Mit dem NR1601 etablierte Marantz anno 2010 den ersten hochwertigen AV-Receiver, der trotz flacher Erscheinung dicken Boliden die Stirn bot. Im Zuge der Modellpflege wird dieses erfolgreiche Konzept konsequent weiterverfolgt, verfeinert und ergänzt. Was der brandneue NR1607 alles zu bieten hat, erfahren Sie in diesem i-fidelity.net-Testbericht.

Die Slim-Line-Serie von Marantz besetzt sehr erfolgreich eine naheliegende Nische. Deren nur knapp über zehn Zentimeter hohen Modelle haben zwar das wohnraum-freundliche Format der kleinen, häufig jedoch untermotorisierten Steuergeräte aus Heimkino-Komplettpaketen. Aber sie besitzen die Fähigkeiten klassischer AV-Receiver.

Solche großen Audio-Video-Zentralen geben die umfangreichen Anforderungen vor, welche die Marantz-Ingenieure im deutlich kleineren Gehäuse unterbringen müssen. Und das ist eine komplexe Aufgabe. Denn ein AV-Receiver hat heutzutage drei Basis-Vorgaben zu erfüllen: beste Klangqualität bei Musik und modernen Surround-Formaten, umfassende Video-Verarbeitung auf dem neuesten Stand sowie vielformatiges Audio im Netzwerk – gerne auch kabellos.

Dieses Anforderungsprofil bezüglich Ausstattung erfüllt der NR1607 – soviel vorneweg – auf beeindruckende Art und Weise. Er ist in der Lage, sowohl im herkömmlichen 7.2-Setup als auch in einer 5.1.2-Konfiguration gemäß Dolby Atmos zu spielen. Diese noch junge objektbasierte Technologie stellt durch Hinzunahme einer weiteren akustischen Ebene (= Höhe) bei der Glaubwürdigkeit des Surroundsound-Erlebnisses einen erheblichen Schritt nach vorne dar. Der NR1607 hat die notwendigen Atmos-Decoder an Bord. Für das vergleichbar gelagerte DTS:X-Format ist der Receiver zumindest vorbereitet und lässt sich – bei Verfügbarkeit – mittels Firmware-Update aktualisieren. Nicht native Signale können durch Neural:X-Upmixing aufgearbeitet und so in die Nähe einer echten dreidimensionalen Darbietung gebracht werden. Gewöhnlicher HD-Ton gemäß Dolby TrueHD und verschiedenen DTS-Varianten ist inzwischen ein selbstverständliches Feature.

Ebenso wie der Audio-Bereich zeigt sich auch die umfangreiche Video-Sektion des AV-Receivers auf dem aktuellen Stand. Der NR1607 unterstützt dabei Ultra-High-Definition-Bildmaterial in vielfältiger Form. Er verarbeitet 4K Ultra HD-Video mit 60 Hertz, HDR- und 21:9-Video und erfüllt die neue HDMI-Spezifikation 20a. Durch seine Kompatibilität zum Kopierschutz HDCP 2.2 ist er bereit für zukünftiges 4K-Streaming sowie die neue Ultra-HD-Blu-ray. Der schmale Receiver kann also auch mit der nächsten Generation von Zuspielern zusammenarbeiten – an sage und schreibe acht HDMI-Eingängen! Aber selbst nicht ganz taufrische DVDs, betagte Video-Files oder normale Streams stellt der NR1607 so attraktiv wie möglich dar. Denn seine Video-Verarbeitungskomponente ermöglicht eine Aufwärtskonvertierung von SD- und HD-Video auf 4K Ultra HD und sorgt so für maximale Bildqualität.

Allumfassendes Netzwerk-Audio

Neben den Kernthemen Mehrkanal-Audio und Video-Verarbeitung hat Marantz über die verschiedenen Evolutionsetappen dieser Slim-Line-Serie den Netzwerk-Aspekt als drittes Standbein erheblich aufgebohrt. Die zwei rückwärtig angebrachten Antennen signalisieren die Fähigkeiten des Marantz, Musik sowohl per Bluetooth als auch via WLAN kabellos einzubinden. Der NR1607 unterstützt Airplay, bietet Internetradio, erlaubt die Verbindung zum Spotify-Musikdienst und das Abspielen eigener Musikdateien. Letztere können über einen direkt angedockten USB-Datenträger oder via Netzwerk eingelesen werden. Dabei finden auch die Bedürfnisse der anspruchsvollen Hörer lobenswerte Berücksichtigung. Denn der schmale Receiver verarbeitet – neben MP3s – klaglos hochaufgelöste Dateien bis zu 24 Bit/192 Kilohertz in den Formaten FLAC, ALAC, AIFF und WAV. Aber da geht noch mehr: Auch DSD-Files auf SACD-Niveau bis hin zu 5,6 Megahertz lassen sich abspielen.

Intuitive Inbetriebnahme

Die größte Aufgabe für Marantz dürfte es gewesen sein, solche überbordende Feature-Vielfalt für den Kunden frustrationsfrei erfassbar zu machen. Deswegen versucht man auf vielen Ebenen, dieses Mehr an Möglichkeiten dem Nutzer verständlich zu kommunizieren. Hierfür kommen ein Setup-Assistent, die grafische Oberfläche via TV, die bewährte Audyssey MultEQ Raumakustik-Kalibrierung durch DSP-Korrekturfilter und eine neue Remote App 2016 zum Einsatz. Neben den Klassikern wie Quickstart Guide und 286-Seiten-Manual dachte Marantz auch an farbkodierte Aufkleber für die jeweiligen Lautsprecherkabelstränge und einen zusammensteckbaren Mikrofonständer aus Pappe für das Messmikrofon (kein Witz!).
Um dieses entscheidende Merkmal auf Stichhaltigkeit zu prüfen, bin ich genau diesen Anwenderweg gegangen: ausgepackt, Quickstart Guide gegriffen, Kabel bereit gelegt – und los. Ein Kernaspekt des NR1607 wird sofort sichtbar: Er nimmt im Regal vertikal weniger Platz weg und dominiert dieses nicht in dem Maße, wie es das sonst dort residierende AVR-Großkaliber tut.

Der über ein sehr verständlich gehaltenes Bildschirm-Menü am TV durchgeführte Einrichtungsvorgang ist in einer knappen Stunde vollzogen – und zwar inklusive Audyssey-Einmessungen, (Um-)Benennung der Eingänge, WLAN-Integration, Bluetooth-Kopplung und Airplay-Zuweisung. Und alles klappt tatsächlich sofort. Das ist beileibe nicht die Regel und ein Beleg dafür, wie ernst Marantz die zentrale Forderung an die Anwenderfreundlichkeit nimmt. Dieses Einrichten und Bedienen des NR1607 via Flachbild-TV entspricht dem guten, wenn auch gewohnten Standard bei einem Heimkino-Receiver. Doch es geht noch mehr.

Die neue AVR-App im gediegen gold-beigen Marantz-Look garantiert nicht nur den übersichtlichen Zugriff auf alle wichtigen Informationen, sondern ermöglicht auch eine spielerische Form der Bedienung.

Mehrwert-App

Durch die kostenlose Marantz AVR-App in aufgefrischter neuer Version kommt eine weitere Komfort-Dimension hinzu. Die Applikation für iOS-Devices, Android-Geräte und bemerkenswerterweise auch Amazon Kindle vermag es, die Vielfalt der Funktionen des Receivers nicht nur besser handhabbar zu gestalten, sondern auch in eine spielerisch-sinnliche Erfahrung zu transformieren. Das reicht von den grundsätzlichen Einstellungen bis zum täglichen Gebrauch, etwa dem Ansprechen der Lieblingssender im Internetradio oder einem Verwalten der eigenen Musikbibliotheken. Der NR1607 in Verbindung mit der App macht einfach Spaß – und das ist nun etwas, was man dem Handling von Heimkinoanlagen bis dato selten nachsagen konnte.

Als gutes Prüfungsmaterial für das Leistungsvermögen von AV-Receivern eignen sich aktuelle Blu-rays aus der Marvel-Schmiede. Denn die Superhelden-Abenteuer strotzen nur vor dichter Atmosphäre und rasanten Effekten. Sie fordern zum Beispiel die Fähigkeit ein, im Action-Getümmel alle gesprochenen Passagen gut verständlich zu übermitteln. Bei »Avengers – Age Of Ultron« erwies sich der Marantz NR1607 dieser Aufgabe als absolut gewachsen. Er verlor nie die akustische Übersicht und blieb stets transparent und sprachverständlich. Die vielfältigen starken Impulse, wenn in rasanten Kampfszenen Detonationen, Stürze und Schläge schnell aufeinander folgen, verarbeitete der Receiver präzise und sauber. Aber auch in den ruhigeren Passagen trug der Marantz durch seine feine klangliche Darstellung erheblich zum Genuss des Films bei.

Dennoch: Trotz rund 100 Watt pro Kanal aus diskreten Endstufen bleibt das Pegel-Potential des kleinen Receivers naturgemäß begrenzt – weswegen man ihm beschallte Flächen von mehr als 35 Quadratmetern nicht zumuten sollte. Bei der Wahl der begleitenden Surround-Lautsprecher kann das Klangergebnis durch geschickte Kombinationen optimiert werden. Hier gilt es, wirkungsgradschwache Mikro-Satelliten zu meiden und sich eher in Richtung kompakter Regalboxen zu orientieren. So wird der NR1607 alle modernen Heimkino-Anforderungen mit Leichtigkeit erfüllen. Selbst wenn Thor den Hammer schwingt…

Music Matters

Inwieweit der AV-Receiver auch bei Musik überdurchschnittlich performt, wird über Netzwerk mit digital eingespieltem Material geprüft. Die Audio-Files hätten alternativ auch von einer direkt angedockten Festplatte oder via iPhone, iPad oder iPod eingelesen können, wobei Letztere auch noch aufgeladen werden. Welche Variante man auch wählt: Eine Gapless-Wiedergabe ist gewährleistet, was insbesondere für Freunde von klassischer Musik, Live-Konzerten oder DJ-Mixes von Bedeutung ist.

Die umfassende Funktionsvielfalt und Konnektivität des NR1607 spiegelt sich in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Rückseite wider.

Der meinerseits gerne genutzte Weg via Vinyl muss ausbleiben, denn bei aller Ausstattungsvielfalt verzichtet das schlanke Steuergerät in der Analog-Sektion auf einen Phono-Eingang. Das kleine Manko ließe sich mit einem zusätzlichen Vorverstärker zwar leicht beheben, aber da das Komfortpaket des NR1607 ansonsten so üppig geschnürt ist, wird stattdessen lieber die App auf dem iPad angeworfen. Im Bereich Music Server wartet das Album »Bless You« von Lulu Rouge. Kurz angetippt, Titeltrack ausgewählt und los geht es.

Mit Subwoofer-Unterstützung ...

... schlägt der Marantz im Bassbereich sogleich reichhaltig zu, während parallel die Hi-Hats vom Drumcomputer wie gewünscht synthetisch zischen und der Sprachgesang die Aufmerksamkeit in einer atmosphärisch dichten Abbildung auf sich zieht. Das klingt überzeugend, gewünscht kraftvoll und modernen Produktionsanforderungen angemessen. Elektronischen Pop kann der Marantz also.

Aber wie geht er mit den leiseren, differenzierten Tönen um? Hier gelangt Patricia Barbers HiFi-Vorführklassiker »Companion« als hochaufgelöstes FLAC zum Einsatz. Bei ihrer Version von Bill Withers' »Use Me« setzt der stramm akzentuierende Akustikbass den diesmal ohne Sub spielenden kleinen Marantz AV-Receiver gleich erheblich unter Druck. Doch Körper, »Knorrigkeit« und Akkuratesse überzeugen sogleich, und auch der dargebotene Tiefgang ist nicht zu knapp bemessen. Die spezifische Räumlichkeit dieser Live-Aufnahme bildet der Marantz gut nach, ebenso die unterkühlt-betörende Charakteristik der Gesangs-Darbietung. Die diffizile Perkussion im Zusammenspiel mit der beabsichtigt schrillen Orgel habe ich zwar schon feiner filetiert gehört, aber nicht von AV-Receivern dieser Preisklasse. Diese Gratwanderung zwischen Preis und Leistung beherrscht Marantz vorbildlich.

Die beste musikalische Performance …

… leistet der Marantz im »Pure Direct«-Modus, bei dem das Geräte-Display sowie der analoge Videobereich ausgeschaltet werden. In diesem Setting fährt auch der anspruchsvolle Musikfreund mit dem schlanken NR1607 sehr gut. Etwas anderes hätte aber auch verwundert, lautet das Marantz-Motto doch noch immer: »Music Matters«. Und das merkt man auch bei diesem AV-Receiver deutlich.

Messwerte AV-Receiver Marantz NR1607

Leistung:
Nennleistung @ 4 Ohm (1% THD):   119 W
Nennleistung @ 8 Ohm (1% THD):   79 W

Verzerrungen:
Klirrfaktor (THD+N, 10 Watt @ 4 Ohm):   0,016 %
IM-Verzerrungen SMPTE (5 Watt @ 4 Ohm):   0,069 %
IM-Verzerrungen CCIF (5 Watt @ 4 Ohm):   0,020%
 
Störabstände:

Fremdspannung (- 20 kHz):   -83,3 dB
Geräuschspannung (A-bewertet):   -100,6 dB
 
Sonstige:
Obere Grenzfrequenz (-3dB / 10 W @ 4 Ohm):   150 kHz

Kanaldifferenz:   0,53 dB

Eingangswiderstand:   49 kOhm


Stromverbrauch:
Stand-by:   2,8 W
Leerlauf:   36,5 W

Hersteller:   Marantz, Japan

Vertrieb:   Marantz Deutschland, Division of D&M Germany, Osnabrück

Produkt:   NR1607

Kategorie:   AV-Netzwerk-Receiver

Preis:   749 Euro

Garantie:
   2 Jahre

Video-Eingänge:

  • 8 x HDMI (7+1)
  • 2 x Komponente
  • 3 x Composite


Video-Ausgänge:

  • 1 x HDMI
  • 1 x Komponente
  • 1 x Composite


Audio-Eingänge:

  • 1 x Digital Optisch TosLink
  • 1 x Digital Koaxial TosLink
  • 3 x Analog Stereo
  • 1 x USB-Port A


Ausgänge:

  • 2 x Analog Stereo
  • 2 x Analog Mono Subwoofer
  • 1 x Kopfhörer Klinke 6,3 mm
  • 7 x Lautsprecher


Datenanschlüsse:

  • 1 x USB-Port A
  • 1 x Ethernet
  • 1 x Remote
  • 1 x 12 V Trigger


Fernbedienung:   1 x System-Fernbedienung / AVR-App

Ausführungen:   Schwarz, Silber-Gold

Abmessungen (B x H x T):
   44,0 x 10,5 x 37,6 cm

Gewicht:   8,3 kg

 

 

Marantz Deutschland
D&M Germany GmbH

A division of Sound United
An der Kleinbahn 18
41334 Nettetal

E-Mail:   info@marantz.de

Internet:   www.marantz.de



Schweiz
Piega SA
Bahnhofstraße 29
CH-8810 Horgen

Telefon:   0 44 / 7 25 90 42
Fax:   0 44 / 7 25 91 92

E-Mail:   marantz@piega.ch

Auch dem neuesten Vertreter der beständig weiterentwickelten Slim-Line-Serie von Marantz gelingt der Spagat zwischen kompaktem Design und qualitativem Anspruch mit Bravour. Der NR1607 überzeugt mit einer sehr umfassenden Ausstattung. Er ist für alle derzeitigen und angekündigten neuen Audio/Video-Anforderungen bestens vorbereitet. Auf die aktuellen Wünsche in Bereich des kabellosen Netzwerk-Audio hat das Gerät immer eine gute Antwort – häufig sogar mehrere. Wenn beim Thema AV-Receiver der Platz gering, aber der Anspruch hoch ist, heißt die überzeugende Lösung: Marantz NR1607.   André Schwerdt

Marantz NR1607
Preis: 749 Euro
Garantie: 2 Jahre
sehr gut
gut - sehr gut
überragend
sehr gut
sehr gut

TEST

Heimkino:
Marantz NR1607
Autor:
André Schwerdt
Datum:
01.06.2016
Hersteller:
Marantz