Erlebnis. Es steht außer Frage, dass die hochwertige Audionet-Wandler-Konfiguration und die hochgerüstete, energiepotente Ausgangsstufe der Musik sehr viel mehr Ausdruckskraft mit auf den Weg geben als beispielsweise die analoge Verbindung des Rechners mit dem Vorverstärker. Nur bei den zum Vergleich herangezogenen CDs bekam das tonale Geschehen mehr Substanz, mehr Fleisch, mehr Leben. Es spricht also nichts dagegen, Musik vom Rechner über den Audionet zu hören. Wie audiophil das Ergebnis klingen wird, hängt in hohem Maße von der Qualität der zu wandelnden Daten ab.


Filme und Konzerte von DVD

Es gibt Heimkino-Anordnungen, die es einem erlauben, Filme wie »Stirb Langsam 4.0« entspannt im Sessel zu genießen. Das Geschehen findet auf dem Bildschirm statt, berührt den Zuschauer nicht sonderlich. Nicht so mit dem Audionet VIP G3. Schon in der Eingangssequenz fällt eine enorme Vielschichtigkeit auf. Die hochfrequenten Geräusche der Rechner, die Filmmusik und die darauf gelegten Dialoge wirken echt – echter als bei DVD-Spielern der 3.000-Euro-Klasse und echter als von einem Standard-A/V-Receiver gewandelt. Da klingt eine zugeworfene Autotür dann so, wie es sein soll. Beim Bild, das wir über HDMI in Richtung Toshiba 42RV555D schicken, gibt es nichts zu kritisieren. Es entspricht dem Klassenstandard. Bei der ersten Schießerei bekommt man selbst bei nur leicht erhöhtem Lautstärkepegel plötzlich gehörigen Respekt vor Schusswaffen. Der VIP G3 separiert offensichtlich die verschiedenen Kanäle extrem akkurat.

Was er bei Musik schon unter Beweis gestellt hatte, setzt sich jetzt im filmischen Geschehen nahtlos fort. Der Audionet scheint mit mehr Kraft zu Werke zu gehen, und das bezieht sich eindeutig nicht nur auf den oftmals so spektakulären Tief- und Grundtonbereich, sondern vor allem auch auf den Hochtonbereich: etwa bei Hubschrauber-Turbinen, in Szene gesetzten Computeraktivierungen und Bremsgeräuschen von Fahrzeugen, die man bei anderen Playern nicht einmal hört. In einer anderen Szene rast Bruce Willis alias John McClane mit einem Geländewagen in einen Fahrstuhlschacht. Auch wer diese Sequenz bereits etliche Male gesehen hat, wird sich nun darüber wundern, wie viele Details einem bisher entgangen sind. Reißende Seile, fallende Gegenstände, es ist famos.

Dieser Eindruck stabilisiert sich mit »No Country For Old Men«. Der mit vier Oscars ausgezeichnete Film lebt zum großen Teil von seiner überlegten Tonkulisse. Da fallen Handschellen in ein Waschbecken, fließt Wasser hinterher. Das Anziehen einer Handbremse, das im Kino noch unterging, ist plastisch zu hören. Auch die Dialoge wirken ungekünstelt, die Stimmen, obwohl synchronisiert, sind perfekt eingepasst. Das Bolzenschussgerät bekommt seinen Schrecken über die explosive Dynamik. Ja, auch Filme machen mit dem VIP G3 richtig Spaß.

Führen wir Musik und Film doch zusammen und genießen »When In Rome 2007«, die Live-DVD von Genesis. Bei »Domino« erlaubt sich Phil Collins einen netten Spaß: Er teilt das Publikum in vier Gruppen ein, die dann gegeneinander anschreien dürfen. Mit dem VIP G3 klingt dies plastischer als mit anderen DVD-Playern, bei denen man das analoge Signal auch direkt abgreifen kann. Für das Erwecken realistischer Eindrücke gebührt dem Audionet größtes Lob, die Technik weicht aus dem Fokus und die Zuschauer erleben ein beeindruckendes Konzert in Rom – das wird einem beim Abspann schmerzlich bewusst, wenn man abrupt wieder im Hörraum landet.

Musikalischer Höhenflug mit SACDs

Was passiert, wenn man einen Player im Test hat, der in unverwechselbarer Weise mit der Klangqualität von CDs umgeht, der im Grunde genommen so gut in dieser Sparte ist, dass er hochauflösende Tonträger wie die SACD oder – wer denn noch welche besitzt – DVD-Audios überflüssig macht? Tut sich da wirklich noch etwas? Oder zumindest so viel, dass das hochauflösende Medium seine Existenzberechtigung behält? Nach den ersten Takten der »Carmina Burana« in der Einspielung des Atlanta Symphony Orchestra dachte der Autor dieser Zeilen kurz darüber nach, vielleicht doch besser die Überschrift »Fan-Artikel« zu verwenden. Es lässt sich kaum in Worte fassen, was der VIP G3 dem SACD-Tonträger da entlockt. Aus dieser eigentlich undenkbaren Kombination aus akribischer Detailabbildung und der Widerspiegelung des Gesamtkunstwerks entsteht eine unvergleichliche, einzigartige Faszination. Der Chor ist nicht nur gestaffelt, nein, auch den Aufstellungsradius kann man hören. »Primo Vere: Ecce Gratum« fließt beschwingt und in bestechender Klangqualität aus den Lautsprechern. Die Farben der Instrumente stimmen, die riesige Konzerthalle des Woodruff ArtsCenter entsteht im Hörraum, und die von den Sängern angestoßene Luft erreicht die Hörer eins zu eins. Fehlen noch drei Worte zur Dynamik: Mehr geht nicht.

Wer wissen möchte, welche Klangqualität Quellgeräte mit SACD erreichen können, kaufe sich Michel Camilos »Spirit Of The Moment« und wähle den Titel »My Secret Place«. Der Audionet VIP G3 wird Sie wie bei einem guten Rausch in eine andere Welt entführen. Dafür braucht er übrigens keine fünf Minuten. Die ganze Schönheit der Musik, die ja nach Meinung einiger Experten nur bei einer Live-Performance wirklich erweckt werden kann, kommt hier zum Vorschein. Vor allem Camilos ausdrucksstarkes Klavierspiel überzeugt, ebenso die fein perlenden Läufe und das sachte Ausschwingen, nein, das kann keine CD. Der Vergleich mit den parallel mitlaufenden Playern bestätigt das Urteil.

»Made In The Shade« ist das wohl letzte Album von Sara K., das Günter Pauler hervorragend produziert hat. Diese SACD setzt klangliche Maßstäbe. »After There's A Blizzard« könnte ein Lehrstück für perfekte Stereophonie werden: Zur erstklassigen Abbildung der Stimme, der kein noch so kleines Detail bei der Artikulation fehlt, gesellt sich ein Bass, der einem die Zwerchfellregion wohlig massiert – es ist einfach nur großartig!

So, die Arbeit ist gemacht, der Testparcours ist erfolgreich abgeritten. Die Nächsten, die den VIP G3 jetzt in die Finger bekommen, wären eigentlich der Fotograf und der Leiter der Messtechnik. Pustekuchen, jetzt werden die richtigen Scheiben rausgeholt: Lassen wir es krachen mit »Emergency« von Faithless. Knallharter Elektrobeat, spacige Gitarre, perfekter Rhythmus – da wird selbst der eigens zum Hörtest eingeladene DJ blass. »Das kann High End?«, fragt er ob der überragenden Performance sichtlich irritiert. Die banale Antwort lautet: »Ja, wenn Audionet auf Quelle und Verstärkern steht!« Für i-fidelity.net ist das ein wichtiges Kriterium. Es geht nicht nur darum, dass zu testende Komponenten unter intellektuellen Gesichtspunkten bestehen, sie müssen auch gewöhnlichen Dingen den »Kick« geben. Der Audionet VIP G3 tut das!

Laborkommentar

Den Audionet VIP G3 haben wir mit abgeschalteter Videosektion auf seine klanglichen Eigenschaften hin (CD, 16 Bit) am unsymmetrischen Ausgang gemessen. Auffällig ist dabei die hohe Ausgangsspannung von 3,55 Volt, damit ist der VIP G3 deutlich lauter als ein typischer 2-Volt-Player. Ansonsten reizt Audionet insbesondere bei den Verzerrungswerten das 16-Bit-Format der CD voll aus. Auch die Störabstände sind wirklich erstklassig, die Kanaldifferenz ist verschwindend gering, und der Ausgangswiderstand liegt bei niedrigen 33 Ohm. Ebenfalls vorbildlich ist der geringe Stand-by-Verbrauch, mit nur einem halben Watt ist der VIP G3 voll auf der Höhe der Zeit.

Verzerrungen:
Klirrfaktor (THD+N):   0,0015 %
IM-Verzerrungen (SMPTE):   0,0021 %  
IM-Verzerrungen (CCIF):  0,0005 %

Störabstände:
Fremdspannung (20 kHz):   -95,4 dBr
Fremdspannung (250 kHz):   -83,0 dBr
Geräuschspannung (A-bewertet):   -97,7 dBr

Wandlerlinearität:

-50 dB:   0,012 dB
-60 dB:   0,014 dB
-70 dB:   0,035 dB
-80 dB:   0,228 dB
-90 dB:   0,589 dB

Sonstige:
Ausgangsspannung:   3,55 V
Kanaldifferenz:   0,05 dB
Ausgangswiderstand:   33 Ω
DC-Ausgangs-Offset:   < 0,5 mV


Stromverbrauch:

Aus:   0 W
Stand-by:   0,5 W
Ein:   31 W
Betrieb:   50 W

 

Audionet VIP G3
Kategorie: Digitaler Multiplayer

Abspielbare Formate: DVD-Video, DVD-Audio, SACD (2 und mehrkanalig), VCD, SVCD, DVD-R, DVD+R, DVD-RW, DVD+RW, CD, CD-R, CD-RW, MP3-CD

Signaldeccodierung: Dolby Digital, DTS, DTS Music

Anschlüsse
Analoge Audioausgänge: 6 x Cinch, 2 x XLR
Digitale Audioausgänge: 2 x Cinch, 1 x AES/EBU, 1 x optisch
Digitaler Audioeingang: 1 x USB

Analoge Videoausgänge: 1 x YUV/RGB, 1 x S-Video, 1 x FBAS
Digitaler Videoausgang: 1 x HDMI

Anschluss für externes Netzteil EPS

Abmessungen (B x H x T): 43 x 12 x 36 Zentimeter
Gewicht: 18 Kilogramm

Link zum Hersteller

Idektron / Audionet
Unternehmens- und Technologieberatung GmbH & Co.
Entwicklungs- und Produktions-KG
Alboinstraße 36-42
12103 Berlin

Telefon:   0 30 / 23 32 42 10

Internet:   www.audionet.de

Facebook:   https://www.facebook.com/audionet.international/?fref=ts

Der Audionet VIP G3 ist eine magische Quelle. Seine unnachahmliche Art, Musik von CD und SACD bereits zweikanalig zum Leben zu erwecken, diese unverschämte Leichtigkeit, die er auch in anspruchsvollen, komplexen musikalischen Strukturen nicht verliert, seine grenzenlose Kraft in den unteren Oktaven, die nie außer Kontrolle gerät, sowie die sensationelle Raumabbildung katapultieren diesen Universalplayer auf die Spitzenposition. Seinen Vorgänger VIP G2 weist er zwar nicht vollkommen in die Schranken, aber dennoch setzt er sich mit deutlichem Abstand davor fest. Die Multiplayer-Referenz bei i-fidelity.net heißt Audionet VIP G3.     Olaf Sturm

Audionet VIP G3
Preis: 7.900 Euro
Garantie: 3 Jahre
überragend
überragend
sehr gut
sehr gut
überragend

TEST

Audiophiles:
Audionet VIP G3
Autor:
Olaf Sturm
Datum:
07.05.2010
Hersteller:
Audionet